Kehl. Artur Hessler hat viel von der Welt gesehen: Simbabwe, Indien, Türkei, Russland und Georgien. Zu verdanken hat der Mann aus Kork diese Reisen seiner Arbeit beim Senior-Experten-Service. Die gemeinnützige GmbH mit Sitz in Bonn und 14 Büros in ganz Deutschland leistet mit Fachleuten im Ruhestand Hilfe zur Selbsthilfe. In seinen Auslandseinsätzen hat Hessler sich darum gekümmert, die Arbeit mit behinderten Menschen zu verbessern. Er bringt für diesen Job beste Voraussetzung mit: Denn der Diplom-Sozialarbeiter war 26 Jahre lang Chef der Evangelischen Fachschule für Heilerziehungspflege in der Diakonie Kork.
Seit Juni hat der Senior-Experte aus Kork eine weitere Aufgabe: Er betreut einen jungen Mann aus Kehl, der eine Ausbildung als Verkäufer im Einzelhandel absolviert. Seine Familie ist von Osteuropa nach Kehl gekommen. Jetzt hat der junge Mann große Probleme in der Berufsschule. Er kommt mit dem Unterrichtsstoff nicht klar. Vor allem an der Sprache hapert’s. Die Folge: miese Noten. Um die Ausbildung doch noch zu packen, hat er sich deshalb Verstärkung an seine Seite geholt: Artur Hessler.
Sehr verunsichert
Im Rahmen des Projekts »Vera« (Verhinderung von Abbrüchen) steht der Mann aus Kork dem Lehrling zur Seite. Der steckt derzeit mitten in den Prüfungen, deshalb ist er auch nicht beim Pressegespräch mit dabei: »Das würde ihn total durcheinander bringen«, sagt Hessler. Denn die Verunsicherung beim dem Kehler Azubi ist groß, ebenso seine Angst vor dem Versagen: Deshalb sei seine erste Aufgabe auch gewesen, erklärt Artur Hessler: »aufbauen, motivieren und stabilisieren.« Der 74-jährige Korker trifft sich einmal in der Woche mit dem Berufsschüler. Eine Stunde lang – wenn nötig auch länger – besprechen sie seine Probleme, suchen nach Lösungen und gehen auch den Unterrichtsstoff durch. »Er gibt dabei das Thema vor, das ihm wichtig ist«, erklärt Hessler. Der Sozialarbeiter ist aber, darauf legt er Wert, kein Nachhilfe-Lehrer. »Ich gebe Hilfe zur Selbsthilfe«, sagt er, »und das in allen Lebenslagen.«
Hilfe zur Selbsthilfe: Das sieht auch der »Vera«-Koordinator für Südbaden, Werner Grieshaber, als eine wichtige Säule des Projekts an. Die Förderung der Lernkompetenz sei deshalb auch ein Schwerpunkt – neben einer Erklärung der dualen Ausbildung – beim Einführungsseminar für die Senior-Experten. Eine zweite wichtige Säule sei die Rolle der Ruheständler: Während die Eltern, Freunde und der Chef des Lehrlings mit gut gemeinten Ratschlägen kämen (»Du musst jetzt das und das machen«), nehmen die Senioren eher die Rolle von Großeltern ein: »Sie fragen erst mal: Wo hast Du Probleme? Wie könnte eine Lösung aussehen?« Es werde viel miteinander gesprochen und dann gemeinsam nach Lösungsstrategien gesucht. »Die schütten ihnen dann ihr Herz aus. Das tut denen gut«, sagt Werner Grieshaber (Foto), der wie die Senior-Experten ehrenamtlich arbeitet. Der Mann kennt sich aus in der Ortenau: Er ist in Ichenheim aufgewachsen und hat sogar mal längere Zeit in Sundheim Fußball gespielt. Und der Pädagoge hat beste Kontakte zu allen Berufsschulen der Region. Denn er war von 1999 bis 2010 Leiter der Gertrud-Luckner-Gewerbe-schule in Freiburg und arbeitete davor 25 Jahre lang (von 1974 bis 1999) an der Gewerbeschule in Emmendingen.
»Er kann es schaffen«
Mittlerweile ist der Jugendliche, den Artur Hessler berät und begleitet, im zweiten Ausbildungsjahr: »Er ist jetzt stabiler und zuversichtlich. Er hat nun die Kraft und Energie, sich mit seinen Schwächen zu beschäftigten«, hat Hessler erste Fortschritte festgestellt. »Er ist jetzt stabil genug, es zu schaffen.« Und wenn es so kommt, dass er seine Ausbildung erfolgreich zu Ende bringt, dann ist das auch das Verdienst von Artur Hessler aus Kork.







