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Achern-Oberachern

Von wegen Schönwetterpredigt

Jörg Siegler zieht beim Antoniusfest in Oberachern Parallelen zwischen Flüchtlingen heute und damals
16. Juni 2015
&copy Roland Spether

Gott auf der Seite der Wirtschaftsflüchtlinge und der heilige Antonius ein Sozialschmarozer! Nein, eine liebliche Schönwetterpredigt für fromme Christen unter schattigen Bäumen rund um die Antoniuskapelle war das nicht, die Jörg Sieger am Sonntag in Oberachern hielt.

»Gott steht auf der Seite des Ausländers, auf der Seite dessen, der aus Not in die Fremde zieht.« Dies konnten die vielen Zuhörer unterhalb der Kanzel beim kirchlichen Antoniusfest in Oberachern zustimmend nachvollziehen. Doch es folgte ein Zusatz, den der Prediger allen Christen ganz dick ins Stammbuch schrieb: »Wenn wir auf einer anderen Seite stehen, dann stehen wir nicht auf der seinen.« Das saß und so mancher wird sich prüfen, auf welcher Seite er steht. »Sie haben uns ganz schön provoziert«, meinte Pfarrer Matthias Fallert zufrieden.

Fest des Glaubens
Es war ein Festtag des Glaubens, als die Oberachener »ihren« Antonius von Padua in allen Ehren hielten und den Tag mit einem feierlichen Gottesdienst begannen, den der Kirchenchor (Dirigent: Frank Hodapp) mit der Sonntagsmesse Nr. 6 von Franz Schöpf (Orgel: Sophia Scalisi) sehr schön mitgestaltete.
Die Predigt hielt der frühere Regionaldekan Bernhard Pfaff, in der er am Leben des Antonius deutlich machte, dass bei allen Pastoralplänen und Konzeptionen der Glaube viel wichtiger sei, dass Gott die Menschen oft auf verkehrten und verschlungenen Wegen zum Ziel führen will.

Bevor am Nachmittag ein Beisammensein mit Blasmusik tollem Singspiel der Kita St. Stefan stattfand, pflegten die Oberacherner einen Brauch: Nach dem Kanonensalut des Kameradschaftsbundes wurde der »Leib Christi« als sichtbares Zeichen der Gegenwart Jesu in einer Prozession von der Kirche zur Kapelle getragen.
Hier spannte der profunde Bibelkenner Jörg Sieger in einer geradezu aufrüttelnden Predigt den Bogen von den Wanderwellen der Nomaden vor 4000 Jahren im Nahen Osten über die Sklavenarbeit in Ägypten bis zu den heutige Flüchtlingen.

Aufbruch in neues Land
Damals ergoss sich eine Flut von Nomaden aus den kargen Wüsten Arabiens in die fruchtbaren Gebiete Mesopotamiens und Palästinas, um auch an den »Annehmlichkeiten des Kulturlandes« in dem »Milch und Honig fließen« teilzuhaben. Diese Menschen würde man heute Wirtschaftsflüchtlinge nennen und unter ihnen war Abraham, dem Gott Mut machte, aufzubrechen und in ein neues Land zu ziehen: »Wage es ruhig. Brich auf, es wird gut gehen.« Auch heute mache der Gott der Bibel jenen Menschen Mut, die Leben wollen und vor Krieg, Verfolgung und Hunger fliehen.

Autor:
Roland Spether

Hintergrund

Kirchliche Flüchtlingshilfe

»Nah an Menschen von weit weg«, ist das Leitwort eines Projektes der Erzdiözese Freiburg und der Diözesan-Caritasverbandes, für das Jörg Sieger Projektreferent ist. Kirche und ihre Caritas wollen damit ihre Kräfte in der Flüchtlingshilfe bündeln, sich gemeinsam engagieren und vor allem auch Ehrenamtliche, Gruppe und Pfarreien unterstützen. Für Erzbischof Stephan Burger ist das Ende 2014 auf den Weg gebrachte, gemeinsame Projekt eine große Chance für die Kirche und ihre Caritas, gemeinsam den Auftrag Jesu zu verwirklichen und ein starkes Signal an die Öffentlichkeit zu senden. Infos: www.erzbistum-freiburg.desp

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