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OB Vetrano erwartet "Entwicklungsschub durch die Tram"

Neujahrsempfang der Stadt Kehl / Die Straßenbahn werde »das Lebensgefühl in Kehl verändern«, so der OB / Gastredner: Prinz Bernhard von Baden und OB Roland Ries
11. Januar 2017
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OB Toni Vetrano erwartet einen »Entwicklungsschub« für Kehl, wenn die Tram 2017 über den Rhein fährt. Das sagte der Rathaus-Chef am Montagabend beim Neujahrsempfang der Stadt Kehl in der Stadthalle. Als Gastredner sprachen Straßburgs OB Roland Ries und Prinz Bernhard von Baden.

»Die zentrale Botschaft für 2017 lautet: Die Tram kommt!«, sagte OB Toni Vetrano beim Neujahrsempfang der Stadt Kehl. »Die Tram wird vieles leichter machen: Wir können staufrei und umweltfreundlich nach Straßburg fahren – unsere Nachbarn können genauso unkompliziert zu uns kommen.« Die Straßenbahn werde das Lebensgefühl in Kehl verändern. »Wir werden noch enger mit Straßburg zusammenwachsen. Wir werden, wenn wir in die Tram steigen, kaum noch wahrnehmen, dass wir über eine Grenze fahren. Ich bin mir sicher: Schon in einem oder zwei Jahren werden wir uns fragen, wie wir eigentlich ohne die Tram ausgekommen sind.«

Die Bauzeit werde nicht einfach: »Aber einfach sind große Veränderungen nie.« Vetrano erinnerte an den Stadtumbau vor der Gartenschau, der auch nicht einfach gewesen sei. Doch danach habe Kehl einen »Entwicklungssprung« gemacht.
Der durch die Straßenbahn zu erwartende »Entwicklungsschub« werde »den von der Gartenschau übertreffen«, so der OB. »Dass wir noch enger mit Straßburg zusammenwachsen, ist gut für Kehl. Es bedeutet, dass wir noch einfacher an 
einem Wohnort die Vorteile zweier Länder nutzen können.«  

Der Kehler OB erinnerte an die Worte, die sein Straßburger Amtskollege Roland Ries im Dezember – sinngemäß – gesagt hat: Die grenzüberschreitende Tram sei die Antwort auf ein »Europa in Gefahr«.

Es wird »draufgehauen«

Auch in Kehl werde über Themen gestritten, so der OB. Meinungsstreit und Kritik gehörten zu einer lebendigen Demokratie. »Wir dürfen, ja wir müssen diskutieren. Was erschreckt, ist die Heftigkeit mancher Debatten. (...) Gerade in den sozialen Netzwerken scheinen Hemmschwellen und Schamgrenzen kaum noch existent. Auch in Kehl.« Es dränge sich der Eindruck auf, »dass es manchen nur ums Draufhauen geht«, sagte Vetrano. 

So würden zum Beispiel bis heute die Ergebnisse der Standardisierten Bewertung für die Tram, die durch Fachleute ermittelt wurden, angezweifelt und es werde Stadtverwaltung und Gemeinderat unterstellt, »hier sei manipuliert, hier seien Dinge schöngerechnet worden, um die Tram bis zum Rathaus bauen zu können«. Der OB: »Selbst wenn wir hättten manipulieren wollen, wir hätten es nicht gekonnt.«

»Wir müssen zurückfinden zu einer konstruktiven Streitkultur, wir müssen verbal abrüsten und miteinander reden anstatt übereinander zu schimpfen«, forderte Vetrano.

Zur finanziellen Situation

Er erklärte auch, warum die Stadtverwaltung bei der Einbringung des Doppelhaushaltes 2017/18  »die Reißleine gezogen« habe: »Die Summe der Wünsche übersteigt vor allem unsere personelle Kapazitäten.« Dies habe dazu geführt, »dass wir Projekte, die im Doppelhaushalt 2015/16 finanziert waren, nicht realisieren konnten«. Er, Vetrano, verstehe, wenn dies für Frust bei all denjenigen sorge, die sich beim Beschluss des Haushaltes über die geplante Realisierung ihres Projekts gefreut hätten: »Es steckt aber keine böse Absicht dahinter, und kein Projekt wurde deshalb gestrichen, weil man in der Verwaltung die eine Ortschaft weniger schätzt als die andere. Und schon gar nicht wurden Vorhaben in der Kernstadt vorrangig zu Lasten der in den Ortschaften umgesetzt.«

