Startseite > Lokales > Kinzigtal > Handel nutzt den Überhang aus
Kinzigtal

Handel nutzt den Überhang aus

Der Milchpreis ist wieder auf absteigendem Kurs / Landwirte fordern politische Unterstützung
13. August 2012
Noch keine Bewertungen vorhanden
Diskussion beim Bauernvesper: Der Bundestagsabgeordnete Peter Weiß (CDU) war auf dem Mühlenbacher Isidorishof zu Gast und diskutierte mit Vertretern aus Landwirtschaft und Gemeinde über faire Milchpreise, EU-Fördergelder und die Nachwuchssorgen der Hofbesitzer.

Mühlenbach. Ferien auf dem Bauernhof, da gehören Tiere genauso dazu wie schöne Aussichten und eigene Milch. Aber genau diese Dinge bereiten den Landwirten Kopfzerbrechen und schlaflose Nächte, denn: »Der Milchpreis geht immer mehr runter, die Futterpreise ständig nach oben«, machte Isidor Burger seinem Kummer am Mittwochnachmittag beim Besuch des Bundestagsabgeordneten Peter Weiß auf seinem Hof im Mühlenbacher Windenbach Luft. »30 Jahre renne ich der Illusion eines guten Milchpreises hinterher.«

Schlechte Preispolitik

Auch Andreas Kimmig, stellvertretender Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft Ortenau, nutzte den Besuch von Weiß, Bürgermeister Karl Burger und einigen Vertretern des Gemeinderats, um auf problematische Entwicklungen hinzuweisen: »Wir sollen unsere Produkte billiger verkaufen, als wir sie produzieren. Das ist das Verwerflichste, was es gibt.« Er kritisiert, dass die internationale Konkurrenz, der stagnierende Markt sowie unfaire und vor allem unsichere Ausgleichszahlungen den Milchbauern das Leben schwer machen.

Dass künftig die Höhenlage und nicht mehr die Hanglage ausschlaggebend für die Auszahlung notwendiger EU-Fördergelder sein soll, sorgt für breites Unverständnis. »Wieso sollen Landwirte auf der Sommerau mehr Gelder bekommen, als die hiesigen an der Steillage«, fragte Bürgermeisterstellvertreter August Matt und Isidor Burger verdeutlicht: »25 Prozent meiner Grünfläche sind Hanglage. Um diese offen zu halten benötigt man Milchkühe.« Deren Milch trage dazu bei, den Hof über die Runden zu bringen.

Hier sei man wieder beim Kernproblem, einem Problem, dass laut Weiß, auf dem Schirm der Politiker sei: »Wir schauen nicht zu und machen nichts. Der Milchpreis ist nach der Krise 2009 gestiegen, jetzt geht er wieder runter. Wenn Bedarf da ist, wird gehandelt.«

Handlungsbedarf sieht Kimmig jedoch längst: »Warum gibt es beim Wein Mengenbegrenzungen und Milch wird im Überhang produziert? Warum drückt der Handel den Milchpreis, gibt vor was er zahlt? Was nutzt es uns, mehr zu produzieren wenn wir keine gescheiten Preis dafür bekommen?«

Und anders, als bei einem Auto, dass der Hersteller halt mal für ein Jahr in die Ecke stellen könne, wenn kein Käufer da sei, müsse man als Landwirt die Kühe täglich zweimal melken. »Genau das nutzt der Handel aus.«

Nachwuchssorgen

Dass dadurch ein ohnehin vorhandenes Grundproblem nicht besser werde, sei klar: »Keiner will den Beruf des Landwirts mehr erlernen«, bedauert Kimmig.

