Offenburg. Odysée mit accent aigu? Richtig – denn das Theaterprojekt ist zweisprachig und grenzüberschreitend. Die Kooperation wird links und rechts des Rheines finanziell gefördert: vom Land Baden-Württemberg, den Städten Offenburg und Straßburg, dem Fonds Soziokultur und von Stiftungen. Daher gibt es für die Macher auch immer die Verpflichtung zu einem sozialen Thema, oder wie es Regisseur Edzard Schoppmann am Dienstag beim Pressetermin im ehemaligen Offenburger Gefängnis ausdrückte, »eine Betroffenheitsthematik umzusetzen.«
Dieses Mal lautete die offizielle Vorgabe, das Problem der Wohnungslosigkeit. Das hatte auch der tapfere Odysseus aus der griechischen Mythologie. Zehn lange Jahre wurde er auf seinen Irrfahrten an fremde Ufer gespült, hatte keine Heimat mehr, und fand sie doch mit List und Schläue wieder.
Schwere Kost? Mitnichten. Die Heldensage nimmt dem Tournee-Stück nicht den Charme eines Sommertheaters. Es ist eine gelungene Mischung aus Kabarett und Satire mit reichlich Comedy und Situationskomik. Und natürlich auch mit Drama, wie Schoppmann verrät. Das »Homerisches Gelächter« wird so liebenswert und ohne große Überfrachtung auf die Bühne zurückgebracht.
Mit reichlich Esprit hat der Regisseur die Ilias in heutige Zeiten verlegt. So wird aus Hermes, dem Götterboten, ein Sportreporter, der vom Dach eines Feuerwehrautos launig kommentiert, wie tapfer sich die antiken Helden schlagen. »Die peitschende See der Europäischen Union« hat manch seichte Ufer oder tückische Strudel. Circe betreibt ein Hexenbordell, Ajax checkt seine Mailflut und die Seherin Cassandra befürchtet gar Bunga-Bunga, als die schöne Helena ins Spiel kommt.
Eigener Slang
Das alles wird charmant unter ein Segel gebracht. Denn längst hat Baal novo seinen Slang gefunden, in dem sich beide Sprachen mischen, aber jeweils verständlich bleiben. Erfrischend ungekünstelt agieren neben den Schauspielern etliche Laien im Stück. »Funkenflug« hieß das Theaterschul-Projekt von und mit Randgruppen, bei dem sowohl Theaterprofis als auch Laien mitmachen konnten. Die theaterpädagogischen Gruppen in Offenburg, Bruchsal und Straßburg bereiteten die Nichtschauspieler vor. Leider seien nur wenige bei der Stange geblieben, bedauert Schoppmann. Doch die Kreativität dieser Akteure habe dem Stück gut getan. Einzig Nathalie aus Straßburg ist noch im Offenburger Ensemble. Sie ist nicht als »Betroffene«, also Wohnsitzlose, zu erkennen. Spielfreude und Kollegialität sind im Team entstanden – der Funke sprang über, wie das Vorspielen am Dienstag zeigte.
»Die Griechen beachten die Spielregeln nicht«, klagt der Götterbote in der antiken Vorlage. Kommt das nicht bekannt vor? Die Zuschauer werden sich über die frechen Anspielungen des Baal-novo-Stücks amüsieren, auch über die herrlich komischen Kostüme.
Morgen, Freitag, hat »Die Odysée« in Straßburg Premiere. Dann geht das Stück bis zum 5. August auf Tournee. Gespielt wird auch an ungewöhnlichen Orten. So wird der Theaterabend hinter den düsteren Gefängnismauern in Offenburg sicher ein Spektakel der etwas anderen Art.
Vorstellungen im Hof des ehemaligen Gefängnisses in Offenburg, Grabenallee am 20./21. Juli, jeweils 20 Uhr, Karten: Geschäftsstellen der Mittelbadischen Presse, Bürgerbüro Offenburg. Vorstellungen bei freiem Eintritt: 8. Juli, 20 Uhr, Oberkirch, Stadtgarten; 3. August, 20 Uhr, Kehl, Feldscheune; 4. August, 20 Uhr, Zell a. H., Kanzleiplatz; 5. August, 19 Uhr, Neuried-Ichenheim, Gasthaus Löwen, Innenhof.
Wie Hermes Sportreporter wird
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