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Kehl

Umschul-Pläne stoßen in Kehl auf Kritik

Langzeitarbeitslose in die Kinderbetreuung – Experten haben Vorbehalte
18. Juli 2012
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Qualifiziertes Kita-Personal fehlt an allen Ecken und Enden. Das will die Bundesagentur für Arbeit durch Umschulung von Langzeitarbeitslosen ändern. Erzieher aus Kehl verfolgen diese Idee mit Entsetzen.

Kehl. »Ich finde diese Idee absolut unglaublich«, sagt Patrick Rotter, Leiter des katholischen Kindergartens »St. Bernhard« in Kehl. Die Bundesagentur für Arbeit möchte Langzeitarbeitslosen die Möglichkeit bieten, sich zu Erziehern umschulen zu lassen. Rotter sieht den Beruf des Erziehers als eine Art »Berufung«: »Der Erzieherberuf hat sich über die Jahre so gewandelt. Heute ist der Erzieher nicht einfach nur die »Basteltante«, sondern auch Kinderpsychologe«, sagt Rotter.

Für Karola Thellmann kommt es auf die Ausgangsqualifikation an: »Die allgemeinen Standards müssen eingehalten werden: Drei Jahre Ausbildung und ein Jahr Anerkennungspraktikum.« Darüber hinaus könne man Langzeitarbeitslose als Zusatzkräfte einstellen, meint die Leiterin des evangelischen Kindergartens »Elisabeth«; zum Beispiel für hauswirtschaftliche Aufgaben. »Wir befinden uns im Bereich der frühkindlichen Bildung und sind auf Menschen mit Bildung angewiesen, sozial wie schulisch.«

Gabi Schellbach, Leiterin des Kreuzmatt-Kindergartens, ist Erzieherin und Sozialpädagogin. Sie sieht die Idee der Bundesagentur sehr kritisch. Kinder seien das wichtigste Gut. Ihr Wohlergehen sollte Priorität haben. »Es ist wissenschaftlich belegt, dass im Kindergarten die Grundlage für späteres Lernen gelegt wird. Deswegen muss der Qualitätsanspruch einfach sehr hoch sein«, sagt die Erzieherin.

Mindestens Realschule

In anderen Ländern ist ein Hochschulstudium für die Ausübung des Erzieher-Berufs Voraussetzung. In Deutschland gilt der Realschulabschluss als Mindestmaß. Im Europa-Vergleich liegt die vier Jahre dauernde Erzieher-Ausbildung im unteren Drittel. »Im Alltag merke ich, welchen Bildungshintergrund Praktikanten im Kindergarten haben«, sagt Gabi Schellbach. Kinder müssen feinfühlig angeregt werden. »Und das kann eben nicht jeder«, so Schellbach.

Cornel Happe, Fachkoordinator Kinder der Stadt Kehl, ist entschieden gegen eine Zwangsumschulung: »Wenn die betreffenden Personen ein Praktikum im Kindergarten machen und feststellen, dass sie sich umschulen lassen wollen, weil ihnen dieser Beruf liegt, warum nicht?« Dennoch sei es ein großer Unterschied, ob man einen Drogeriemarkt betreut hat oder jetzt eben Kinder betreuen soll. Er setzt auf die neue duale Erzieherausbildung und das Mittel des Anreizeschaffens: »Die neue duale Ausbildung ist sehr praxisnah und wird wie eine normale Ausbildung bezahlt. So können wir unsere eigenen Leute ausbilden.« Danach warten attraktive Arbeitsplätze ohne Befristung in Vollzeit auf die ausgebildeten Erzieher.

Bislang konnte die Stadt alle vakanten Erzieherstellen besetzen. An umgeschulten Kräften bestehe laut Happe noch kein Bedarf: »Auf Grund der hohen fachlichen Anforderungen im Bereich der frühkindlichen Bildung warten wir dann auch lieber etwas länger, um gleich richtig zu besetzen.«

Diese Meinung teilt Nanine Delmas, Fachbereichsleiterin Bürgerdienste und Soziales: »Man kann nicht einfach nur umschulen und draufsatteln«. Vor allem nicht, weil immer wieder der Ruf nach einem fundierten akademischen Hochschulstudium im Bereich der Kindergarten-Erziehung laut werde.

Delmas kann sich aber durchaus »Menschen mit sportlichem oder musikalischem Talent« als Ergänzung zu vorhandenen Erziehern vorstellen. Aber gleichsetzen ohne gleichwertige Ausbildung käme einer Abwertung des Erzieher-Berufs gleich.

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Autor: 
Florence-Anne Kälble

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