Ein Problem, dass auch Isidor Burger kennt: »Mein Sohn der den Hof mal übernehmen soll, arbeitet den ganzen Tag. Aber 48 Hektar im Nebenerwerb zu bewirtschaften, ist nicht möglich.«

Hier hilft laut Kimmig nur eines: »Wenn man einen halben Tag arbeiten muss, weil man von dem Hof allein nicht leben kann, dann muss die Arbeit auf dem Hof mit den gleichen Geld belohnt werden. Sonst sind über kurz oder lang alle Jungen weg.«

Die Mittelbadische Presse jetzt 10 Tage gratis lesen und mehr erfahren.
Autor: 
Katrin Mosmann

Tags

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

Hausach
23. November 2014
Aus Zeitungslesern werden Zuhörer: Zum bundesweiten Vorlesetag stellten sich fünf OT-Redakteure und eine freie Mitarbeiterin am Donnerstagabend in der Hausacher Mediatheke mit ihren aktuellen Lieblingsbüchern vor.
Wolfach
22. November 2014
Mit dem Programm Denkmalschutz West bleibt Wolfach mehr Zeit für die verbleibenden Großprojekte »Zwischen Hauptstraße und Kinzig«. Für die Abrechnung des fünften Bauabschnitts ernteten die Planer am Mittwoch vom Rat mahnende Worte.
Hornberg
22. November 2014
In den nächsten Wochen porträtieren wir immer samstags Hornberger Asylsuchende, die sich integrieren und einbringen wollen, und Menschen, die ihnen bei der Integration helfen. Heute geht es um die Familie Dordevic aus Serbien.
Wolftal
22. November 2014
Der Winter kann kommen: Die Bauhöfe der Gemeinden Oberwolfach und Bad Rippoldsau-Schapbach sind gewappnet für Eis und Schnee. Bei der Straßenräumung sind sie auf die Hilfe von Unternehmern und Landwirten angewiesen.
Schenkenzell
21. November 2014
Die Kinder der Naturgruppe des Waldorfkindergartens erleben, wie eine Kuh geschlachtet und das Fleisch verarbeitet wird. Durch die Erzieher auf den Tag behutsam vorbereitet, helfen sie tatkräftig bei der Arbeit.
Steinach
21. November 2014
Am Sonntag in einer Woche wird die Krippenausstellung im Steinacher Heimat- und Kleinbrennermuseum eröffnet. Bis dahin haben die ehrenamtlichen Helfer noch jede Menge zu tun.
Welschensteinach
21. November 2014
Die DJK Welschensteinach feiert heute anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens ein Geburtstagsfest mit vielen Aktiven und Ehemaligen in der Allmendhalle – Zeit, um an die Anfänge zurückzudenken.
Schiltach
21. November 2014
Die Stadtverwaltung Schiltach bedankte sich mit einer öffentlichen Ehrung für besondere Leistungen in Vereinen bei zahlreichen Mitbürgern Schiltachs. Am Mittwoch wurden 70 Personen für ihr hohes Engagement von Bürgermeister Thomas Haas ausgezeichnet.
Wolfach
21. November 2014
Der »Afrabuckel« soll dem neuen Minigolfkiosk weichen, soweit ist sich der Gemeinderat einig. Den Bauantrag brachte der Rat aber am Mittwoch noch nicht auf den Weg – zu unterschiedlich sind die Ansichten zur Gestaltung.
Hausach
21. November 2014
Rund 200 Stunden Arbeit stecken in dem großen Quilt, den die Hausacher Quiltgruppe gemeinsam gefertigt hat und der für das Kinderheim und Waisenhaus »House of hope« in Vietnam verlost wird. Er ist im Modestüble Eble zu besichtigen – dort gibt es auch die ersten Lose.
Unbeliebt und unerwünscht?
21. November 2014
Mit dem Zustrom an Flüchtlingen wird die Gesellschaft immer internationaler. Hornberg nimmt bei der Flüchtlingsaufnahme im Kinzigtal den Spitzenplatz ein. In einer neuen Serie porträtiert das OT Hornberger jeden Samstag Asylsuchende und Menschen, die ihnen bei der Integration helfen.
Haslach im Kinzigtal
20. November 2014
An die Tragödie vor der italienischen Insel Lampedusa, als am 3. Oktober 2013 eine überfülltes Flüchtlingsschiff kenterte und knapp 400 Menschen ertranken, erinnerte am Mittwoch eine szenische Lesung in der Stadtbücherei.
Hausach
20. November 2014
Der Hausacher Lyriker bekommt sein "umfrangreiches, beeindruckendes Werkt" beim Internationalen Lyrikfest am 24. Januar in Basel den mit 10000 Euro dotierten "Basler Lyrikpreis".