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Amtsgericht Achern

Polizisten gebissen und bespuckt: Bewährungsstrafe

32-Jähriger rastet mit zwei Promille im Blut aus und schlägt Lebensgefährtin, Kneipenwirt und Polizeibeamte
11. Januar 2017
&copy Archivfoto Mittelbadische Presse

Mit einer Bewährungsstrafe verließ ein 32-Jähriger am Dienstag den Acherner Gerichtssaal. Richter Michael Tröndle sah es als erwiesen an, dass der Mann den Wirt einer Acherner Szenebar und die herbeigerufenen Polizeibeamten tätlich angegangen hat.
 

Um den Sachverhalt einer vorsätzlichen Körperverletzung eindeutig zu klären, wurden sieben Zeugen zur Hauptverhandlung am Acherner Amtsgericht geladen. Vorgeworfen wurde dem 32-jährigen Angeklagten, der nach eigenen Angaben als Fliesenleger tätig ist, im August einem Wirt zwei Schläge verabreicht zu haben. Anlass war dessen Einmischen in einen Streit mit seiner Lebensgefährtin, der sich zur handfesten Auseinandersetzung entwickelte.

Dabei gab es nicht nur für die Freundin Schläge, sondern auch für deren Schwester. Es eskalierte derart, dass die Frau an den Haaren aus dem Lokal gezogen wurde. Das veranlasste den Wirt dazu, die Polizei zu rufen. Die Beamten wurden von dem Angeklagten beleidigt und attackiert, wie der Staatsanwalt verlas.

Vorher warmgetrunken

Eine Dolmetscherin übersetzte aus dem Englischen, was der Angeklagte noch von jenem Abend wusste. Er habe sehr viel Alkohol schon im Stadtgarten konsumiert, ehe er mit seiner Freundin, deren Schwester und dessen Freund in die Bar ging. Er wisse jedoch nicht mehr, was danach alles geschah. Wodka, Wein und Bier hätten ihm so zugesetzt, dass er den Ablauf des Geschehens bis tief in die Nacht nicht mehr nachvollziehen könne. 

Während die Schwester der Lebensgefährtin von Schlägen sprach, wusste Letztere kaum noch etwas, weil sie ebenfalls kräftig getrunken habe. Man wohne wieder zusammen und würde sich vertragen.

Der Wirt gab zur Auskunft, wie er geschlagen wurde. Er habe jedoch von einer Anzeige abgesehen, da sich der Angeklagte auch bei ihm entschuldigt, jetzt aber Hausverbot habe. Ein weiterer Gast sagte aus, dass der Angeklagte »voll besoffen« gewesen sei. Die geladenen Polizisten stellten dar, wie sich der Mann bei der Personalfeststellung verhalten habe. Er musste zunächst in Handschellen gelegt werden, da er sich tätlich und beleidigend verhalten habe. So habe er einem Polizisten in die Hand gebissen, der daraufhin vier Tage krank geschrieben war. Eine zu Hilfe gerufene zweite Streife musste sich mit einem spuckenden Täter auseinandersetzen und ihn mit Nachdruck ins Polizeiauto befördern.

Letztlich wurde eine weitere Streife aus Bühl zu Hilfe gerufen, die mit dafür Sorge trug, den Angeklagten in die Zelle zu bringen. Da er immer wieder spuckte und um sich trat, wurden ihm in der Zelle Fußfesseln angelegt.

Vergesslichkeit bezweifelt

Die Polizisten stellten fest, wie Amtsrichter Michael Tröndle auf Nachfrage erfuhr, dass er nicht so betrunken gewesen sei, um fast alles vergessen zu können.

In seinem Plädoyer stellte der Staatsanwalt die hohe  Aggressivität des Angeklagten heraus. Widerstand gegen die Staatsgewalt, Beleidigungen und vorsätzliche Körperverletzung stünden zur Ahndung an. Vier Monate zuvor sei er schon wegen Beleidigung von Polizisten vor Gericht gestanden. Er sei deshalb für seine Taten verantwortlich, wenngleich seine Verhaltenssteuerung durch den Alkohol erheblich beeinträchtigt war. So forderte er ein Strafmaß von vier Monaten auf zwei Jahre zur Bewährung, die Begleitung durch einen Bewährungshelfer und eine Arbeitsauflage von 50 Stunden. 

80 Stunden Arbeit

In seinem Urteil schloss sich der Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft in Teilen an. Die Bewährung fixierte er auf drei Jahre, verwies darauf, dass man mit rund zwei Promille nicht derart große Gedächtnislücken haben könne, um nachher nicht mehr zu wissen, dass man Polizisten bespuckt, gebissen und beleidigt habe. Hier zeige sich eine hohe Missachtung der Beamten. Ein Bewährungshelfer, eine Alkoholtherapie, ein Antiaggressionstraining und 80 Stunden unentgeltliche gemeinnützige Arbeit sowie die Übernahme der Kosten des Verfahrens vervollständigten das Urteil.

Autor:
Edgar Gleiss

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