Von Wolfgang Schätzle
(Text und Fotos)
Samstagmorgen, kurz nach 8.30 Uhr. Auf dem »Eisweiher« in Friesenheim reihen sich McCormick-Schlepper aneinander. Mitten drin steht Günter Bühler und gibt Anweisungen. Jedoch nicht für ein Bulldog-Treffen, wie man meinen könnte, sondern für eine Altpapier- und Alteisensammlung, initiiert, organisiert und durchgeführt vom Jugend-Förderverein des SC Friesenheim, dessen Vorsitzender Günter Bühler ist. Noch sind es hauptsächlich Vereinsmitglieder und Jugendtrainer, nach und nach trudeln auch Jugendspieler auf dem »Eisweiher« ein, wo insgesamt fünf riesige Container darauf warten, mit Eisen und Papier gefüllt zu werden.
Mittlerweile ist es 8.45 Uhr – Szenenwechsel: Auch in Schuttern wird Altmaterial gesammelt, allerdings nur Bleche, Eisen und sonstige Metallwaren. »Wir sind seit 7.59 Uhr unterwegs«, lacht Ottmar Kopf, der auch einen roten McCormick-Traktor fährt. »Die waren halt früher hier sehr verbreitet«, sagt er und gibt Gas. Schließlich gibt es noch einige Straßen abzufahren.
Vereinsvorsitzender Hans-Jürgen Kopf ist derweil dabei, in der Unterdorfstraße Kühlschränke und Elektroherde zwischenzulagern. »Die bringen wir unter der Woche auf die Deponie.« Kaum hat er das erklärt, fährt er mit seinen Leuten wieder durch den Ort und sammelt mit seinem Pkw-Anhänger nun auch gewöhnlichen Schrott ein. Diesen bringen die Harmonikafreunde gleich zum örtlichen Schrotthändler, wo sich gerade Ottmar Kopf mit der ersten Fuhre befindet.
Fleißige Jugend
Auch in Friesenheim läuft die Aktion mittlerweile auf vollen Touren, und immer mehr Jugendspieler – endlich ausgeschlafen – beteiligen sich an der Sammlung. Die beiden 13-Jährigen Kim und Jannik befördern gerade Zeitungspaket für Zeitungspaket in den schon gut angefüllten Papier-Container. Yannik geht dabei im schmucken Trainingsanzug zu Werke. Wieso eigentlich? Er muss nachher noch spielen. Dass Jugendspiele am gleichen Tag angesetzt sind, missfällt natürlich Günter Bühler, der die Jungs und die Erwachsenen immer wieder antreibt.
Plötzlich fällt ein Einkaufswagen eines Discounters von der Pritsche. »Wo habt ihr denn den mitgenommen?« »Der lag mitten in dem an der Straße bereitgestellten Schrott«, kommt postwendend die Antwort. Manfred Füner und Alexander Bühler bringen schließlich den Einkaufswagen zu dem Discounter, wo er – kaum abgestellt – gleich von einem Kunden genutzt wird. Auf
Füner und Bühler wartet gleich die nächste Aufgabe, wieder muss ein Malheur
behoben werden. Von einer Ladefläche sind Zeitungspakte auf die Friesenheimer Hauptstraße gefallen. Nun gilt es für die beiden, schnell zu sein, denn der Wind verteilt kräftig die Zeitungsblätter auf der Fahrbahn.
In Schuttern wartet derweil ein Landwirt ganz aufgeregt an einem Wagen voller Schrott, von den Harmonikafreunden ist jedoch niemand zu sehen. Er hat auf der Pritsche eine Kehrmaschine entdeckt, die er ihnen gerne abkaufen würde. Und in der Tat, es gelingt ihm letztlich. Gegen einen kleinen Obolus darf er die Kehrmaschine mitnehmen – freudestrahlend übrigens. Ähnliches passiert kurz darauf beim Schrotthändler. Die Harmonikafreunde wollen gerade ihre Fuhre abladen, da bekundet ein Unbekannter Interesse an einigen Fahrrädern. Für ein paar Euro landen die Räder tatsächlich nicht auf dem Schrott, sondern in dessen bereits mit anderen Rädern proppenvollem Auto. Danach ist Schluss in Schuttern, traditionell gehen die Helfer in den »Prinzen« zum Butterbrezel-Essen.
In Friesenheim – es ist kurz nach Mittag – ist man vom Ende der Aktion noch weit entfernt. Auf dem »Eisweiher« herrscht emsiges Treiben, auch Leute aus anderen Ortsteilen liefern Papier und Schrott an. Aus der Nachbarschaft will gerade ein Mann Autoreifen auf den Stapel schmeißen. Doch daraus wird nichts, da er nicht bereit ist, für die Entsorgung fünf Euro zu berappen. Um 15 Uhr heißt es dann endlich auch in Friesenheim: »Geschafft!«
Stichwort:
Sammlungen haben Tradition
In Friesenheim haben die Altpapier- und Alteisensammlungen des Sportclubs eine lange Tradition. Allerdings gab es immer wieder Pausen dazwischen, berichtet Fridolin Buss, der mit 71 Jahren der älteste Helfer bei der jüngsten Aktion am Samstag war. Seit sieben Jahren werden die Sammlungen vom Jugend-Förderverein organisiert und durchgeführt. »Es lohnt sich immer wieder«, so deren Vorsitzender Günter Bühler.
In Schuttern sammeln die Harmonikafreunde bereits seit 40 Jahren, allerdings seit der Einführung der grünen Tonne und den damals schlechten Papierpreisen nur noch Alteisen. Da die Harmonikafreunde ihren Schrott gleich vor Ort abgeliefert hatten, steht dort das Ergebnis bereits fest: 3,5 Tonnen Stahl und 2,5 Tonnen Blech. »Wir sind zufrieden«, so ein erstes Fazit. Früher habe man zwar bis zu zehn Tonnen gesammelt, dafür seien jetzt die Preise bedeutend höher, so deren Rechner Wolfgang
Engesser.







