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Mittleres Kinzigtal

Arbeit eines Feuerwehr-Gerätewarts überfordert das Ehrenamt

Für die Zukunft der »Mutter der Feuerwehr« gibt es mehrere Lösungsansätze
18. April 2017
&copy Katrin Mosmann

Der Posten des Gerätewarts ist bei den Feuerwehren ein sehr wichtiger. Die Aufgabe beansprucht viel Zeit, zu viel für einen »Job«, der als Ehrenamt ausgeübt wird, sind sich einige Kommandanten im Kinzigtal einig.

»Wir sind zu siebt«, sagt Andreas Schwer, der in der Hornberger Feuerwehr als Gerätewart für den Fuhrpark zuständig ist. Gemeinsam mit Alexander Wörner, Michael Schwer (beide zuständig für den Bereich Atemschutz), Matthias Mink (Kleiderkammer), Christoph Lehmann (Fuhrpark) sowie Simon und Steffen Mager (Schlauchpool) führt er das Ehrenamt aus: »Nach jedem Einsatz müssen die Gerätschaften, etwa Motorsägen, Pumpen und Aggregate, geprüft und gewartet werden. Auch die Feuerwehrsicherheitsleinen müssen gecheckt werden. Dafür unterschreibe ich dann auch, theoretisch könnte ich haftbar gemacht werden, wenn etwas passiert.« Immerhin geht es hier um das Leben der Kameraden und der Menschen, die im Einsatz gerettet werden. 

Besonders auch die Atemschutzgerätewarte hätten eine lebensversichernde Aufgabe: Masken werden nach jeder Nutzung desinfiziert, gereinigt und geprüft. »Sie müssen absolut dicht sein. Deswegen müssen diese Geräte auch regelmäßig zum Tüv.« Neben der Beschaffung und Wartung der gesamten persönlichen Schutzausrüstung und Einsatzkleidung zählt die Wartung des Festinventars ebenso zu den Aufgaben der Gerätewarte wie der Schlauchpool: »Sobald einmal Wasser auf einem Schlauch war, muss er geprüft werden«, weiß Simon Mager. »Wir haben hier aber die Situation, dass wir die Prüfung, Reinigung und Pflege interkommunal in Wolfach gelöst haben. Trotzdem müssen die Schläuche ja zu der Wolfacher Wehr gebracht und ausgetauscht werden«, erklärt Steffen Mager den Aufgabenbereich. 

Auf mehreren Schultern verteilt

Viele Stunden Arbeit fallen für all diese Arbeiten an, für eine Person kaum zu stemmen: »Wir waren anfangs zu zweit«, erinnert sich Andreas Schwer. »Damals waren wir nicht selten zwei Mal pro Woche mehrere Stunden im Gerätehaus. Heute ist es durch die Aufteilung besser, auch, wenn immer mehr Anforderungen und Vorschriften das Amt intensivieren.« Warum die Drei das Amt, für das es eine kleine Aufwandsentschädigung gibt, übernommen haben? »Die Feuerwehr ist uns wichtig. Wir wollen uns einbringen, für die Feuerwehr und vor allem für die Bürger, für die wir in den Einsatz gehen«, sagt Simon Mager stellvertretend für die Gerätewarte.

»Irgendwo sind Grenzen«

Kommandant Thomas Stammel weiß, was seine Leute leisten, dass es Sinn macht,  das Amt auf mehrere Schulten aufzuteilen: »Die Ansprüche und Unfallverhütungsvorschriften sind gestiegen, mit mehreren Gerätewarten funktioniert es derzeit.« Wie das in Zukunft aussieht, etwa, wenn nicht mehr alle Gerätewarte zur Verfügung stünden oder noch mehr Aufgaben kämen, wird man sehen: »Wenn die Grenze erreicht ist, wird muss über Lösungen nachgedacht werden«, so der Hornberger Kommandant. 

Schiltachs Kommandant Harry Hoffmann, der die »Problematik« bereits früher angesprochen hatte (wir berichteten), sagt klar: »Keine Wehr kann diesen riesigen Aufgabenpool mit einer Person stemmen. Nach Proben und Einsätzen muss immer alles geprüft und dokumentiert werden. Es kann nicht sein, dass ein ehrenamtlicher Feuerwehrmann mehrere Abende pro Woche nach Feierabend für drei bis vier Stunden im Gerätehaus sitzt.« Die Stadt sei nun in der Pflicht, etwas zu ändern, etwa, jemanden einzustellen, der die Aufgaben übernimmt.

Interkommunale Stelle möglich

»Es ist schwer, diesen Posten ehrenamtlich auszuüben«, sagt auch Hausachs Kommandant Paul-Uwe Schmider. »Wir versuchen zwar alle, den Gerätewart zu unterstützen, dennoch ist der Bedarf, das Aufgabengebiet, riesig. Der Gerätewart ist die Mutter der Feuerwehr, die sich um alles kümmert, immer schaut, dass alles läuft. Die Leute machen das, um zu helfen, aber irgendwo sind Grenzen.« Auch in Hausach sei die Aufgabe aufgeteilt auf mehrere junge Leute, die eine Aufwandsentschädigung bekommen, die umgerechnet auf die Stunden »maximal zehn Prozent des Mindestlohns betrage«, so der Kommandant. »Dazu kommt die große Verantwortung für die Kameraden. Man muss wirklich überlegen, das Amt interkommunal und hauptberuflich zu besetzen. Wenn die Gemeinden Zusammenarbeiten, könnte es klappen. 

Auch Haslach Kommandant Stefan Possler sagt: » Früher oder später wird die Arbeit nicht mehr ehrenamtlich zu  bewältigen sein. Dann wird es notwendig sein, von Seiten der Stadt als Träger der Feuerwehr über eine hauptamtliche Kraft nachzudenken. Denkbar ist dann auch, dass diese Person die Aufgaben auch für die Umlandgemeinden übernimmt, um die Personalkosten auf mehrere Gemeinden zu verteilen.«

Autor:
Katrin Mosmann

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