Lahr. In seiner Heimatstadt war Hans Reif zweifelsohne die prägende Gestalt der deutschen Nachkriegskunst. 1946, unmittelbar nach seiner Rückkehr aus der russischen Gefangenschaft, hat sich der am 1. März 1913 geborene Absolvent der Kunstakademie Karlsruhe für ein Leben als freischaffender Künstler entschieden.
Hans Reif war für viele ein personifiziertes Fenster in die Welt der Kunst und der Malerei, er hat sie mit neuen Strömungen und Stilen konfrontiert, mit der neuen Sachlichkeit, dem Kubismus und der Informellen Kunst.
Reif war aber auch immer ein Meister des Portraits, einer, der mit subtil angelegten Landschaften verzaubern, mit der Zeichenfeder das Fernweh entfachen konnte. Seine bisweilen mit Aquarellfarben kolorierten Zeichnungen erzählen noch heute von der Schönheit des Mittelmeerraumes, von Felsformationen und porösen Lavasteinen auf Mallorca und der Altstadt von Ibiza, dem Markt in Syrakus, dem Hafen von Ciudela und den Pinienhainen bei Viareggio.
In den 1970er-Jahren hat sich Hans Reif weit auf das Feld der abstrakten Kunst vorgewagt, im Dienste eines auskömmlichen Lebens aber immer auch die gegenständliche Malerei gepflegt. Erst in den 1990er-Jahren kehrte er ihr weitgehend den Rücken. Hans Reifs Welt kreist nun um sein Atelier in Lahr, schöpft beinahe gänzlich aus der Phantasie. Es entstehen Farbkompositionen auf Japanpapier, Bilder, die von grafischen Strukturen geprägt werden. Hans Reif arbeitet wie ein Besessener, sein ehemaliges Atelier quillt noch heute über, dokumentiert ein Leben für die Kunst. 2005 stirbt er im Alter von 92 Jahren, die Stadt Lahr verliert einen ihrer herausragenden Söhne.
Die nun in der städtischen Galerie im alten Rathaus zu sehende Gedächtnisausstellung zum 100. Geburtstag unterstreicht seine künstlerische Bandbreite, die technische Bravour, mit der er Pinsel und Feder führte. Sie greift einige seiner stilistischen Etappen auf, legt einen klaren Schwerpunkt auf die Zeichnung.
Hochbegabter Künstler
Ein paar Landschaften in Öl sind wenige Schritte vom Alten Rathaus entfernt im Café »Zum Süßen Löchle« zu sehen. Die von Hans Reifs Kindern zusammengestellte Ausstellung macht es dem Betrachter allerdings nicht ganz leicht, sich unbeschwert mit dem Werk eines hochbegabten und vielschichtigen Künstlers auseinanderzusetzen.
Allen räumlichen Gegebenheiten und Einschränkungen zum Trotz zeigt die Ausstellung rund 60 Arbeiten aus der Zeit von 1959 bis 1999, konfrontiert den Besucher mit einer bisweilen mehr als unvorteilhaften Hängung. Die Stellwände der Galerie sind dicht bestückt, einzelne Bilder hängen an Geländern, an den Längsbalken des Dachgeschosses, andere werden in Holzschienen auf dem Boden stehend gezeigt.
Der Wunsch, das Lebenswerk von Hans Reif möglichst umfassend zu würdigen, verkehrt sich ins Gegenteil. Die Art der Präsentation steht in einem klaren Widerspruch zu der von ihm immer gepflegte Liebe für Präzision und Details, der Leichtigkeit seiner Federstriche.
Die Gedächtnisausstellung zum 100 Geburtstag von Hans Reif ist bis zum 24. März in der städtischen Galerie im Alten Rathaus zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag 16 bis 18 Uhr, zusätzlich Mittwoch 10 bis 12 Uhr, Samstag 10 bis 13 Uhr und Sonntag 11 bis 12.30 Uhr.







