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Wer ermordete Mozart nun wirklich?

Kreuzgangkonzerte: Ines Pasz und das Offenburger Streichorchester auf Spurensuche
17. Juli 2012
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Offenburg (osa). Wenige Wochen nach der Uraufführung seiner Zauberflöte wird Mozart bettlägerig. Als er am 5. Dezember 1791 im Alter von 35 Jahren in Wien stirbt, wird er ohne jede Feierlichkeit beerdigt. Was der Nachwelt bleibt, sind nicht nur die weltberühmten Kompositionen eines Musikgenies, sondern ein großes Rätsel. Die Umstände des Todes werfen bis heute Fragen auf, die immer wieder Anlass zu Spekulationen bieten. War es gar Mord? Ines Pasz, Cellistin und Redakteurin bei SWR2, begab sich im Rahmen einer Matinee der Kreuzgangkonzerte am Sonntag im Salmen auf Spurensuche.

Die wohl berühmteste Legende schreibt seinem angeblich missgünstigen Kollegen Antonio Salieri die Täterschaft zu. Auch die Freimaurerloge geriet unter Verdacht sowie der berüchtigte »graue Bote«. Starb Mozart »nur« eines natürlichen Todes, wurde er Opfer einer Krankheit? Mutmaßungen über »hitziges Frieselfieber«, Rheuma, Syphilis, Nierenerkrankung und Aderlass lassen Raum für Spekulationen. »Gewiss, man hat mir Gift gegeben«, meinte Mozart selbst wenige Wochen vor seinem Tod.

Welche der mittlerweile rund 100 Theorien stimmt? Viel Zeit zum Detektivspielen blieb dem Publikum nicht, denn Ines Pasz lieferte sogleich des Rätsels Lösung – eins davon wenigstens. Ihre Methode: Ausschluss von falschen Theorien durch Faktencheck. Mit einer atmosphärisch dichten Schilderung der Zeit und im Rahmen einer fiktiven Gerichtssitzung fesselte sie das Publikum auf unterhaltsame Weise.

Vertuschter Skandal?

Stück für Stück versuchte die Musikjournalistin der Wahrheit näherzukommen. Dabei zitierte sie aus dem Buch des »Musikermord-Theoretikers« Ernst W. Heine. Indizien sprächen für einen gewaltsamen Tod Mozarts – viele davon hätten sich aber als »falsch«, im Sinne von unplausibel, erwiesen. Ein Verdacht verdichtet sich allerdings: Gottfried van Swieten, einer der bis dahin spendabelsten Freunde und Auftraggeber Mozarts, reißt alle Formalitäten an sich und lässt Mozart in einem anonymen Grab begraben.

Nachvollziehbar sei deshalb die Vermutung, Mozart habe sich die Syphilis geholt und sei an den Folgen der damaligen fatalen Behandlung mit Quecksilber gestorben. Doch warum all die Geheimniskrämerei? Ganz einfach: um einen Skandal zu vertuschen, schlussfolgert Pasz.

Pasz hatte noch einen anderen rätselhaften »Fall« mitgebracht. Auch die Umstände von Tschaikowskys Tod sind nie wirklich aufgeklärt worden. Er sei an der Cholera gestorben – gar an einem verdeckten Suizid. Tschaikowsky habe unabgekochtes Wasser getrunken, um sich zu infizieren. Diese Erklärung will Ines Pasz nicht gelten lassen. Tschaikowsky sei vielmehr homosexuell gewesen und habe nur zur Tarnung geheiratet – zur damaligen Zeit gesellschaftlich verpönt. Ehemalige Mitstudenten der Juristenschule hätten ihn deswegen vor ein Ehrengericht gestellt und aufgefordert, aus dem Leben zu scheiden. Doch was tatsächlich geschehen ist, wird trotz aller, wenn auch sehr unterhaltsamer Erklärungsversuche weiterhin im Dunkeln bleiben. So endete das Leben zweier Genies, die Legende lebt indes weiter...

Das Offenburger Streichtrio Frank Schilli (Violine), Rolf Schilli (Viola) und Martin Merker (Cello) umrahmte die Lesung mit Musik beider Komponisten. Für eine raffinierte Dramaturgie sorgte die Auswahl der Stücke. Erklangen zu Anfang Mozarts göttliche Minuetti aus dem Divertimento in Es-Dur, so verdüsterte sich die Szenerie mit dem Adagio für Streichtrio.

Lebenslust und Tod lagen hier dicht beieinander. Ähnliches galt für Tschaikowsky: nach dem einminütigen Allegretto folgte eine bearbeitete Fassung seines »Valse sentimentale«. Für den spannenden musikalischen Vormittag spendete das Publikum langanhaltenden Beifall.

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Autor: 
Oscar Sala

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