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Gutach

OT-Kolumnisten lesen »mitten im Tohuwabohu«

Vergnüglicher Abend im voll besetzten Gutacher Kunstmuseum
14. Oktober 2016
&copy Christiane Agüera Oliver

Für die sechste Lesung der Kolumnisten des Offenburger Tageblatts bot am Donnerstag erneut das Hasemann-Liebich-Kunstmuseum den passenden Rahmen. Und die derzeitige Ausstellung »Tohuwabohu« gab die perfekte Vorlage für einen vergnüglichen und nachdenklich stimmenden Abend.
 

Passender als der Ausstellungstitel »Tohuwabohu« hätte der Alltagswahnsinn von den Kolumnisten Claudia Ramsteiner, Katrin Mosmann, Thomas Hafen und Wendelinus Wurth alias Willi Trautmann nicht beschrieben werden können. Als gelungenen Einstieg beschrieb Katrin Mosmann mit der »tohuwabohusten Aufgabe, die ich je hatte«, welches Durcheinander »ihr Tohuwabohu auf zwei Beinen«, der anderthalbjährige Mailo, anrichtet und trotzdem alles perfekt sei. »Noch nie war etwas schöner und besser als dieses Tohuwabohu.«
Die Kolumnistin weiß, dass ihre Glossen eher von Frauen gelesen werden. Aber in ihrer Fußballkolumne, die eigentlich ihrem Kollegen, dem erkrankten und kurzfristig ausgefallenen Alfred Metzler, vorbehalten sind, zeigte sie Sachverstand in Sachen Männerdomäne und provozierte auch hier einige Lacher: »Ich kann zwar ein Abseits erklären, es aber erst in der Zeitlupe erkennen«, gestand sie. Trotzdem sei sie vom Virus Fußball infiziert »nicht nur weil Mats Hummels auf dem Platz steht«.

’s letschte Mol

Wendelinus Wurth mit Pseudonym Willi Trautmann wusste von der neuen Apotheken-Illustrierten, dass auch ihn schon das eine oder andere Symptom untergekommen war. »Im Heftle drin sin nur nette und schöne Lit«, fand er. Und falls in der Illustrierten nix zu finden sei, was einem fehlen könnte, gäbe es immer noch die Apotheken-Umschau. 
Den Nachwuchsschwarzwäldern half Wurth mit Bildern und Klischees. In »Schwarzwald für Selbermacher« hatte er wertvolle Tipps für allerlei (Un-)Nützliches parat. »Des isch aber ’s letschte Mol«, erinnerte Wendelinus Wurth daran, wie oft dies falsch prophezeit werde. Sein Vater lieferte als Schnapsbrenner das beste Beispiel. 

»Die gibt es nicht zum Nachlesen«, sagte Claudia Ramsteiner über ihre alemannischen Kolumnen. Sie erinnerte an ihren Besuch zum Partnerschaftsjubiläum Arbois mit  dem einzigen stillen Örtchen in ihrem Privatquartier, das ausgerechnet in ihrem Zimmer hinter einer abgetrennten Wand lag. 
Was wäre, wenn statt Tausender armer, schwarzer Afrikaner reiche, weiße Amerikaner im Meer ertränken?, wollte sie wissen. Um den Eisbär Knut trauernd und nebenbei Mucke um Mucke erschlagend, stimmte Claudia Ramsteiner nachdenklich: »’S isch bi de Dier net andersch als bi de Mensche. ’S isch granatemäßig wichtig, als was un wo dass de uf d’Welt kummsch, wie viel dass de wert bisch!« Aus aktuellem Anlass gab es schließlich ihre alemannische Übersetzung von Bob Dylans »Like a rolling stone«. »Wie goht’s dr debie, wenn de gonz allei bisch?« 

Literarischer Zirkel

Mitten aus dem Leben, maßlos übertrieben und doch so wahr: Thomas Hafen traf den Nagel auf den Kopf. Mit der »Kordula-Kovac-Gedächtnis-Ausfahrt« teilte er Seitenhiebe aus und nahm sich selbst immer wieder auf die Schippe – ob beim literarischen Zirkel frühmorgens beim Bäcker, weil er schlichtweg den Kuchen auf der Einkaufliste nicht entziffern konnte oder beim Versuch, das  Tohuwabohu der Gestirne am Himmelszelt zu entwirren. In der »Hohenzollerischen Variante von Ostalemannisch« berichtete er frei, dass »de Edgar im Kettcar uff em Trottoir de Schnellscht war«. 

Mit Frau Wäber ins Bett

»Wollen Sie wirklich mit Frau Wäber ins Bett?«, spielte Hafen auf die Haslacher Matratzenwerbung an und kam zu dem Schluss: »Gepflegte Beschränktheit verkauft sich besser als unbegrenzte Klugheit!« 
Mit Spannung würden jeden Freitag die Kolumnen im Offenburger Tageblatt erwartet und »wir haben alle unseren Liebling«, fand Museumsleiter Jean-Philippe Naudet. Er freute sich über den gelungenen Abend vor vollem Haus und die anschließende gemütliche Runde beim von der Gemeinde gestifteten Zwiebelkuchen und vom Kunstverein kredenzten Neuen Wein. 

Autor:
Christiane Agüera Oliver

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