09.03.2013

Die Wilhelm-Zangen-Straße in Hausach wird umbenannt

Der SWR filmte gestern das »Happy End« der ehemaligen Werkrealschüler, die die Stadt Hausach nicht nur dazu gebracht haben, die Ehrenbürgerschaft Hitlers abzuerkennen, sondern auch den Reichswirtschaftsführer der Nazizeit Wilhelm-Zangen vom Straßenschild
Die Umbenennung der Wilhelm-Zangen-Straße, die von ehemaligen Schülern der Graf-Heinrich-Schule gefordert wurde, hat der Gemeinderat bereits beschlossen. Am Montag steht nun der neue Name für die Straße im Industriegebiet Hausach-Ost auf der Tagesordnung.

Hausach. »Natürlich sind wir stolz«, sagt einer der Schüler, die sich gestern Nachmittag am Eingang der Wilhelm-Zangen-Straße zu einer Art Klassentreffen zusammengefunden haben. Der Südwestrundfunk, der vor mehr als zwei Jahren bereits die beiden Anträge der ehemaligen Graf-Heinrich-Schüler auf Aberkennung der Ehrenbürgerschaft Adolf Hitlers und Rückbenennung der Wilhelm-Zangen-Straße gefilmt hatte, wollte nun auch das »Happy End« festhalten.
»Ich finde das toll, wenn junge Leute für so etwas engagieren, das setzt deutliche Zeichen gegen die Politikverdrossenheit«, sagte SWR-Redakteur Christof Gerlitz gestern gegenüber dem Offenburger Tageblatt. Er hatte bereits Bürgermeister Manfred Wöhrle und Lehrer Manfred Schoch interviewt – nun stellte sich von den ehemaligen Werkrealschülern Raphael Becherer zur Verfügung.
»Wertvolle Zeit«
»Als wir recherchiert und begriffen haben, was der Wilhelm Zangen im Nationalsozialismus für eine Rolle gespielt hat, war die ganze Klasse dafür, das in Angriff zu nehmen«, erzählte er. Dass es so kompliziert werden und sich so lang hinziehen würde, hatte damals keiner gedacht. »Aber es war eine sehr wertvolle Zeit, und wenn ich mir das Ergebnis anschaue, muss ich sagen, wir haben gut gekämpft«, so Becherer.
Die jungen Leute bestätigten, dass der kritische Umgang mit der Geschichte auch nach der Schulzeit erhalten blieb. Sicher weit mehr, als wenn man das Thema im Frontalunterricht mal im Geschichtsunterricht behandelt hätte. Wunsch der Schüler ist es, die Wilhelm-Zangen-Straße wieder zurückzubenennen in Rosenstraße – wie sie bis in die Mitte der 50er-Jahre hieß.
Drei Namensvorschläge
Dieser Name hat übrigens nichts mit der Widerstandsbewegung »Weiße Rose« zu tun, wie viele glauben, sondern vielmehr mit dem damals idyllischen Gewann hinter dem Bahnhof. »Das passt nicht mehr zum heutigen Industriegebiet dort«, sagen andere, und deshalb stehen am Montagabend auch noch die neuen Straßennamen »Industriestraße« und »Hinterer Bahnhof« auf der Vorschlagsliste der Verwaltung.
Der SWR sendet den Hausacher
Beitrag am Montag, 11. März, in den Nachrichtensendungen um 18.45 Uhr und um 21.45 Uhr

Ramsteiner Claudia

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