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Willstätt

Willkommener Ansprechpartner für Flüchtlinge und Helfer

Hilal Badr (27) ist seit knapp fünf Monaten Integrationsbeauftragter der Gemeinde Willstätt
20. April 2017
&copy Florian Würth

Mit der Einstellung von Hilal Badr als Integrationsbeauftragtem hat die Gemeinde Willstätt die Flüchtlingsarbeit auf eine professionellere Stufe gehoben. Der Kehler Zeitung berichtete Badr, wie er die ersten Monate erlebt hat.
 

Hilal Badr arbeitet erst seit vier Monaten bei der Gemeinde Willstätt, macht aber schon nach dieser kurzen Zeit den Eindruck, »angekommen« zu sein. Diese Wahrnehmung täuscht nicht: »Verwaltung«, sagt der Inte­grationbeauftragte, »macht mir richtig Spaß. Ich kann mir gut vorstellen, dabei zu bleiben.«

Dabei hat der 27-Jährige noch bis Mitte des vergangenen Jahres Betriebswirtschaft an der Hochschule Offenburg studiert und wollte danach ins »Kaufmännische«: Er hatte neben dem Studium bei »Kaufland« gearbeitet, und auch das habe ihm sehr gelegen, sagt er.

Doch dann kam alles ein wenig anders. Wie viele Städte und Gemeinden suchte Willstätt angesichts der vielen einreisenden Flüchtlinge einen Integrationsbeauftragten. Badr las die Stellenanzeige und dachte sich, dass das etwas für ihn sein könnte. 

In Kehl aufgewachsen

Obwohl er ab dem zweiten Lebensjahr in Kehl aufgewachsen ist, dort die Tulla-Real­schule besucht und später in Achern die Hochschulreife erlangt hat, weiß er auch, was Flüchtlinge erleben müssen: Seine eigenen Eltern flohen Anfang der 90er-Jahre aus dem Libanon nach Deutschland. Die Palästinenserfamilie lebte fortan in Kehl, wo Hilal Badr zusammen mit seinen Geschwistern aufwuchs. Er spricht Arabisch – nur lesen und schreiben kann er es nicht – und arbeitete nach dem Studium eine Zeitlang als Übersetzer in der Flüchtlingshilfe in Kehl. Dort lernte er auch eine persönliche Befriedigung kennen, die nicht jeder Beruf automatisch mit sich bringt: »Ich habe erlebt, wie froh die Menschen waren, und es ist einfach ein gutes Gefühl, zu helfen«, sagt er.

Im vergangenen Dezember trat er seine Stelle an, für die es noch gar keine klare Tätigkeitsbeschreibung gab. »Ich musste einfach schauen, wo Bedarf ist, habe mich in viele Akten eingelesen und mir einen Überblick verschafft«, erzählt Badr. Wo der Schwerpunkt liegen würde, war jedoch schnell klar: in der Beschaffung von Wohnraum für die Flüchtlinge. Auch 2017, sagt der Integrationsbeauftrage, müsse Willstätt weitere 50 Personen unterbringen. Die Wohnraumsuche funktioniere im Großen und Ganzen bislang sehr gut – und das, so lobt er, vor allem wegen der Bereitschaft der Willstätter Bürger. Die Suche geht dabei über ein bloßes Akquirieren von Miet­objekten hinaus. Die Verwaltung versuche auch zu steuern und die Wohnungen dezentral in der Gemeinde zu verteilen, sagt Badr. Die Mietverträge werden in der Regel mit der Kommune abgeschlossen, oder manchmal auch direkt mit den Flüchtlingsfamilien. Letzteres sei aber vor allem bei Familien der Fall, die bereits eine Anerkennung haben.

Zur Arbeit von Hilal Badr gehört auch der Kontakt mit dem Landratsamt, das für das ehemalige Aka-Motel in Sand zuständig ist. Dort schaut er auch regelmäßig vorbei und macht sich ein Bild von der aktuellen Belegung. Wichtig, sagt er, sei auch der Austausch mit dem ehrenamtlichen Helferkreis. Dieser sei schließlich noch viel näher an den Menschen, als er selbst es im Alltag sein könne. Zu den Öffnungszeiten des Rathauses steht Hilal Badr zudem den Flüchtlingen als Ansprechpartner zur Verfügung, berät sie in allen Migrationsfragen, etwa zu Anträgen, zur Zeugnis-Anerkennung oder zur Kindergarten- und Schulanmeldung.

Einmal pro Woche berichtet der Integrationsbeauftrage in der Amtsleitersitzung unter anderem an Hauptamtsleiter Andreas Leupolz und an Bürgermeister Marco Steffens von seinen aktuellen Tätigkeiten. »Ich fühle mich hier sehr wohl, ernst genommen und werde auch gefördert«, sagt Badr. An der Hochschule Kehl will er im Spätjahr eine Weiterbildung machen, die ihn künftig für den gehobenen Verwaltungsdienst qualifiziert. Die Stelle des Integrationsbeauftragen – sie wird je zur Hälfte vom Land und von der Gemeinde finanziert – ist zunächst auf drei Jahre befristet. Auch danach sieht Hilal Badr für sich eine Perspektive in der Verwaltung.

Autor:
Florian Würth

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