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Hausach

Joachim Zelter ist der neue Hausacher Stadtschreiber

Gisela-Scherer-Stipendiat will hier schreiben und die Region per Rad erkunden
17. Februar 2017
&copy Claudia Ramsteiner

Der 21. Hausacher Stadtschreiber und fünfte Gisela-Scherer-Stipendiat ist diese Woche in Hausach angekommen. Joachim Zelter aus Tübingen wird voraussichtlich bis Mitte Mai im Molerhiisle leben und arbeiten.

»Ob man sich im Rathaus jemals auf so hohem Niveau so gut amüsiert hat wie bei der Zelebration der ›Briefe aus Amerika‹ von Joachim Zelter?« So beginnt der Bericht über die Rathauslesung im Jahr 2000 beim dritten Hausacher Leselenz. 17 Jahre später ist der in Freiburg geborene Wahl-Tübinger wieder zurück: als 21. Stadtschreiber und fünfter Gisela-Scherer-Stipendiat. Der Romanerstling »Briefe aus Amerika« ist übrigens erst im vergangenen Jahr in überarbeiteter Version erneut erschienen – als zwölftes Buch des Autoren. 

»Wunderschönes Wetter, eine tolle Wohnung, und die Briefträgerin hat mich am ersten Morgen schon freundlich begrüßt«, schildert er seine ersten Eindrücke als Stadtschreiber in Hausach. Er habe den Eindruck, in Baden herrsche ein »etwas freundlicherer, entspannterer Grundton« als in Württemberg. 

Dass er sich um das Stipendium in Hausach beworben hat, liege an »vielen emotionalen Beziehungen« zum Hausacher Leselenz und seinem Kurator José F. A. Oliver – und auch an der Sehnsucht nach dem Schwarzwald. Auch wenn die Berge hier von ihm und seinem Rennrad einiges mehr einfordern werden als die Hügel um Tübingen: »Vielleicht sind die Badener ja auch deshalb etwas lieblicher, weil sie so harte Berge haben.«

Erst mal eine Radkarte besorgt

Joachim Zelter hat zwar auch sein Auto dabei, aber nur, weil er von hier aus immer wieder mal zu Lesungen starten muss. Er will die Täler und die Berge mit dem Rad erkunden. Deshalb war eine Radkarte auch das Erste, was er sich hier besorgt hat. Neben einer neuen Kaffeemaschine fürs Molerhiisle, damit er wach sein Tagwerk beginnen kann. 

Ob Joachim Zelter Kaffee trinkt, am Schreibtisch sitzt oder Fahrrad fährt: Schriftsteller ist er immer. Schriftsteller ist kein Beruf, den man täglich acht Stunden ausübt. Das Fahrrad ist für ihn eine Art rollender Schreibtisch, »wo die Worte anders kommen als beim Stillsitzen, basaler, grundsätzlicher«. Da kann es schon mal fünf Minuten dauern, bis man bergauf strampelnd einen Satz geformt hat, »der sitzt dann aber auch«. Ein Pulsbereich von 140 bis 150 sei geradezu ideal zum Denken. 

Joachim Zelter fährt gern bergauf

Er liebt die Berge und fährt gern bergauf. Vor langen Abfahrten hat er eher Respekt. In seinem Radfahrverein, mit dem er regelmäßig unterwegs ist, ist bergab einfach schon zu viel passiert. Neben dem aktiven Radsport entspannt sich der Autor auch gern beim passiven Fußball. Joachim Zelter ist Fan des SC Freiburg. Seit dem Abstieg des VfB ist das in Tübingen eine lebende Provokation. Von Christian Streich sei er auch als Autor fasziniert, die Pressekonferenzen des SC-Freiburg-Trainers seien ja geradezu literarisch. Die Mischung aus Ernst und Komik, »aus Heidegger und Karl Valentin« fasziniert ihn, »da kann auch ein Schriftsteller noch viel lernen«.

Mehrere Romane in Arbeit

Und in erster Linie ist er natürlich auch im Molerhiisle Schriftsteller. Er hat gleich mehrere Romane dabei in unterschiedlichen Stadien, an denen er gleichzeitig arbeitet. »Wenn man beim einen nicht weiterkommt, geht es beim anderen.« Sein »Fahrradroman« ist eigentlich schon fertig, »ich feile nur noch daran herum«. Er hat lange gebraucht, bis er sich daran getraut hat, »das ist wie Religion, fast zu heilig«. 

Natürlich geht es nicht um einen Roman für Radsportinteressierte, sondern um einen unbedarften Radler, der sich plötzlich dem Druck einer Radsportgruppe ausgesetzt sieht. Eine Metapher der Gesellschaft. »Der Roman ist sehr literarisch, da muss jedes Wort sitzen – fast schon mehr ein Gedicht als ein Roman.« Wer weiß, vielleicht bekommen die Hausacher bei der Abschiedslesung vielleicht etwas davon zu hören?

Etwas zu lesen bekommen sie auf jeden Fall. Denn Joachim Zelter wird gern die Tradition weiterführen und für die  Leser des Offenburger Tageblatts eine wöchentliche Kolumne schreiben, die immer mittwochs im Blatt sein wird. 

Autor:
Claudia Ramsteiner

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