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Jürgen Klinsmann zu Gast in Gutach

Jürgen Klinsmann bei seinem Besuch in Gutach über den Arzt Kurt Mosetter und Mannschaftstraining
15. August 2013
&copy Iris Rothe

Als Jürgen Klinsmann, Trainer der amerikanischen Nationalmannschaft, in der vergangenen Woche seinen Freund Kurt Mosetter in Gutach besuchte, hat er sich mit dem TuS-Vorsitzenden Martin Heinzmann unterhalten.

Herr Klinsmann, Sie sind ein sehr internationaler Mensch. In Stuttgart aufgewachsen, in Mailand, Monaco, London, Genua und München als Profi gespielt, seit 1998 leben sie in den USA. Jetzt waren Sie in Gutach. Wie kam es zu diesem Besuch?
Jürgen Klinsmann: Ich würde mal sagen privat-medizinisch. Ich kenne den Gutacher Kurt Mosetter seit nunmehr fünf Jahren, er ist ein herausragender Mediziner und inzwischen auch einer meiner Freunde. Bisher habe ich ihn immer in Konstanz in seiner Praxis besucht – oder er kam zu unseren Länderspielen – aber jetzt hat er mich mal nach Gutach eingeladen. Und es hat mir dort sehr gut gefallen. 

Jürgen Klinsmann und Kurt Mosetter: Ein Erfolgsduo! Wo sind die Wurzeln hierfür ?
Klinsmann: Wir haben uns 2008 kennengelernt, als ich Trainer bei Bayern-München war. Ich wurde über gemeinsame Bekannte auf Kurt Mosetter aufmerksam gemacht, und dann gab es den Beweis am »lebenden Objekt«. Ich hatte selbst eine Verletzung, und die wurde entgegen aller Prognosen anderer Ärzte von ihm innerhalb kürzester Zeit geheilt. Seither ist er der Mediziner meines Vertrauens und seit einiger Zeit auch Arzt der amerikanischen Nationalmannschaft.   

Mit Kurt Mosetter arbeiten Sie nun schon mit einigen Vereinen zusammen, das kann schon als traditionell bezeichnet werden. Warum?
Klinsmann: Ganz einfach: Weil es mein Job ist, für die Spieler beste Bedingungen zu schaffen, damit sie ihre Leistungsfähigkeit möglichst optimal ausschöpfen können. Dabei habe ich über all die Jahre hinweg viele Erfahrungen gemacht. Mit Kurt Mosetter nur die besten. 

Es hat einen Aufschrei gegeben, als Sie amerikanische Fitnesstrainer zur deutschen Nationalmannschaft brachten – und jetzt holten Sie einen deutschen Arzt zu den Amerikanern. Wie kommt das?
Klinsmann: (lacht) Man kann sagen, für mich und meine Spieler ist das Beste gerade gut genug. Nein, im Ernst: Fußball ist heute ein so komplexer Wettkampf geworden, da braucht man optimale Bedingungen – auch im Bereich der Medizin. Am Ende entscheiden Kleinigkeiten. Und deshalb ist es egal, ob einer aus den USA oder Gutach kommt – er muss seine Aufgabe optimal ausfüllen.

Hier im Südwesten der Republik spielt der SC Freiburg eine große Rolle. Kennen Sie den Trainer des SC Christian Streich persönlich und welche Perspektiven hat der SC in der nächsten Bundesliga-Runde und in der Europa-League?
Klinsmann: Es ist spannend, wie der SC Freiburg sich in der neuen Saison schlägt. Mir imponiert vor alle, dass der SC Freiburg in der Bundesliga das wohl durchgängigste System zwischen Jugend und Profis hat. Das halte ich für eine herausragende Eigenschaft. Bei Vereinen wie Freiburg wird es immer ein Auf und Ab geben. Aber ich finde es richtig Klasse, wie gut dort gearbeitet wird. 

Sie haben ja auch viele Erfahrungen gemacht, positive wie negative, als Sie die deutsche Nationalmannschaft und den FC Bayern trainiert haben?
Klinsmann: Die Positiven nimmt man auf – und aus den Negativen lernt man vielleicht sogar noch mehr.

Sie als »schwäbischer Bub« (geboren in Göppingen) sind sicher noch eng mit der Region verbunden. Hat Ihnen auch das Gutachtal gefallen und haben Sie vor nochmals nach Gutach zu kommen ?
Klinsmann: Leider habe ich ja außer der Gegend nicht viel von Gutach gesehen. Und meine Zeit in Europa ist ja wirklich auch begrenzt, seit ich in den USA lebe. Aber mir hat es sehr gut gefallen und mir wieder einmal gezeigt, dass der Schwarzwald sehr viele schöne Orte hat.

Dann zum TuS Gutach e.V. Wir vom TuS Gutach nehmen mit vielen Mannschaften an der laufenden Hallenrunde teil. Was haben Trainingsmethoden von Handball und Fußball gemeinsam ?
Klinsmann: Mannschaftssportarten haben viele Gemeinsamkeiten – insbesondere bei der Führung der Mannschaften. Auch im Training gibt es immer mehr Basisarbeit, die bei allen Sportarten gleich ist. Ohne gute Fitness ist keine Leistung möglich. Und die Grund-Fitness hat nichts mit der Sportart zu tun, die man ausübt.

Wie kann man Jugendliche und Kinder zum Sport inspirieren?
Klinsmann: Vor allem, in dem man sie spielen lässt und ihnen den Spaß am Spiel vermittelt. Fußball – und auch Handball – sind Lernspiele. Das heisst: Je mehr ich im Kindes- oder Jugendalter spiele, desto mehr lerne ich. Früher passierte das auf dem Bolzplatz – heute eher bei den Trainingseinheiten. Kinder brauchen Begeisterung und Bestätigung. Dann spielen sie auch gern und dann macht es ihnen auch Spaß.

Wie wichtig schätzen Sie Sport und Ballspiele als Präventivmaßnahme fürs Älterwerden ein?
Klinsmann: Ich würde sagen: Nicht nur fürs Älterwerden sondern fürs Gesundbleiben. Bewegung ist sicherlich ein elementarer Bereich fürs Gesundbleiben. Und wenn dies in der Gruppe, dazu noch an der frischen Luft passiert, haben wir gleich noch mehrere Faktoren. Ich bin kein ausgebildeter Mediziner – aber ich bin überzeugt, dass der Sport die Basis ist für ein gesundes Leben.

Autor:
Martin Heinzmann

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