Herr Kimmig, mit Beginn 2003 wurden Sie Geschäftsführer der Kultur- und Tourismus GmbH. Wie fällt die Bilanz Ihres Jahrzehnts in Gengenbach aus?
Lothar Kimmig: Zehn Jahre schon? Die Zeit rast! Nun, ich fühle mich nach wie vor sehr wohl in Gengenbach, einer wunderschönen Stadt auch zum Vermarkten und mit vielen spannenden Aufgaben.
Zwar liegt die Bilanz 2012 für die Übernachtungszahlen in Gengenbach noch nicht im Detail vor, aber Tendenzen sind spruchreif.
Kimmig: Touristisch war 2012 ein Jahr voller Unwägbarkeiten. So hat sich die Euro-Krise im Geschäftsreisebereich ausgewirkt, gerade international. Tendenziell wird auf Kurzaufenthalte eher verzichtet und die Reisedauer geringer. Wir benötigen also weit mehr Gäste, um ähnliche Übernachtungszahlen zu erzielen. Das Übernachtungsergebnis im Frühjahr 2012 lag unter dem des Vorjahrs, das langanhaltend schlechte Wetter trägt dazu bei, dass die immer kurzfristiger agierenden Urlauber im Schwarzwald eher nicht buchen. Die Statistiken des Schwarzwalds vermelden derzeit ansteigende Übernachtungszahlen. Im beständigen September und Oktober war die Bettenauslastung in Gengenbach wieder ausgezeichnet. Seit 2007 hat sich die Zahl der Übernachtungen in Gengenbach überproportional positiv entwickelt. Anders als andere Orte im Schwarzwald und Baden-Württemberg nahmen die Übernachtungen um rund zehn Prozent zu. Falls wir dieses hohe Niveau für 2012 halten, wäre dies ein Erfolg.
Was ragte 2012 beim Werbetrommeln heraus?
Kimmig: Der Schwarzwald und Gengenbach erzielen Zuwächse vor allem durch ausländische Gäste. Mit verstärkter Werbung im Ausland möchten wir das forcieren. Hier sind vor allem Mailings, Presseberichte und Kooperationen mit den Tourismusorganisationen des Landes zu nennen. Der Trend weg von der klassischen Werbeanzeige hin zum Reisebericht ist klar erkennbar. Mit Schaffung neuer Infrastruktur wie dem Hotzenplotz-Pfad können wir weitere Zielgruppen erschließen. Der Bekanntheitsgrad der Figuren von Otfried Preußler verhalf zu großem Medieninteresse. Und der Adventskalender beschert Gengenbach internationale Beachtung.
Wirkt sich das Naturpark-Portalgebäude in Berghaupten mit Rund-um-die-Uhr-Außenterminal für Touristen bereits auch für Gengenbach aus?
Kimmig: Dieses ganzheitliche Konzept mit Verkauf regionaler Produkte, Verkostung im Bauerncafé und Informationen über Naturpark und Raumschaft gilt als Vorzeigemodell. Dank des Erfolgs sind in benachbarten Tälern Bestrebungen ähnliches umzusetzen. Die Nachfrage nach Info-Material ist enorm. Neben der Portalausstellung des Naturparks und dessen Printprodukten informieren sich die Besucher über die drei Gemeinden und die Werbegemeinschaft Kinzigtal, was in dieser Form einmalig ist. Das Infoterminal ermöglicht auch außerhalb der Öffnungszeiten, alle Infos über freie Zimmer, Gastronomie sowie die Webseiten von Gengenbach, Berghaupten, Ohlsbach, dem Naturpark und Kinzigtal abzurufen. Der geplante Themenweg Kinzigtal, der im Außenbereich alle Besonderheiten der Region zusätzlich präsentiert, wurde 2012 zur Förderung durch den Naturpark beantragt und soll 2013 umgesetzt werden. Mit der Anbindung an den Naturpark-Radweg fügt sich ein Baustein zum anderen, um die große Zahl an Reisenden und Freizeitinteressierten umfänglich über die Region zu informieren. Eine Chance, die wir be- und ergriffen haben.
Gengenbach hat durch den Ausbau der »Reichsstadt« nun zwei Vier-Sterne-Hotels. Was wäre darüber hinaus wünschenswert für die Gastgeber-Struktur?
