Offenburg. Der Weinbautag gilt nicht nur als Informationsplattform für die Mitglieder des Badischen Weinbauverbandes, auch die Mitgliederversammlung ist ins Tagesprogramm integriert. Der Verband, als Sprachrohr von derzeit 453 Mitgliedsbetrieben mit rund 19 429 Einzelmitgliedern, setzt sich laut Präsident Kilian Schneider derzeit intensiv mit der Frage auseinander, welchen Weg der Weinbau in Zukunft einnehmen wird. »Eine Politik der Nachhaltigkeit wäre hier wünschenswert, gerade wenn ich an die Diskussion um den Anbaustopp denke.« Im Weinbau selbst sei für die Winzer Nachhaltigkeit gang und gäbe, »wir sehen dabei schon längst über die einzelnen Winzergenerationen oder Rebgenerationen hinaus«.
Keine andere Sonderkultur prägt die Landschaft in Baden so wie der Weinbau. Rund 15 500 Hektar badische Gemarkungsfläche sind derzeit – und bereits seit Jahren – konstant mit Reben bestockt. Der Wegfall des Anbaustopps würde laut Schneider nicht nur die Existenz der meisten Steillagenwinzer gefährden, sondern auch das Landschaftsbild und damit auch den Tourismus.
Schneider wünscht sich von der Politik nicht nur eine exakte Aussage über die Zukunft des Anbaustopps, sondern auch wieder Gelder für Flurbereinigungen sowie Forschungsgelder für die Bekämpfung der Pilzkrankheit Esca. Schneider, der vergangene Woche in Brüssel weilte, erklärte, dass eine Regelung der Anbaustopp-Frage zwar auf dem Weg ist. »Aber es wird schwierig: Die einen wollen eine komplette Liberalisierung und die anderen eine Teillösung.«
Eine völlige Liberalisierung beim Weinbau sei keinesfalls im Sinne der Landesregierung, betonte Ministerialdirektor Wolfgang Reimer vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. »Völlig freie Märkte haben sich im Nachhinein nicht als ideal erwiesen.« Die bisherigen Regelungen und Zuschüsse für den Weinbau hätten sich bewährt, »wir brauchen keine Liberalisierung. Auch keine durch eine Hintertür«.
»Rebflächen erhalten«
Auch Peter Wohlfahrt, Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes, schlug in diese Kerbe: »Es ist für Baden in Zukunft eine Herausforderung, die geschlossene Rebflächen zu erhalten.«
Harald Michel vom Institut für angewandte Demografie in Berlin, erklärte, der demografische Wandel bringe auch Veränderungen in der Weinwirtschaft mit sich. »Dies ist bereits zu spüren, der Wettbewerb um qualifiziertes Personal hat in Baden bereits begonnen.«
Derzeit sind 85 Genossenschaften Mitglied im Weinbauverband. »Das sind durch Fusion zwei weniger als noch im vergangenen Jahr«, so Peter Wohlfahrt abschließend.







