09.03.2013

Das Leid der Einbruchsopfer

Polizei meldet zahlreiche Wohnungseinbrüche seit Januar / Betroffene leiden meist lange Zeit
Die Ortenauerin Jaqueline K. (Name von der Redaktion geändert) ist vor drei Jahren Opfer eines Wohungseinbruchs geworden. Sie holte nur schnell ihre Tochter vom Kindergarten ab. Als sie zurückkam, war in der Wohnung nichts mehr, wie es war.
Die Polizei veröffentlicht regelmäßig Berichte über Einbrüche in Firmen oder Wohnungen wie vor ein paar Tagen in Neuried-Ichenheim. Auch Jaqueline K. (Name geändert) aus Offenburg wurde Opfer. Der Einbruch vor drei Jahren belastet sie heute noch.

Ortenau. Für Jaqueline K. aus Offenburg ist der 28. Januar 2010 ein ganz normaler Tag. Sie hat mittags pünktlich Feierabend, geht noch kurz in ihr Haus. Dann muss sie wieder los, um ihre Tochter vom Kindergarten abzuholen.
Als die Mittdreißigerin eine knappe halbe Stunde später zurückkommt, ist sie geschockt. »Die Polizei stand vor der Tür. Ich bin sofort ins Haus und habe gesehen, dass der Treppenschutz für meine Tochter offen war. Als nächstes bin ich sofort hoch ins Schlafzimmer«, erinnert sich Jaqueline K. Dort bot sich der fassungslosen Mutter ein Bild der Verwüstung: »Schubladen ausgeleert, Regalbretter aus den Schränken gerissen, alles durchwühlt: Ich dachte nur: Oh Gott!« Jaqueline K. beschäftigt der Fall noch heute: »Es war wie im Tatort. Nur geht im Fernsehen alles viel schneller.« Die Spurensicherung ist im Haus, Polizisten fragen nach dem Schaden. »Ich hatte doch nicht jeden Ring im Kopf«, erzählt die Mutter.
Im Wesentlichen fehlt Schmuck. Zum Beispiel eine Perlenkette, ein Erbstück von der Oma, ein Verlobungsring, teure Uhren, das »Kommunionkettle«. Den materiellen Wert ersetzt die Versicherung, »aber der ideelle ist durch nichts zu ersetzen«, sagt Jaqueline K.

Doch damit nicht genug: Alleine der durch den Einbruch verursachte Sachschaden geht in den fünfstelligen Bereich. »Drei Fenster, darunter ein bodennahes, waren beschädigt.« Es war nicht damit getan, sie auszutauschen. »Da musste der Fliesenleger kommen, der Maler, der Gipser, der Installateur,«, erklärt die Frau.

Viel gravierender aber seien die psychischen Folgen. »Ich konnte lange nicht schlafen.« Jaqueline K. hatte noch in der Nacht des Einbruchs alle Möbel desinfiziert, Wäsche gewaschen und versucht, Ordnung zu schaffen.
Dann keimte Hoffnung auf. Nachbarn hatten zwei Mädchen in einem Auto mit französischem Kennzeichen flüchten sehen. Das wird später in Ortenberg angehalten. Von dem Schmuck aber keine Spur. »Den haben sie in einen Briefumschlag gesteckt und in den nächsten Briefkasten eingeworfen«, habe die Polizei vermutet. Unmittelbar nach dem Einbruch hat Jaqueline K. versucht, sich und ihre Familie besser zu schützen. Sie investiert 8500 Euro für eine Alarmanlage, mit Direktverbindung zu einer Sicherheitsfirma. »Das kostet jeden Monat 30 bis 40 Euro«, erzählt die Mittdreißigerin. Seither herrscht Ruhe.
Immer noch gespannt
Aber selbst Jahre danach ist sie noch belastet: »Ich schaue automatisch immer noch, ob die Fenster zu sind, wenn ich nach Hause komme.« Ihre Wertsachen hat sie wieder im Haus. Es sei nicht praktikabel, sie bei Bedarf erst aus dem Bankschließfach zu holen: »Aber wenn wir verreisen, deponieren wir sie da.«

Jetzt hofft Jacqueline K., dass sich der Einbruch nicht wiederholt. Das wäre der dritte. 2003 hatten es Kriminelle schon einmal versucht. Aufmerksame Nachbarn hatten aber die Kinderbande verscheucht. Die Nachbarschaftshilfe hat sich intensiviert. »Jeder achtet auf das Haus des anderen. Jeden Verdächtigen melden wir sofort der Polizei.

Hintergrund: Das sagt der Psychologe

Martin Jakubeit ist Psychologe bei der Bereitschaftspolizei in Lahr. Er sagt:
Nach einen Einbruch ist es völlig normal, dass Trauer, Wut, Schlaf-, Verdauungsschwierigkeiten, Ängste und Alpträume auftreten. Wichtig ist, das zuzulassen.
Verschwinden die Symptome nach acht bis zehn Wochen nicht, sollte man Hilfe holen, etwa über den Weißen Ring.

Keine Selbstvorwürfe machen.

Rituale wie waschen, putzen und aufräumen können helfen, aus der Hilflosigkeit zu kommen.  Sich vor einem Einbruch an die Polizei wenden und sich über die Sicherung des Hauses beraten lassen. tom

Reizel Thomas

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