05.03.2013

Unverwechselbar und natürlich

Comedian Kaya Yanar ulkte und parodierte in der Oberrheinhalle – Pointen kamen Schlag auf Schlag
»Verstehst du?«, fragt Kaya Yanar – und das Publikum in der ausverkauften Offenburger Oberrheinhalle verstand.
Der deutsch-türkische Comedian Kaya Yanar stellte am Sonntag sein neues Bühnenprogramm »All inclusive!« in der Oberrheinhalle vor.

Offenburg. »Ihr geht hier raus und werdet keine Ahnung haben, was ich erzählt habe«, startete Kaya Yanar (39) sein viertes Bühnenprogramm »All inclusive!« in der ausverkauften Oberrheinhalle. Einspruch: mindestens tausend Gäste wissen nun, dass es auch in Nepal keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn gibt. »Die Ulrike aus dem Saal« hatte es mutig behauptet. Darüber hinaus hatte man gelernt, wie drollig manche Landessprache wirkt. »Gibt es hier einen Kroaten?« Da war Yanar schon mittendrin in dem, was einen Teil seiner Show ausmacht: Das Spiel mit dem Publikum.

Fortan gab es kein Halten bei einem der derzeit beliebtesten Comedians. In »äh, Offenburg?«, wie er sich wiederholt rückversicherte, kam sein Programm bestens an. Ja, er war schon einmal vor acht Jahren hier, ging das Frage- und Antwortspiel weiter. »Tatsächlich?« konnte Yanar es kaum glauben. Was bereits in den ersten Minuten zu großem Gelächter führte. Natürlich kannte man den deutschen Türken, der so frech sämtliche Klischees bestätigte.
Kaya Yanar reiste dafür durch die Lande, beobachtete Kulturen, Nationen und Sprachen und die aberwitzigen Situationen im Alltag eines Menschen, der eigentlich noch nirgendwo so richtig angekommen scheint. Da bekommen die Schweizer ihr Fett ab, die Dänen, die Holländer und selbstredend auch die deutschen Landsleute. »Kuchen«, das ist ein Wort, das eigentlich nur in deutscher Sprache so richtig schmeckt, meinte Yanar, um Himmelswillen nicht im Schwedischen, da hieße es »kaka«. Wer wusste schon, dass Dracula »Dröpke for Dröpke« in Holland sein Blut saugt und es ihm auch noch »lecker« schmeckt.

Schräges Spiel

Sprachenkomik ist das eine, Bühnenpräsenz das andere. Die hat er, ohne Zweifel. Yanar springt rasant von einem Thema zu anderen, imitiert dabei Stimmen, schauspielert schräg. Doch nahezu rührend erklärte er, dass er eigentlich seine spätere Frau Yanar suche. »Ich bin auf die Bühne gehüpft, um Frauen kennenzulernen«, radebrecht er als »Kanake«. Als solcher fühle sich ein Deutscher, wenn er aussieht wie ein Muselmann, zumindest bei der Grenzkon-trolle der Schweizer. Das mit einer türkischen Frau habe allerdings zwei Nachteile, die da hießen »Vater und Bruder«, spielte Yanar augenzwinkernd auf Familiensitte an.

Das nun war fast traurig-komisch, aber der Comedian vertiefte solche Dinge nicht, er blieb bei seinem Programm überwiegend auf der Schiene »Witze und Parodien« mit unverfänglicher Thematik. Ja, freilich, die Komik im Fitness-Studio, die Sache im Hotel mit dem Nutella-Brötchen, die Beobachtungen auf der Autobahn – das könnte jeder Spaßmacher ausschlachten.

Was das Unverwechselbare von Yanar ausmacht, ist seine anscheinend unverstellte Natürlichkeit. Die kommt an, und davon konnte am Sonntagabend das Publikum offensichtlich nicht genug kriegen, wie der ständige Zwischenbeifall zeigte. »Verstehst du…?“, fragte Yanar. Man hatte verstanden und applaudierte kräftig.

Ursula Gross

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