Friesenheim-Oberschopfheim. Die Darsteller für das Theaterstück, das im Jahr 1677 spielt, legen sich richtig ins Zeug. Sie wollen mit ihrem Auftritt die Bevölkerung begeistern und ihnen von der Bühne aus ein Stück bewegende Dorfgeschichte, wie sie Ende des 17. Jahrhunderts passiert sein könnte, nahebringen. Dafür proben die Laien jede Woche und sind konzentriert bei der Sache.
»Ich spiele einen Soldaten und habe eine überschaubare Rolle«, schmunzelt Jürgen Eller, der seit gut vier Jahren in Oberschopfheim wohnt und sich über das Theaterstück in das Jubiläum und damit zur lebendigen Dorfgemeinschaft beitragen will. »Die Soldaten bringen das Grauen ins Dorf«, erzählt er. »Es macht mir Spaß, eine üble Rolle zu spielen.« Schauspielerfahrung hat er keine und deshalb kostete es ihn anfangs Überwindung, auf der Bühne zu agieren.
Ähnlich äußert sich Ines Schwend, die für ihre Rolle viel Text zu lernen hat. »Je öfter wir proben, desto wohler fühle ich mich mit der Rolle der Anna, die ja eine Außenseiterin ist.« Das ist eine große Herausforderung, aber eben genau das ist es, was viel Spaß macht.
Die meisten Darsteller haben ihre Texte schon sehr gut gelernt und werden nun in den Szenen von Christopher Kern mit Details zur Mimik und Gestik versorgt. »Wenn der Text steht, dann können wir an die Feinarbeit gehen«, weiß Kern. Aber auch für die Personen, die auf der Bühne sind und gerade nicht sprechen, gibt es wichtige Unterweisungen. »Ihr sagt zwar nichts, aber die Zuschauer nehmen euch trotzdem in eurer Rolle wahr«, erklärt der erfahrene Regisseur und zeigt, wie er sich Blick, Haltung und Standort der Schauspieler vorstellt. Am Ende des Abends hat er viele Wege auf die Bühne und wieder herunter hinter sich. Bei einer turbulenten Szene mit Handgreiflichkeiten schüttelt Kern aber den Kopf, unterbricht und gibt Anweisung: »Ja, ich weiß – wir haben alle Zivildienst geleistet, aber hier müsst ihr viel härter zupacken. Das ist Krieg!«
Diese amüsanten Momente sind es, bei denen die gewachsene Theater-Gemeinschaft spürbar ist und der unbedingte Wille zu sehen ist, Geschichte zu spielen und ein Teil davon zu sein. Besonders freuen sich die Schauspieler auf das Wochenende im April, wenn an zwei Tagen geprobt und gespielt wird und damit erstmals ein kompletter Durchgang des ganzen Stücks für alle erlebbar wird.
»Härter ran – das ist Krieg!«
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