03.01.2013

Wanderfalken in Oberkirch

Bedrohter Raubvogel jagt rund um St. Cyriak / Naturschutzbund bringt Nistkasten an
Gerhard Siebert vom Nabu Offenburg montiert den Nistkasten für Turm- oder Wanderfalken im Glockenturm der katholischen Kirche Oberkirch.
Neuer Bewohner auf St. Cyriak: Seit Kurzem lässt sich ein Wanderfalke auf dem verwaisten Storchennest der Oberkircher Pfarrkirche blicken. Ungeklärt ist noch die Herkunft des seltenen Vogels. Doch er soll sich hier noch heimischer fühlen.

Oberkirch. Die katholische Pfarrkirche St. Cyriak in Oberkirch ist nicht nur für Kirchgänger einladend. Auch Vögel schätzen den Bau – besonders wegen seiner Zinnen, Erker und exponierten Ansitze. Während der Turmfalke bereits vor Jahren am Gotteshaus seine Kinderstube eingerichtet hat, sind die Störche und Dohlen vor zwei Jahren hinzugekommen. Die Dohlen im ehemaligen Turmfalken-Nistplatz hinter der Madonna und die – wenn auch kinderlosen – Störche eine Etage höher auf dem abgeflachten Dachfirst.

Und just auf dem verwaisten Storchennest lässt sich seit Oktober ein Wanderfalke blicken. »Wir wissen noch nicht, ob es ein Vogel von der Schauenburg ist«, informiert Manfred Weber, Mitglied des Naturschutzbundes (Nabu) Offenburg, der sich gemeinsam mit dem Gemeinderatsvorsitzenden Lorenz Kimmig des tierischen Lebens rund um die Kirche St. Cyriak annimmt. In einem abgesperrten Turm der Schauenburg ist seit vielen Jahren ein Brutpaar zu Hause, genauso wie am Eckenfels und an den Allerheiligen-Wasserfällen bei Oppenau.

Nistkasten installiert

Ist es ein Schauenburger Vogel, so könnte er rund um die Kirche jagen. Möglich ist jedoch auch, dass ein fremder Wanderfalke einen neuen Brutplatz sucht. Damit er in diesem Fall nicht leer ausgeht, installierten die Nabu-Mitglieder Manfred Weber und Gerhard Siebert einen größeren Kasten – genau an der Stelle auf dem Glockenturm, an der seit zweieinhalb Jahren ein Turmfalkennistkasten hing. Er ist nun für beide Falkenarten einladend und bietet zusätzlich einen Ansitz, auf dem die Jungvögel erste Flugübungen machen können. Beide Falkenarten können zusammen nicht an der Kirche brüten, da der Wanderfalke den kleineren Artgenossen nicht duldet.

Der Wanderfalke war in Deutschland vom Aussterben bedroht. 1975 zählte man nur noch 50 Paare. Für das Massensterben verantwortlich gemacht wurde die großflächige Anwendung von Dichlor-Diphenyl-Dichlorethylen (DDT) in der Land- und Forstwirtschaft. Die 1965 gegründete Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz im Nabu ist seitdem auch im Renchtal aktiv und kämpft für geschützte Brut- und Lebensräume – mit Erfolg. Die Zahl der stattlichen Vögel nimmt wieder zu. Der Felsenbrüter leidet nicht nur an einem Mangel an geeigneten Bruträumen, sondern auch unter der zunehmenden Verdrängung durch den Uhu.

Keil Silke

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