Der OB wies auf den 10. Geburtstag der Bürgerstifung Kehl 2017 hin (Anerkennung als gemeinnützige Stiftung) und dankte dem Vorstandsvorsitzenden Jörg Armbruster für sein »unermüdliches Engagement«. Mit einem Stiftungsvermögen von 83 708 Euro sei die Stifung im September 2006 gegründet worden. »Heute umfasst das Stiftungskapital rund 1,5 Millionen Euro.«

Prinz Bernhard von Baden lobt die Kehler

Gastredner Prinz Bernhard von Baden zeigte beim Neujahrsempfang der Stadt Kehl die vielen Verknüpfungen der Kehler Geschichte mit der seiner Familie auf. »Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die Grenzlage, die besondere Geschichte und der unbezwingbare Optimismus der Stadt Kehl und ihrer Bürger Wege aus der kaum schönzuredenden Krise Europas weisen können.« Kehl sei zwar eine Grenzstadt, liege aber in Wirklichkeit »im Zentrum eines gemeinsamen Kulturraums«. Das Bewusstsein um die Zugehörigkeit zu einem solchen Kulturraum »scheint mir überlebenswichtiger zu sein als ein europäischer Supernationalstaat mit ausufernder Bürokratie.« Die Europäische Union schaffe es nicht in ausreichendem Maße, seinen Bürgern Europa als gemeinsamen Kultur- und Traditionsraum zu vermitteln.

OB Toni Vetrano sei ein »wunderschönes Beispiel für ein funktionierendes Europa: Ein sizilianischer Badener als Oberbürgermeister einer bedeutenden Brückenstadt zwischen Frankreich und Deutschland: So geht Europa«, betonte Prinz Bernhard von Baden. »Und so wie Sie, lieber Herr Vetrano, Baden und Europa als Mensch vorleben, so verkörpert Kehl Baden und Europa als Stadt. Europa ist eben nicht Verwaltung und Bürokratie, sondern Europa sind wir. Und Ihr Kehler, Ihr lebt Europa vor. Gerade aufgrund eurer historischen Erfahrungen. Ihr kennt Europa viel besser. Ihr habt euch niemals unterkriegen lassen. Kehl ist nicht nur immer wieder aufgestanden, Kehl ist immer stärker geworden. Warum? Weil Ihr Kehler alles zugleich seid – und alles mit Herz: Kehler, Badener und Europäer.«

Das sagte Straßburgs OB Ries

Straßburgs OB Roland Ries ging wie sein Amtskollege Toni Vetrano auf das Tram-Projekt ein: »In Zeiten, in denen immer häufiger über die Schließung von Grenzen gesprochen wird und in denen einige europäische Staaten bereits Mauern errichten, bauen wir Brücken und investieren in eine Zukunft, die geprägt ist von Offenheit und Brüderlichkeit.Wir liefern damit eine konkrete Antwort auf die Infragestellung des Projekts Europa, die besonders im Brexit Ausdruck gefunden hat.«

Die Tramlinie D werde »einzigartig in Europa« sein und eine »Vorreiterrolle« für den grenzüberschreitenden Raum übernehmen. Die Tram bringe auch die städtebauliche Entwicklung voran. Durch das Projekt werde ein völlig neues Stadtzentrum entstehen, in dem der Rhein das verbindende Glied darstellt und nicht mehr die Grenze, so Ries.

Er erinnerte auch an weitere grenzüberschreitende Projekte von Kehl und Straßburg, wie die 2014 eröffnete deutsch-französische Kinderkrippe, die Machbarkeitsstudie zum Anschluss der Kehler Mediathek an das »Pass'relle«-Netzwerk und die geplante Ausweitung des Fahrradverleihs Vélhop auf die Kehler Seite. 

OB Roland Ries: »Das deutsch-französische Paar ist das Herz des europäischen Projekts. Heute ist es notwendiger denn je, dass unsere beiden Länder ihre Solidarität bezeugen und ihre Schicksalsgemeinschaft festigen.«
 

Autor:
Klaus Körnich

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