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Kehl

Experte: Probelauf für Verkehrsführung nicht durchführbar

Planer Gericke nimmt Stellung im Gemeinderat / Möglich sei eine »Mikrosimulation«
16. Februar 2017
&copy Martin Egg&copy Martin Egg

Der Probelauf für die geplante Verkehrsführung in der Kehler Innenstadt ist vom Tisch. Der von der Stadt beauftragte Planer Frank Gericke begründete am Mittwochabend im Gemeinderat, warum der Test nicht durchführbar ist.

Planer Frank Gericke führte mehrere Punkte an, warum der Probelauf für die geplante Verkehrsführung in der Innenstadt nicht möglich ist. Nicht durchführbar sei das Umprogrammieren der Ampeln: »Das ist ein großer Aufwand, das richtig zu machen.« Zudem könne der Trambetrieb nicht simuliert werden. Auch sei die Verlagerung des Kraftfahrzeug-Verkehrs in die Oberländerstraße und obere Hauptstraße durch die Baustelle derzeit nicht möglich. Darüber hinaus würden die heutigen Verkehrsmengen nicht den zukünftigen entsprechen. »Daher ist das Verkehrsaufkommen am Knoten Rathaus einfach nicht realistisch abbildbar.« Außerdem: Eine ­– wenn auch nur vorübergehende - Veränderung der Buslinienführung sei nur mit entsprechender Genehmigung möglich, so Gericke. »Ohne Simulation des Busbetriebs ist allerdings keine realistische Abbildung des zukünftigen Verkehrsablaufs möglich.«

Was machbar ist

Der Planer zeigte jedoch auch auf, was machbar ist: »Man könnte im Straßenraum einfach die Rendezvous-Haltestelle markieren“, sagte er, um sich zum Beispiel die Proportionen besser vorstellen zu können. Möglich sei auch eine „Mikrosimulation«, erläuterte Gericke. Hier könne man die prognostizierte Verkehrsmenge (mit allen Verkehrsteilnehmern) und die geplanten Verkehrsabläufe am Bildschirm verfolgen. Das Instrument werde immer genutzt, um Signalanlagen zu überprüfen, erklärte der Experte.

Gericke hatte zunächst noch einmal den bisherigen Planungsprozess dargestellt. So sei unter anderem ein Prognosefall für die künftigen Verkehrsbelastungen im Jahre 2025 erstellt worden. Mit Programmen sei der Nachweis erbracht worden, dass die »Knotenpunkte« auch mit der neuen Verkehrsführung funktionieren werden. Zudem seien  für die Radfahrer »alle Fahrbeziehungen« möglich.  »Das was jetzt noch mal in Frage gestellt wird oder noch mal geprüft werden soll, haben wir alles mitgedacht«, versicherte Gericke.

Das meint der OB 

OB Toni Vetrano gab seinen Eindruck aus Gesprächen mit manchen Kehlern wieder: »Ich spüre die Sehnsucht von Bürgerinnen und Bürgern, die eigentlich die Tram in dieser Form nicht haben wollen.« Der Gemeinderat müsse sich an seine Beschlüsse halten, appellierte der OB an die Stadträte. »Wir können justieren, wir werden nachjustieren, wo es Sinn macht und möglich ist, aber wir können nicht eine grundsätzliche Planung in dieser Dimension auf den Kopf stellen.«

Baubürgermeister Harald Krapp verwies auf die Erfahrung und Professionalität des beauftragten Büros Modus Consult. Die Stadt habe die Genehmigung bekommen, weil der Nachweis erbracht wurde, dass die Planung funktioniert. Zudem würden bei der Umprogrammierung von Ampelanlagen an Kreuzungen immense Kosten anfallen. Krapp nannte  die Zahl von 40.000 Euro für eine Kreuzung. Es funktioniere alles, versicherte der Bürgermeister. »Verlassen Sie sich darauf, dass der Planer, der das für uns geplant hat, dass er es richtig gemacht hat!«

Das sagen die Fraktionen

Die CDU-Fraktion hatte den Probelauf beantragt. Dessen Vorsitzender Richard Schüler betonte, dass es seiner Fraktion darum gehe, die »Skeptiker« in der Bevölkerung »mit auf den Weg« zu nehmen.
Werner Müll, Sprecher der SPD-Fraktion, bezeichnete die Darstellung des Experten als »schlüssig«. »Wir haben das notwendige Vertrauen in Ihre Fähigkeiten«, sagte er.

Wolfgang Maelger, Sprecher der Fraktion Frauen/Grüne/Jugend, verwies auf die Bürgerbeteiligung im Vorfeld der Gemeinderatsentscheidungen: »Jetzt müssen wir auch den Mut haben – auch bei Kritik – zu sagen: Wir stehen jetzt zu dem, was wir in den letzten Jahren erarbeitet haben.« Horst Heitz, Sprecher  der Freien-Wähler-Fraktion, betonte: »Es muss auch akzeptiert werden, dass dieses Ergebnis keine Willkür, sondern das Ergebnis vieler Besprechungen und Diskussionen ist.«

Autor:
Klaus Körnich

Stichwort

Verkehrsführung: Das ist geplant

Der Kehler Gemeinderat hatte im März 2015 im Rahmen der Entscheidung über den Standort der RendezvousBushaltestelle beim Rathaus beschlossen, »auf der Goldscheuerstraße und der Bierkellerstraße nur Einrichtungsverkehr zuzulassen, damit die Goldscheuerstraße nicht übermäßig belastet wird, die sich verlagerndenVerkehrsströme gleichmä- ßig verteilt werden und eine geordnete Verkehrsführung möglich ist«. 
Ein weiterer Vorteil aus Sicht der Kehler Stadtverwaltung: Durch die Einbahnstraßen-Regelung kann in den zum Teil sehr engen Straßen Platz gewonnen werden, um dort das Angebot für Fußgänger und Radfahrer zu verbessern und die Straßen attraktiver zu gestalten. Wegen der Tram-Endhaltestelle und des Bus-Rendezvous’ am Rathaus ist es nach Ansicht der Stadtverwaltung außerdem nötig, dass die Großherzog-Friedrich-Straße zwischen Rheinstraße und Schulstraße zur Einbahnstraße wird (stadtauswärts). Darüber hinaus seien die Friedrichstraße und die Alte Zollstraße zwischen Bierkeller- und Goldscheuerstraße auch als Einbahnstraßen auszuweisen.

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