Kehl/Willstätt. Kehl ist ein einfaches Pflaster, um seine Führerscheinprüfung zu machen? Von wegen. Peter Tschöpe weiß es besser. Er und sein Sohn Andreas, beide erfahrene Fahrlehrer, kennen die Ecken, die Fahrschülern Probleme bereiten.
Die erste kommt gleich vor seiner Haustür: die Kreuzung Albert-Schweitzer-Straße/Vogesenallee. Die Albert-Schweitzer-Straße mündet in zwei Y-förmigen „Ästen“, über die man jeweils raus und rein fahren kann. Will man nach links Richtung Wasserturm, gilt zunächst Rechts vor Links: Aufpassen, ob nicht von rechts ein Auto über den Zufahrts-Ast in die Albert-Schweitzer-Straße einbiegen will. Gleich darauf folgt die Stopp-Stelle – und wenn man an der Haltelinie steht, ragt das Heck in den Zebrastreifen.
Wohl auch deshalb sind manche Fahrschüler versucht, dort einen „Roll-Stopp“ hinzulegen. Doch an einem Stopp-Schild muss ein Auto deutlich still stehen. „Ein Roll-Stopp ist in der Fahrprüfung schon die ‚halbe Miete’“, so Peter Tschöpe.
Doch die ultimative Herausforderung ist die Kreuzung Alte Zollstraße/Gartenstraße/Hauptstraße: „Das volle Programm“, sagt Andreas Tschöpe. Zum einen ist die Hauptstraße vorfahrtberechtigt – so weit, so gut. Doch bei den beiden untergeordneten Straßen gilt untereinander Rechts vor Links. „Wer von der Gartenstraße in die Alte Zollstraße will, hat Vorfahrt“, erläutert Andreas Tschöpe. „Aber er muss aufpassen auf Autos, die von der Hauptstraße rechts abbiegen.“ Und will dann noch ein Auto von der Hauptstraße links abbiegen, ist es schwer zu erkennen, wo es hin will – in die Alte Zollstraße oder die Gartenstraße? Ziemlich viel, was ein Anfänger an dieser Stelle beachten muss.
Schwierig auch die einspurige Kinzigbrücke am Stahlwerk. Wer Richtung Auenheim auffährt, hat zwar theoretisch Vorfahrt – aber in der Praxis bringt das nichts, weil man die Brücke nicht einsehen kann. Richtig ist: Wer zuerst auf der Brücke ist, hat eben Vorfahrt, und die Autos am anderen Ende müssen warten. „Wir sagen unseren Schülern immer: Vorfahrt ist kein Recht, das man hat, sondern eines, das man eingeräumt bekommt“, so Peter Tschöpe.
Nicht leicht ist auch die B28. An der Geiger-Kreuzung etwa müssen Rechtsabbieger nicht nur die Geradeausfahrer beachten, sondern auch Linksabbieger aus Richtung Hafen. „Die werden oft übersehen“, so Andreas Tschöpe. Doch auch eher ruhige Ecken haben ihre Tücken. Beispiel Krankenhaus: Ab der Altrheinbrücke gilt auf der Kanzmattstraße Richtung Kreuzmatt Tempo 30. Doch kein Schild sagt, wo diese Zone endet. Tempo 30 ist ein Streckenverbot – es endet also nicht an der nächsten Kreuzung, sondern gilt so lange, bis es aufgehoben ist. Somit gilt Tempo 30 auf der gesamten Kanzmattstraße – doch wer von der Bierkellerstraße nach links in die Kanzmattstraße einbiegt, hat nie ein „Tempo 30“-Schild gesehen. „Das ist ein Fehler der Verwaltung“, fordert Peter Tschöpe die Stadt auf, hier für Klarheit zu sorgen.
Bei Überlandfahrten machen die zum Teil kurzen Beschleunigungsstreifen ohne Standspur auf der B28 oft Probleme: Viel Zeit für die richtige Entscheidung – Gas geben oder eher bremsen – bleibt da nicht. Und dann geht’s meist nach Willstätt. Viele parkende Autos am Straßenrand, enge Straßen: „Für viele Fahrschüler ist Willstätt das ‚Horror-Dorf’“, schmunzelt Andreas Tschöpe. Ungewohnt sind auch die Verkehrsspiegel – etwa in Eckartsweier. Sie sind zwar nützlich, weil man anders die vorfahrtberechtigten Straßen kaum einsehen kann – aber man muss schon zweimal hinschauen, bis man sie entdeckt.
Ist man gut gerüstet, wenn man in Kehl die Führerscheinprüfung macht? „In größeren Städten gibt es sicher mehr Verkehr“, sagt Andreas Tschöpe. „Und ich biete meinen Schülern gerne an, nach der Autobahn-Stunde noch durch Freiburg zu fahren, weil man da noch mit ganz anderen Dingen konfrontiert wird – Straßenbahnen zum Beispiel.“ Letztlich, sagt Vater Peter, sei Fahrschule nicht nur dazu da, in möglichst kurzer Zeit den Führerschein zu machen. Man müsse auch „gut ausbilden“ – und das heiße vor allem: die Fahrschüler zu lehren, vorausschauend, sicherheitsbewusst, rücksichtsvoll und umweltschonend zu fahren.
Info-Box
AUFGELISTET: DIE KEHLER FÜHRERSCHEINFALLEN
Die ultimative Herausforderung für jeden Fahrschüler: die Kreuzung Hauptstraße/Alte Zollstraße/Gartenstraße.
Vorsicht beim Rechtsabbiegen an der Geiger-Kreuzung. Auch Linksabbieger aus Richtung Hafen haben Vorfahrt.
B28: Kurze Beschleunigungsstreifen ohne Standspur lassen nicht viel Zeit für die richtige Entscheidung.
Die unendliche Tempo-30-Zone: Fehlerhafte Beschilderung sorgt für Konfusion auf der Kanzmattstraße.
Rücksichtnahme ist gefragt vor der Kinzigbrücke am Stahlwerk: Die dortige Vorfahrtregelung hilft in der Praxis gar nichts.







