09.03.2013

2014 ist endgültig Schluss

Konrad Schmid will Amt als Vorsitzender des FC Fischerbach abgeben / »Ehrenamt geht verloren«
Der Vorsitzende des FC Fischerbach Konrad Schmieder wünscht sich mehr ehrenamtliches Engagement.
Der Vorsitzende des FC Fischerbach Konrad Schmid hat angekündigt, sich im kommenden Jahr nicht wieder zur Wahl zu stellen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Ist für Sie 2014 endgültig Schluss?
Schmid: Ja. Ich werde mich auch nicht kommissarisch verpflichten. Die nächste Wahl ist für mich ein Endpunkt.
Was sind die Gründe?
Konrad Schmid: Auf der einen Seite hängt es mit meinem Beruf zusammen. Ich bin sehr stark eingespannt und kann den Posten als Vorsitzender nicht so intensiv erfüllen, wie ich es gern würde – weil mir einfach die Zeit fehlt. Der andere Punkt hat mit dem Verein und den Mitgliedern zu tun.
Inwiefern?
Schmid: Vor zwei Wochen bei der Hauptversammlung hat es sich wieder gezeigt: Es kamen 45 Mitglieder zur Versammlung, davon sieben aus dem Vorstand. Es waren also 38 von 450 Mitgliedern da – und das ist total unbefriedigend. Zum anderen ist es bei Arbeitseinsätzen und Festen jedes Mal ein Kampf, genügend Helfer zu finden. Das ehrliche Ehrenamt geht verloren. Heutzutage werden immer häufiger Aufwandsentschädigungen gefordert. Das ist wahrscheinlich nicht nur ein Problem des FC Fischerbach, aber ich mache das nicht mehr mit.
Wie lang engagieren Sie sich schon für den FC?
Schmid: Ich war acht Jahre lang Jugendleiter und bin seit drei Jahren Vorsitzender. Davor war ich lange Zeit Jugendtrainer und bis 1987 habe ich aktiv im Verein Fußball gespielt.
War die Hilfsbereitschaft unter den Mitgliedern früher größer?
Schmid: Diese Geschichte mit dem Finanziellen war sicherlich nicht so. Vor allem im Jugendbereich kommt es vor, dass die Leute Zuwendungen vom Verein erwarten – das gab’s früher nicht. Bei Arbeitseinsätzen mussten wir auch damals schon betteln, um genügend Leute zusammenzubekommen. Generell hat die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, aber immer mehr abgenommen.
Beim Bau des Kunstrasenplatzes schien es, dass die Vereinsmitglieder gut zusammengearbeitet haben.
Schmid: Als ich den Verein als Vorsitzender übernommen habe, hatten wir bereits ganz ähnliche Probleme. Der Kunstrasenbau 2010 hat dann für eine gewisse Euphorie gesorgt. Da ist es besser gelaufen und es haben mehr Leute mit angepackt. Seit das Projekt abgeschlossen ist, flacht es aber wieder total ab.
Was wird auf Ihren Nachfolger zukommen?
Schmid: Zum einen natürlich das Vereinsjubiläum zum 50-jährigen Bestehen 2016. Im kommenden Jahr steht außerdem die 875-Jahrfeier der Gemeinde an – in welcher Form auch immer. Auf meinen Nachfolger kommt also schon einiges zu und er wird auch immer wieder die Schwierigkeit haben, Leute zu mobilisieren.
Was sind die Hauptaufgabe des Vorsitzenden?
Schmid: Grundsätzlich natürlich das Organisieren und Repräsentieren. Im sportlichen Bereich kann man zum Glück einiges an die sportliche Leitung abgeben. Der Hauptpunkt ist die Komplettorganisation – und wenn etwas nicht so gut läuft, kommt das halt immer auf den Vorsitzenden zurück.
Gab es in letzter Zeit Probleme?
Schmid: Naja, wir haben vor kurzem das Clubhaus neu verpachtet. Da gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Wechsel. Im letzten Dreivierteljahr haben wir es in Eigenregie geführt. Jetzt haben wir mit Klaus Vögtle, der auch den Steinacher Schwimmbadkiosk betreibt, einen Pächter gefunden. Dadurch ändert sich natürlich einiges. Gerade für die aktiven Spieler fallen viele Freiheiten weg. Deshalb wurde uns Vorstandsmitgliedern bereits vorgeworfen, keine Rücksicht zu nehmen. Das ist aber eine vereinspolitische Entscheidung und die muss auch einfach mal akzeptiert werden.
Hatte die Entscheidung auch finanzielle Gründe?
Schmid: Ja, natürlich. Als ich vor drei Jahren übernommen habe, standen wir finanziell nicht gerade rosig da. Trotzdem haben wir den Kunstrasenbau hinbekommen – da haben wir auch unserem Wirtschaftsausschuss mit Werner Kohmann und unserem Kassierer Uwe Morlock viel zu verdanken. Gemeinsam haben wir es geschafft, den Verein finanziell auf gesunde Beine zu stellen, und ich habe mir eins geschworen: So lang ich Vorsitzender bin, wird so eine finanzielle Schieflage nicht mehr vorkommen. Nur wenn wir Geld einnehmen, können wir auch wieder welches ausgeben.
Bürgermeister Armin Schwarz verspricht sich durch den geplanten Abenteuerspielplatz beim Sportplatz auch eine größere Frequentierung des Clubhauses. Wie sehen Sie das?
Schmid: Kritisch. Sehr kritisch. Ich habe die Gemeinde gebeten, das Sportgelände einzuzäunen, falls der Spielplatz verwirklicht wird. Sonst machen die Jugendlichen Abenteuerspiele auf unserem Sportgelände. Besonders der Kunstrasen ist sehr empfindlich, und die Anlage ist ja weit weg vom Ortskern. Natürlich bedeutet die Umzäunung einen riesigen finanzieller Akt.
Werden Sie sich künftig auch weiterhin im Verein engagieren?
Schmid: Wenn ich wieder etwas mache, dann an der Basis – im ehrlichen Ehrenamt. Ich würde gern eine Jugendmannschaft trainieren. Ich habe ja eine DFB-Trainerlizenz. In der Jugendarbeit habe ich einen Ausgleich zu meinem Beruf und sie macht mir Spaß. Die Jugendlichen sind noch offener – das ist doch nicht so frustrierend. Vielleicht kann ich den Jugendlichen auch mitgeben, dass es nicht nur ums Fußballspielen geht, sondern dass man auch mit anpacken muss, um den Verein voranzubringen. Als Vorsitzender bin ich einfach zu weit weg von der Basis.

Benz Maria

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