Kimmig: Dank des breitgefächerten Unterkunftsangebots können wir von Ferienwohnung bis Sternehotel alles anbieten. Dies ist für Anbieterseite und Gast sehr wichtig. Nur ein Wellness-Angebot im größeren und umfänglichen Rahmen können wir nicht abdecken. Die Nachfrage ist vorhanden, kann aber von uns nicht im gewünschten Maß bedient werden.
Was plant die Kultur- und Tourismus GmbH in den nächsten beiden Jahren, um die Tourismushochburg Gengenbach zu stärken und noch attraktiver zu gestalten?
Kimmig: Derzeit planen wir, die Infrastruktur auszubauen. So wünschen wir uns weiter einen Wohnmobilstellplatz mit Ver-/Entsorgung, unterstützen die Umsetzung eines Lehrstreuobstgartens, der den Naturerlebnisweg mit Räuber Hotzenplotz ergänzen soll, und haben im Wirtschaftsplan die Zertifizierung eines prädikatisierten Wanderwegs vorgesehen. Er soll einer der 25 Genießerpfade im Schwarzwald sein. Mit dem Relaunch unseres Internetauftritts werden wir uns aktuell, modern und zeitgemäß präsentieren, ansonsten die erfolgreichen Kooperationen und Werbemaßnahmen fortgeführt.
Und für einen Umzug der Tourist-Info vom Winzerhof in die freien gewerblichen Räumlichkeiten der Löwenberg-Galerie, der als Notlösung für die Nutzung dieser Fläche gilt, sind erneut 100 000 Euro im Wirtschaftsplan 2013 eingestellt. Was wären die Vorteile an diesem Standort?
Kimmig: Diese Mittel sind wie 2012 vorsorglich eingestellt. Derzeit ist kein Umzug der Tourist-Info vorgesehen, da man von einer Nutzung der Löwenberg-Galerie durch einen anderen Mieter ausgeht. Dass der derzeitige Standort der Tourist-Info nicht optimal ist, darauf sprechen uns Gäste fast täglich an. Hier näher ans Geschehen heranzurücken ist ein Ziel, das mittelfristig erreicht werden soll.
Und wo verbringt die Familie Kimmig ihren Jahresurlaub 2013?
Kimmig: Der Jahresurlaub ist noch nicht konkret geplant, es wird aber ein Ziel in Europa. Kurzfristig verbringen wir ein paar Tage in Ruhpolding.
Ein Ziel, von dem sich Gengenbach etwas abschauen kann?
Kimmig: Natürlich verfolge ich in meinem Urlaub das Geschehen unseres Urlaubsorts und dessen Region. Wie ist was organisiert, wie erhalte ich die Informationen, wie ist die Infrastruktur und das Angebot? Ganz abschalten kann man da nicht, aber es ist immer wieder interessant zu sehen, wo wir im Vergleich stehen, auf welch hohem Niveau sich Gengenbach auch bewegt. Nichts ist aber gut genug, um es nicht zu verbessern.
Die Kurverwaltung ist ein städtischer Eigenbetrieb, der vom Gesamtetat des »Konzerns Stadt« einen Anteil von 3,7 Prozent hat, also rund 1,7 Millionen Euro. Verwaltet werden Grundstücke, Gebäude, Anlagen. Die Kultur- und Tourismus GmbH finanziert sich als 100-prozentige Tochter der Stadt aus den Mitteln der Kurverwaltung und wickelt das operative Geschäft im kulturellen und touristischen Bereich ab: Kulturreihen, Tourismuswerbung, neue touristische Infrastruktur, dazu Betriebsführung von Freizeitbad und Bücherei. Die GmbH hat 3,6 festangestellte Arbeitskräfte und eine Auszubildende, dazu Verstärkungen im Außenbereich.
Übernachtungs- und Tagestourismus sind in Gengenbach mit geschätztem Nettoumsatz von 42 Millionen Euro verbunden. Eine Studie zum Tagestourismus durch die Hochschule Offenburg bestätigt, dass der Tagesgast knapp 20 Euro ausgibt. Da fast alle Bereiche in Gengenbach vom Tourismus berührt sind, fließen zwei bis drei Prozent des Umsatzes als direkte und indirekte Steuern in den kommunalen Haushalt zurück – gut 850 000 Euro. mf







