Straßburg. »Wir danken für euer Kommen und eure Solidarität und verabschieden uns bis zum nächsten Jahr«, heißt es nach rund 45 Minuten herrlicher Musik. Mehr Zeit für weitere Erklärungen bleibt den Akteuren aufgrund des einsetzenden Starkregens nicht mehr. Angesichts der angekündigten Unwetter hatten die Veranstalter noch am Nachmittag erwogen, die Veranstaltung im französischen Teil des Gartens der zwei Ufer im Rheinvorland ausfallen zu lassen, doch nun ist es zu spät.
Wie in jedem Jahr sollte mit der musikalischen Freiluft-Veranstaltung die Saison der Straßburger Philharmonie enden und der Festivalsommer eingeläutet werden. Dieses Jahr galt es zudem einen runden Geburtstag zu feiern: die »Opéra national du Rhin« kann auf ihr 40-jähriges Bestehen zurückblicken. Solisten, Chor und Ballett der Staatsoper Straßburg hatten sich zum Orchester hinzugesellt und den Platz mit Magie erfüllt.
Das Konzert begann 15 Minuten früher als angekündigt. Unter der Leitung von Marko Letonja erlebten die Zuhörer einen temperamentvoll musizierten Auftakt. Bariton George Petean zog das Publikum mit Leoncavallos »Pagliacci« sogleich in seinen Bann. Es folgten viele weitere Opernmelodien. Der Chor glänzte beim Faust von Charles Gounod, Sopranistin Mireille Delunsch begeisterte bei Puccinis »La Bohème«.
Grandioser Tanz
Es hätte ein wunderbarer Abend werden können, doch dann schoben sich dunkle Wolken über den Himmel und die ersten Besucher machten sich auf den Heimweg. Dennoch wagte sich das Ballet du Rhin auf die Bühne und zauberte einen grandiosen Tanz aus Serge Prokofievs »Romeo und Julia« hervor, der das verbliebene Publikum voll entschädigte. Das Glück währte allerdings nicht lange. Mitten in Georges Bizets »Perlentaucher« fielen die ersten dicken Tropfen. Bariton George Petean und Tenor Joseph Calleja mussten ihren Solovortrag abbrechen, denn die Windböen ließen die Mikrofone aufheulen. Schnell brachten die Musiker ihre wertvollen Instrumente in Sicherheit.
Kurz danach folgte der Wolkenbruch. Ein Menschenstrom setzte sich über die Passerelle in Richtung Kehl in Bewegung. Hier hatten auch viele Besucher aus dem Elsass ihr Auto geparkt. Bei einigen Straßburgern kamen traurige Erinnerungen hoch: Vor über zehn Jahren hatte es bei einem Unwetter während eines Konzertes in einem Park der Elssassmetropole Tote und Verletzte gegeben. Am Samstag kam glücklicherweise niemand zu Schaden.
Vereinzelt reagierten enttäuschte Besucher mit Unmut auf den Abbruch der Veranstaltung: »Man hätte das Ganze verschieben sollen, immerhin waren Gewitter angekündigt«, war zu hören. Die meisten hatten aber Verständnis.
Zu Tschaikowskys »Schwanensee«, Bizets »Carmen« und anderen bekannten Stücke kam es nicht mehr. Das angekündigte »grandiose Feuerwerk« zum Schluss blieb ebenfalls aus. Eine Wiederholung am gestrigen Sonntag war nicht möglich – zumal auch das Wetter nicht mitgespielt hätte.
Was bleibt: musikalische Höhepunkte und ein besonderer »R(h)einfall«, beides wird noch lange in Erinnerung bleiben.
Regenguss beim Perlentaucher
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