Startseite > Lokales > Kehl > Trümmerhaufen: Am 27. Februar 1989 rollt der Abrissbagger an
Serie 25 Jahre »Centrum am Markt«

Trümmerhaufen: Am 27. Februar 1989 rollt der Abrissbagger an

03. Januar 2017
&copy Archiv Kehler Zeitung&copy Archiv Kehler Zeitung&copy Archiv Kehler Zeitung&copy Archiv Kehler Zeitung&copy Archiv Kehler Zeitung&copy Archiv Kehler Zeitung&copy Archiv Kehler Zeitung

Seit 25 Jahren gibt es das »Centrum am Markt« in Kehl. Das Geschäfts- und Wohnhaus mit Tiefgarage wurde am 7. Dezember 1991 eingeweiht. Allerdings war seit 1983 diskutiert worden, was auf dem Areal »Marktplatz Nord« mit dem alten Gymnasium passieren soll. In unserer Serie blicken wir auf die Ereignisse zurück. Heute: Am 27. Februar 1989 rollt der Abrissbagger an.

Der Entwurf des Bebauungsplans »Marktplatz Nord« wird für einen Monat öffentlich ausgelegt. Das hat der Kehler Gemeinderat in seiner Juni-Sitzung 1987 beschlossen. Im folgenden September gibt der Rat seine Zustimmung zum Bebauungsplan ebenso wie zu dem von der »Interessengruppe Marktplatz Nord« eingereichten Baugesuch für das auf dem Schulgelände hinter der Friedenskirche geplante Geschäftszentrum. Grundlage für beides ist ein Vorentwurf des Stuttgarter Architektur-Professors H. D. Lutz, den der Bauausschuss in der ersten Dezemberwoche 1985 unter drei Konzepten ausgewählt hat.

Lange hat sich nichts getan in Sachen »Marktplatz Nord«, nachdem am 8. Mai 1985 das Eckgebäude an der Schul-/Blumenstraße und danach das gegenüberliegende Eckgebäude an der Marktstraße abgerissen worden waren. Beide werden wegen Einsturzgefahr im Dezember 1984 geschlossen. Im April 1985 genehmigt das Regierungspräsidium Freiburg den Abbruch. Zwar seien die beiden Eckgebäude Kulturdenkmäler, allerdings sei die historisch kulturelle Substanz durch nachträgliche Umbauten stark beeinträchtigt und wegen der maroden baulichen Substanz sei eine Erhaltung aus Kostengründen nicht zumutbar.

Bis es jedoch zum Abbruch des verbliebenen Schulhaupthauses, des Agnes-Trick- und des Pfarrhauses sowie zur Neubebauung auf dem »Marktplatz Nord«-Gelände kommen kann, sollte noch viel Wasser den Rhein hinunter fließen. Wasser spielt denn auch eine bedeutende Rolle im weiteren Verlauf dieser Geschichte.

Politische Widerstände

Auch der im Juli 1986 vom Stadtrat bekräftigte Grundsatzbeschluss von 1984 und der nach fast vierjährigen Verhandlungen ebenfalls im Juli 1986 geschlossene notarielle Vertrag zwischen Interessengruppe und Generalübernehmer Baresel bringt die Sache nicht entscheidend weiter. Neben den politischen Widerständen quer durch alle Parteien gibt es ökologische Bedenken. 

Insbesondere die Großformatigkeit des Objektes wird angefochten. »Die Umgebung des Areals, das sogenannte Kehler Rotlichtviertel (etliche Animierschuppen, Red.), wollte man allerdings gerne bei der Neugestaltung loswerden und war daher teilweise mehr an einer Neubebauung der angrenzenden Straßenseiten unter Beibehaltung der alten Bausubstanzen (auf dem Schulgelände, Red.) interessiert«, schreibt Klaus-Michael Heine, Mitglied der Geschäftsleitung der Baresel AG, im Mitteilungsblatt der Firma im Juni 1990.

Weitere Verzögerungen ergeben sich aufgrund von Bedenken der Nachbarn gegen die Art der Bauausführung. Ihre Einsprüche richten sich vor allem gegen die wegen der Tiefgarage bis acht Meter in den Boden reichende Baugrube. Anlieger, selbst solche nicht im unmittelbaren Bauumfeld, sorgen sich um die Standsicherheit ihrer Häuser, fürchten Wasser in ihren Kellern durch die im Grundwasserstrom stehende Dichtwanne und dem dadurch aufstauenden Grundwasser, oder sie glauben, dass die Tiefbauarbeiten zahllose Risse in ihren Hausfassaden verursachen. Das macht zur Beweissicherung eine umfangreiche Bestandsaufnahme erforderlich.

