Offenburg. Zwischen 30 bis 100 Besucher kommen, wenn Simon Moser und Christian Kessler von Kulturamt einmal pro Monat an den »Tatort Kultur« bitten. Ihre Themen und Veranstaltungsorte wählen sie so, dass sie sich etwas abseits der klassischen Kulturgespräche bewegen. Für die Gäste bei freiem Eintritt immer auch ein kleines Abenteuer: Da heißt es mal tief in einen kalten Gewölbekeller zu steigen oder in die alternative Jugendszene einzutauchen. »Der Raum gibt das Thema vor«, sagt Christian Kessler. Mit Überraschungen darf gerechnet werden. Denn die Moderation lässt den Podiumsgästen Spielraum für zum Teil sehr freie Interpretationen ihrer jeweiligen Kunst oder Kunstfertigkeit.
Insgesamt 28 Veranstaltungen fanden in den vergangenen vier Jahren statt. Dass den Machern noch lange nicht der Atem ausgeht, ist bei beiden »Tatort-Kommissaren« spürbar. »Tatort haben wir diese Reihe nicht ohne Grund genannt«, schmunzelt Kulturchef Simon Moser, »man ist unmittelbar am Ort des Geschehens«. Das kann der Altarraum einer Klosterkirche sein, eine Werkhalle, eine Brauerei oder das Heim der Schlaraffen. »Geheimbünde« hieß der Titel dieses »Tatorts« und der Schlaraffenkeller tief unter der Stadt war mindestens genauso spannend wie die Vorträge der Referenten.
Die Themen haben eine Bandbreite, die manchmal kaum noch unter das Dach von Kultur zu passen scheint. Sprache, Musik, Architektur, Religion, Druckkunst – das sind die Klassiker. Doch was verbindet Braukunst oder Grafitti, Spiele oder Automobile mit der Kulturlandschaft der Ortenau? Moser und Kessler sind da sehr beweglich und herrlich unkonventionell, lassen die Gespräche zu einem nicht nur unterhaltsamen Event werden.
Es sei nicht einfach, Referenten zu finden, die sich da-
rauf einlassen, wollen, verraten Moser und Kessler. Bei »Faszination Stimme« aber fanden Opernsängerin, Jodler und Obertonsänger, der Musikhistoriker, der über die schillernde Kunst des Kastratengesangs erzählte, und der Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie zusammen. Am Ende der mit über hundert Gästen besuchten Veranstaltung in der Offenburger St.-Andreas-Kirche gab es ein improvisiertes mehrtoniges Konzert – live und spontan. Nicht zuletzt solche Momente machen den Charme der »Tatorte« aus.
Moser ist der Frager
Eine nicht unwichtige Aufgabe haben die Moderatoren. Simon Moser spielt gerne den Frager, sagt er. In etwa eineinhalb Stunden müsse das Wesentliche des jeweiligen Themas »herausgekitzelt« werden, ohne den Informationsfluss der Spezialisten zu unterbrechen. »Es wird niemand vorgeführt«, betont Moser. »Künstler, Handwerker, Experten sind nicht immer große Redner«, weiß er. Dafür lassen sie oft die mitgebrachten Exponate sprechen.
Stammgäste kommen, aber auch Besucher, die sich für ein bestimmtes Thema interessieren. Spannende Begegnungen entstehen, die oft eine Fortsetzung finden. Es sei ein Netzwerk um die »Tatort«-Reihe entstanden, erzählt Moser. Das nutzten auch die Comic-Liebhaber. Moser erzählt schmunzelnd, dass damals Leute mit Plastiktaschen anreisten und beim »Comic-Tatort« ihre Schätze austauschten.
Nach Flops befragt, müssen Moser und Kessler erstmal ein wenig nachdenken. »Leider war das Thema ›Arbeit von Landesbühnen‹ wenig besucht«, erinnern sie sich dann. Es lag wohl an einem Regiefehler des Kulturbüros: Der Termin lag in den Pfingstferien.
Überraschungen inbegriffen
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