04.01.2013

Herrlich komische Tiefflüge

Volkmar Staub und Florian Schroeder präsentierten den Offenburgern einen Jahresrückblick mit Witz
Heiterkeit auf der Bühne und im Saal: Jahresrückschau mit Florian Schroeder (links) und Volkmar Staub.
Das Kabarettisten-Duo Volkmar Staub und Florian Schroeder eröffnete am Mittwochabend vor rund 300 Besuchern in der Reithalle die Offenburger Kultursaison 2013 mit seinem »Jahresrückblick«.

Offenburg. War es der Titel »Jahresrückblick« oder hatten sich die Leute gefreut, das Duo Volkmar Staub und Florian Schroeder wieder einmal zusammen auf der Bühne zu sehen? Staub war bereits mehrere Male solo in Offenburg unterwegs, mit Schroeder tourt er seit Jahren zum kabarettistischen Jahresrückblick durch die Lande.
Das ganze Personal war in der Reithalle angetreten: die Angela, der Guttenberg, der Rösler, selbstverständlich auch der alte und neue Bundespräsident sowie der Papst. Gottlob gingen die Kabarettisten ihren Rückblick nicht in chronologischer Reihenfolge an, sondern mischten die Ereignisse munter. Erst einmal gratulierte Staub dem Offenburger Publikum, komme doch jedermann im Saal in den Genuss von genau 0,18 Cent aus der Nobelpreis-Gratifikation. Ein Rätsel blieb, wo das Geld abzuholen ist.
Das Programm, das sich am Anfang etwas zäh gestaltete – die Euro-Krise ist halt ein Dauerbrenner für Spaßmacher –, kam später gut in Schwung. Denn Staub und Schroeder stehen nicht nur für deftige Wortwahl – zum Beispiel »Bonsai-Gestapo« für Verfassungsschutz, sondern auch für slapstickartige Einlagen und gekonnte Stimmen-
imitationen. Im Zusammenspiel der beiden Kabarettisten entsteht viel Situationskomik – etwa wenn der flinke Schroeder seinen etwas ruhigeren Kollegen Staub vor sich hertreibt, um gemeinsam zum Punkt zu kommen.
Angelas Gesten
Klar, dass Schroeders Angela mit ihren drei Gesten – mit der Schulter zucken, den Arm heben und winken – für Lacher sorgte. Gelungen dann der behäbig gespielte Part von Staub, der als alter Grantler so manche bajuwarische Verschwörungstheorie um Franz Josef Strauß aufdeckte. »Der lebt noch«, raunte er dem Publikum zu, »in Rottach am Inn, kommt des Nachts heraus, um dem Söder die Reden zu schreiben.«
Angenehm war, dass sich die Akteure auf der Bühne nicht die Luft nahmen, sondern sich im Gegenteil gegenseitig beflügelten. Manchmal zu herrlich komischen Tiefflügen. So beim Sketch über die Energieberatung, bei dem ein smarter Berater einen biederen Wohnungsinhaber überrumpelte. Bis hin zur Verwertung toter Energie drehte sich das Gespräch um die kostbaren Rohstoffe. Im Land der Schnäppchenjäger gehe nix verloren – nicht einmal ein Organ.
Treffend führten die Kabarettisten Personen des öffentlichen Lebens vor. Darunter die Autoren der Bücher des Jahres. Sogar Lothar Matthäus bekam von Parodist Schroeder Punkte für getextete Lebensphilosophie. Keine Lorbeeren gab es dagegen für Günter Grass und schon gar nicht für Christina Wulff oder Claudia Roth.
»Warum schweige ich nicht…«, das könnte laut Staub und Schroeder der passende Titel dieser Autorenwerke sein.
Ein wenig dürfe man beim Papst abschauen, obwohl »der ist manchmal schon etwas verzwängt im Ich«, schmunzelte Staub. Wortspiel, Parodie, Stimmenimitation – aus diesen Elementen schöpfte das Kabarettisten-Duo in bewährter Weise. Es hat gereicht: Der erste Kulturabend des neuen Jahres in der Reithalle hatte Witz

Ursula Groß

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