Zunächst mal: Als Sängerin eine unverwechselbare und warme Stimme wie Dido zu haben, ist fast schon als Gottesgeschenk zu bezeichnen. Selbst mittelmäßige Songs gewinnen durch ihre Interpretation.
Da passt es gut, dass sich Dido auf ihrem Comeback-Album mit keinen mittelmäßigen Songs herumschlagen muss. Top produziert und ihr auf den Leib geschrieben, textlich von ihr selbst, musikalisch unter anderem wieder von ihrem Bruder Rollo, Frontmann von »Faithless«. Und dessen typische elektronischen Einflüsse sind es auch, die »Girl Who Got Away« deutlich über den Midtempo-Balladen-Durchschnitt heben.
Ein Ohrwurm
Absolut auf Gehörgangtauglichkeit gebürstet kommt vor allem die erste Hälfte des Albums daher, und das ist keinesfalls negativ gemeint. Schon beim ersten Hören will man diese Songs nach kurzer Zeit mitsummen. Allerdings ist das auch wieder ein Album, bei dem ich ganz ehrlich die Single-Auswahl nicht nachvollziehen kann. »No Freedom« ist zweifellos ein schöner, entschleunigter Popsong, aber wenn dann direkt dahinter zum Beispiel »Let Us Move On« (zusammen mit US-Rapper Kendrick Lamar aufgenommen) und vor allem »End Of Night« im sanften »Alphaville«-80er-Stil warten, wären die eine bessere Wahl gewesen.
Vor allem dem elektronischen »End Of Night« wäre eine Dauerrotation im Radio sicher gewesen.
Kein Zweifel: Wer Didos erste drei Alben »No Angel«, »Life For Rent« und »Safe Trip Home« mochte, für den ist auch »Girl Who Got Away« genau der richtige Griff ins CD-Regal. Willkommen zurück, Dido! Sven Steiner







