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Gutach

Zehn Jahre Sommerrodelbahn für zwei Minuten Adrenalinkick

Gutacher Bahn ist eine der besten der zehn Wiegand-Bahnen
30. September 2016
&copy Claudia Ramsteiner&copy Claudia Ramsteiner&copy Claudia Ramsteiner

300 Meter bergauf, 1150 Meter bergab über Kreisel, Jumps und durch Tunnels: Zwei Minuten Adrenalinkick, an Spitzentagen mehr als 1000 Mal. Wir sprachen mit Geschäftsführerin Pamela Groll, wie das Geschäft der Gutacher Sommerrodelbahn läuft und warum das Zehnjährige nicht gefeiert wurde.
 

Ein metallisches Klicken, das Zugseil gibt den Rodel frei, und das Gesetz der Schwerkraft setzt zwei Minuten lang pures Adrenalin frei. So lange saust der Rodel über Jumps und Kreisel ins Tal – falls  der Vordermann keine Spaßbremse ist und den Verkehr nicht aufhält. Die Sommerrodelbahn ist in diesem Sommer zehn Jahre alt geworden. Sie hat einiges hinter sich. Ärger mit den Nachbarn, Zoff mit dem Geschäftsführer, Parkplatzstreit – was ist daraus geworden? Pamela Groll lächelt. Die Tochter des vor zweieinhalb Jahren verstorbenen Firmengründers Josef Wiegand fährt inzwischen sehr gern nach Gutach – weil hier inzwischen »alles ruhig und entspannt geworden ist«.

Geschäftsführer Obino nicht mehr an Bord

Zu Beginn der Saison trennte sie sich – »im Guten!« – von Geschäftsführer Michael Obino. Das sei aus damaliger Sicht strategisch nicht gerade der günstigste Zeitpunkt gewesen, die personellen Veränderungen nährten die Entscheidung, den zehnten Geburtstag der Sommerrodelbahn nicht zu feiern. 

Und nun, im Rückblick auf einen der besten und ruhigsten Sommer in der Geschichte der Bahn, ist Pamela Groll vollauf zufrieden. Gutach ist eine von zehn Bahnen der Wiegand Erlebniswelt in Rasdorf, die sie sich mit ihrem Bruder aufgeteilt hat. Jeder ist für fünf Bahnen verantwortlich. Die Gutacher ist eine der guten Bahnen, und im zehnten Jahr vermutlich sogar eine der besten.

Das sei der Verdienst von vier Abteilungsleitern, auf die sie sich hundertprozentig verlassen könne – und deren Kompetenz einen Betriebsleiter vor Ort erübrigen und die Geschäftsführung über mehrere hundert Kilometer Entfernung ermöglichen. Renate Wöhrle zeichnet sich für die Kasse und Buchführung verantwortlich, Siegfried Finkbeiner für den Bahnbetrieb, Karl Katlec für die Technik und Christa Staiger für den Kiosk. 

An Spitzentagen sind zehn Leute im Einsatz

»Eine absolute Teamarbeit fähiger Leute, die alle in ihrem Bereich Spitze sind«, lobt Groll. Zu diesen vier Festangestellten kommen viele feste Aushilfen. An Spitzentagen sind hier zehn Leute im Einsatz. Dann ist die Zahl der Talfahrten »gut vierstellig«, sind alle 50 Rodel auf der Bahn. Die Zahl der Fahrten im Jahr und die Umsatzzahlen nennt sie lieber nicht.

Der schwere Unfall im Sommer vergangenen Jahres war ein Tiefpunkt. Und obwohl ein technisch einwandfreier Zustand der Bahn bescheinigt wurde, legte die Wiegand Erlebniswelt ihren Schwerpunkt  auf die Sicherheit. Ein intensiveres 
Freischneiden der Bahn für eine bessere Sicht, ein komplettes Kamerasystem zur Überwachung, mehr Personal, Intensivierung der Sicherheitsstandards, Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeiter, zählt Pamela Groll auf. 

Tagesbeginn früh morgens mit der ersten Probefahrt

Karl Katlec zeigt in seiner Werkstatt, was ihm Sicherheit bedeutet. Der Heizungs- und Lüftungsbauer, Konstrukteur und Techniker arbeitet seit sieben Jahren bei der Sommerrodelbahn Gutach. Sein Tag beginnt früh morgens mit der ersten Probefahrt. Bevor nun Neid aufkommt: Er rast nicht ins Tal. Er fährt ganz langsam, damit ihm keine noch so kleine Unregelmäßigkeit entgeht. 

Den Rest des Tages verbringt er mit der Wartung und Reparatur der insgesamt 54 Rodel. 50 für den Einsatz an Spitzentagen, vier auf der Reparaturschiene. Viele Verschleißteile überprüft er regelmäßig. Bremsklötze und -beläge müssen gewechselt und die Seileinhängung mit hauchdünnen Unterlagscheiben nachjustiert werden. Stolz zeigt Katlec die Verbesserungen: Neuerdings werden die Schlitten bei der Einfahrt in die Ziellinie automatisch abgebremst.

Und eine ganz neue Technik, die in Gutach in einem Pilotprojekt getestet wird,  sorgt dafür, dass die Gurte verriegelt und während der Fahrt nicht geöffnet werden können.  »Die größte Gefahr ist, wenn die Leute anhalten wollen, weil sie etwas verloren haben«, sagt Katlec. Nun ist ein Aussteigen gar nicht mehr möglich. 

Selfies sind so gefährlich wie beim Autofahren

Auch nicht, wenn ihnen bei einem Selfie in voller Fahrt das Handy entgleitet. Katlec schüttelt den Kopf: Rodeln ist wie Autofahren, da kann das Hantieren mit dem Handy gefährlich werden. Fotos gibt’s übrigens trotzdem. Eine Kinderschar steht gerade vor der Tafel, auf der ihre Fotos von der Bahn angezeigt werden. Sie alle sind »geblitzt« worden, denn hier werden auch die Geschwindigkeiten angezeigt. Sie liegen zwischen 35 und 55 Stundenkilometern. Die Sechstklässler des Johannes-Kepler-Gymnasiums in Weil der Stadt stellen sich noch einmal an. Vielleicht lässt sich das ja steigern. 

Zuerst Freilichtmuseum Vogtsbauernhof, dann Rodelbahn – das ist das Programm vieler Schulklassen. Und seit es den Bahnhalt am Freilichtmuseum gibt, wird diese Kombination in den Schulen imLand noch häufiger genutzt. Möglicherweise ist auch dies ein Grund dafür, dass die Gutacher Rodelbahn im Ranking der zehn Wiegandbahnen ganz oben steht. 

Autor:
Claudia Ramsteiner

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