Fragen klären

Im Laufe des Verfahrens und noch während der ersten Fundamentarbeiten wird eine Reihe von Gutachtern gehört. Fragen zum Baugrund sind ebenso zu klären, wie zur Hydrogeologie einschließlich der Grundwasserströmung. Auch mit dem vorbeugenden Brandschutz, den vom Gebäudekomplex und seiner Tiefgarage ausgehenden Emissionen oder dem aus der späteren abgedichteten Baugrube abzupumpenden Restwasser haben sich die Experten zu befassen. 

Von Januar bis April 1988 baut die Stadt in der angrenzenden Marktstraße einen neuen Mischwasserkanal und ermöglicht mit dem Einbau von zusätzlichen Leitungen die Abführung des Restwassers aus der Baugrube. Bis das so weit ist, vergeht allerdings ein weiteres Jahr.

»Auf eigenes Risiko wurde von Anfang Februar bis Ostern 1989 von der Firma Baresel auf der Basis eines beantragten Sofortvollzugs mit den vorbereitenden Maßnahmen begonnen«, erinnert Klaus-Michael Heine in seinem Aufsatz über das Bauvorhaben »Marktplatz Nord«. Zu diesen vorbereitenden Arbeiten gehört auch der vollständige Abbruch der historischen Bausubstanz auf dem ehemaligen Schulgelände. 

Abrissbagger rollen an

Am 27. Februar rollen die Abrissbagger an und machen sich zunächst am Agnes-Trick- und Pfarrhaus ans Werk. Am folgenden Tag rücken die Bagger dann dem alten Gymnasium zuleibe. Zuerst werden die Mauern von der Rückseite her eingerissen und abgetragen. Als sich am Nachmittag die mächtigen Zähne der Baggerschaufel in die Fassade bohren, säumen besonders viele Zuschauer das Gelände. Auch der Voraushub bis auf etwa zwei Meter unter Straßenniveau und das probeweise Einrütteln der ersten Spundwandbohrungen zählen zu den vorbereitenden Arbeiten des Großprojekts. 

Während noch auf das Ergebnis der Anlieger-Einsprüche und der durchgeführten Schwingungsmessungen wegen eventueller Schäden in den Fassaden der angrenzenden Häuser gewartet wird, stößt man bei den Voraus-
hubarbeiten bereits auf Teile des Unterbaus der bis zu fünf Meter dicken Vauban-Festungsmauern.

Autor:
Hans-Jürgen Walter

Mehr zum Thema

Seit 25 Jahren gibt es das »Centrum am Markt« in Kehl. Das Geschäfts- und Wohnhaus mit Tiefgarage...
Seit 25 Jahren gibt es das »Centrum am Markt« in Kehl. Das Geschäfts- und Wohnhaus mit Tiefgarage...
Seit 25 Jahren gibt es das »Centrum am Markt« in Kehl. Das Geschäfts- und Wohnhaus mit Tiefgarage...
Seit 25 Jahren gibt es das »Centrum am Markt« in Kehl. Das Geschäfts- und Wohnhaus mit Tiefgarage...
Von Freitag bis Sonntag wurden in der Kehler Innenstadt fünf Veranstaltungen durchgeführt. Vor...

Videos

Ortenau|18:30

Ortenau|18:30

  • Badeunfälle in der südlichen Ortenau - 29.05.2017 Ortenau Aktuell

    Badeunfälle in der südlichen Ortenau - 29.05.2017 Ortenau Aktuell

  • Zauberkünstler räumt ab - 29.05.2017 ORTENAU AKTUELL

    Zauberkünstler räumt ab - 29.05.2017 ORTENAU AKTUELL

  • SV Ortenberg – SV Waltersweier: Ortenauer LigaHelden [Spielbericht]

    SV Ortenberg – SV Waltersweier: Ortenauer LigaHelden [Spielbericht]

  • Sanierung der Grabenallee - 29.05.2017 Ortenau Aktuell

    Sanierung der Grabenallee - 29.05.2017 Ortenau Aktuell