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Gutach

Abschied für Gutacher SPD-Gemeinderat Ernst Wöhrle

Letzte Sitzung für den Fraktionsvorsitzenden der SPD: »Immer gern erfüllte Pflicht«
10. Oktober 2016
&copy Claudia Ramsteiner

Vor vier Jahren legte er den Vorsitz des Gutacher SPD-Ortsvereins nieder, nun verabschiedet er sich ganz von der kommunalpolitischen Bühne. Ernst Wöhrle, der demnächst seinen 68. Geburtstag feiert, war seit 27 Jahren engagierter Gemeinderat. Heute Abend wird der Fraktionsvorsitzende der SPD er in öffentlicher Sitzung verabschiedet. Bei seinem letzten »offiziellen Termin«, den er als Gemeinderat besuchte, der Feuerwehrschlussprobe am Samstagnachmittag unweit seines Wohnhauses im Hohweg, sprach er mit dem Offenburger Tageblatt über seine Zeit als Kommunalpolitiker.
 

27 Jahre im Gemeinderat – das tut man sich wohl kaum an, wenn’s keinen Spaß macht. Was hat Ihnen daran Spaß gemacht?

Ernst Wöhrle: Dass man die Geschicke Gutachs mitgestalten kann. Das war immer das Grundprinzip meines Denkens, sich für andere einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen.

Aber es macht ja nicht nur Spaß. Welcher Beschluss ist Ihnen besonders schwer gefallen?

Wöhrle: Das Kinzigtalbad. Ich bin nicht gegen das Ganzjahresbad, aber gegen die Methode, wie es zustande kam. Erst fünf Tage vor der Abstimmung im Gemeinderat, ob Gutach nun mitmacht oder nicht, habe ich erfahren, dass das mit unserem geplanten Kostendeckel nicht möglich ist und dass ein Zweckverband gegründet werden muss. Ich bin unter anderem mit dem Ziel angetreten, die Schulden zu reduzieren statt sie zu vermehren, ich wollte für den Badbau keinen Freifahrschein ausstellen. Auch über die Mehrkosten, die bekannt wurden, haben wir erst an dem Abend erfahren, als wir abstimmen sollten. Da hat es gewaltig gehakt.

Erinnern Sie sich auch an einen Beschluss, an dessen gutem Ende Sie maßgeblich mitgearbeitet haben?

Wöhrle: Die Sporthalle. Die wäre fast gescheitert, wenn Karl Frieder Brüstle und ich nicht dazu beigetragen hätte, dass der Beschluss auf Wunsch einer Fraktion nicht vertagt wurde. Mein Argument, dass man nicht zuerst in den Haushaltsplan schauen müsse, weil man den kennt, gab den Durchbruch, dass an diesem Abend, es war irgendwann Anfang der 90er-Jahre, der Beschluss gefasst wurde, dass man die Planung angehen will.

Hat sich in den 27 Jahren an der Gemeinderatsarbeit etwas entscheidend geändert?

Wöhrle: Eigentlich nicht. Natürlich verändern sich die Gegebenheiten mit unterschiedlichen Gemeinderäten und Ansichten. Aber es gab  immer eine konstruktive Zusammenarbeit und interessante Diskussionen. Aber nach 27 Jahren wird man auch etwas müder und will manchmal einfach ohne Verantwortung machen, was man will. Mir war nach der Wahl schon klar, dass ich die Wahlperiode nicht zu Ende machen will und hatte der Nachrückerin auf unserer Liste Bärbel Schwendemann schon gesagt, dass sie sich bereithalten soll. 

Wohl in keinem Ort im Kinzigtal ist die Sitte, dass die Gemeinderäte überall dabei sein, so ausgeprägt wie in Gutach. War das manchmal auch eine Last?

Wöhrle: Nein, als Last habe ich das nie empfunden. Natürlich gibt es mal Situationen, wo man lieber auf dem Sofa bliebe. Aber wer sich als Gemeinderat zur Verfügung stellt, hat Pflichten, und die habe ich immer gern erfüllt.

. . . und haben oft Ihre Frau allein gelassen. Wie hat sie darauf reagiert?

Wöhrle: Positiv. Wenn die Ehefrau nicht dazu steht, wird’s schwierig. Nicht nur wegen der Termine. Sie wurde auch immer wieder angesprochen, wenn jemand eine Entscheidung von mir im Rat nicht gefallen hat. Das Rückgrat brauchen nicht nur die Räte, sondern auch ihre Partner.

Wird man von solchen Leuten auch angefeindet? Wie haben Sie darauf reagiert?

Wöhrle: Meistens habe ich das relativ gut weggesteckt. Bis mir in diesem Jahr einmal jemand »Pfui Teufel« gesagt hat zu einer Entscheidung. Wenn mich dann jemand nicht mehr grüßen will, ist es halt so.

Fällt Ihnen nun heute Abend eine Last von der Schulter?

Wöhrle: Nein, so will ich das nicht nennen. Ich habe mich ja auch darauf vorbereitet.

Und jetzt haben Sie mehr Zeit wofür?

Wöhrle: Oh, ich habe genug zu tun: Garten, Enkelkinder, Verwandte, die betreut werden müssen. Mir wird es ganz sicher nicht langweilig. Ich werde auch weiterhin gern anderen helfen, aber will keine Entscheidungen mehr treffen und ich will mit Sicherheit keine Tätigkeit mehr, für die ich mich rechtfertigen muss. 

Autor:
Claudia Ramsteiner

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