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Oberwolfach

Windkraft-Sitzung wegen Gütschkopf verschoben

Weitere Untersuchungen durch die Forstliche Versuchsanstalt werden durchgeführt
11. Januar 2017
&copy Symbolfoto

Die Festlegung auf mögliche Windkraft-Standorte in Rahmen der Flächennutzungsplanung der Verwaltungsgemeinschaft Wolfach/Oberwolfach verzögert sich. Grund sind weitere Untersuchungen auf dem Gütschkopf.

Die beiden Gemeinderatsgremien von Wolfach und Oberwolfach hatten geplant, am 18. Januar eine gemeinsame Sitzung durchzuführen, um die Abwägungsbeschlüsse über die weiteren Konzentrationszonen für die Windkraftnutzung in der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft (VVG) Wolfach/Oberwolfach zu fassen. Diese Sitzung muss laut einer Pressemitteilung der Stadt Wolfach verschoben werden.

Den Grund erläutert auf Nachfrage des Offenburger Tageblatts das Landratsamt. Demnach hat im Rahmen des immissionsschutzrechtlichen Verfahrens zum Windpark Gütschkopf das Naturschutzamt des Landratamts die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) gebeten, zum beantragten Windpark Gütschkopf eine ergänzende fachliche Stellungnahme zum Auerhuhn abzugeben.

Fund Kot und Federn als Hintergrund

Anlass hierfür war laut Landratsamt der Fund von Auerhuhnlosungen (Kot) und Federn im Bereich des geplanten Windparks während des laufenden Verfahrens. Nach dem »Windenergieerlass Baden-Württemberg« und den »Hinweisen für den Untersuchungsumfang zur Erfassung von Vogelarten bei Bauleitplanung und Genehmigung für Windenergieanlagen« der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) werde zur Beurteilung der Betroffenheit des Auerhuhns auf die Grundsätze des Aktionsplans Auerhuhn und die darauf aufbauenden Fachgrundlagen der FVA zurückgegriffen. »Für die Zulassungsbehörden sind der Windenergieerlass und die Hinweise der LUBW verbindlich«, schreibt die Behörde.

Die FVA habe ihre fachliche Stellungnahme bis Ende Januar 2017 in Aussicht gestellt. Es gehe dabei um die Frage, ob in diesem Bereich ein Balz-, Brut- oder Aufzuchtgebiet des Auerhuhns vorliegt.

Die Flächen des geplanten Windparks Gütschkopf sind gleichzeitig Suchraum des Teilflächennutzungsplans Windkraft der VVG Wolfach-Oberwolfach. Im FNP-Verfahren seien ebenfalls artenschutzrechtliche Belange zu berücksichtigen.

Bauernfeind: »Zeit läuft uns weg«

Als Bürgermeister der Standortgemeinde für mögliche Windkraftanlagen auf dem Gütschkopf findet es Bürgermeister Matthias Bauernfeind gut, dass Gewissheit im Bezug auf das Auerwild geschafft wird.  Daran sei mit Sicherheit auch allen Gemeinderäten gelegen, meint er auf Rückfrage des Offenburger Tageblatts.

Allerdings betont er auch, dass er es wichtig findet, dass es möglichst bald ein Ergebnis geben wird. »Uns läuft bei der Bildung von Konzentrationsflächen die Zeit davon«, sagt er und unterstreicht nochmals, dass man durch die Festlegung auf mögliche Standorte im Rahmen des FNP erst ein Steuerungsinstrument habe. 

Daher hätte er es besser gefunden, wenn zu einem früheren Zeitpunkt nochmals die FVA um eine Stellungnahme gebeten worden wäre. »Allerdings arbeitet man auch in den Behörden nach besten Wissen und Gewissen«, schwächt er seine Kritik ab. Vor der Fastnacht rechnet  Bauernfeind nun nicht  mehr mit einer gemeinsamen Sitzung der VVG zum Thema Windkraft.

Kritik bereits im Dezember

Kritik an der Einschätzung des Regierungspräsidiums, das keine »naturschutzrechtlichen Hindernisse« gesehen hatte, war im Dezember in Oberwolfach öffentlich laut geworden.

Der hiesige Hegeringleiter Martin Bonath hatte wegen des Funds von Kükenlosung (Kot) auf dem Gütschkopf als ein Ausschlussgrund für Windräder dies anders beurteilt. Zudem sieht er das Gebiet Gütschkopf als Besiedelungsgebiet des Auerwilds an.

Seine Meinung stützte er dabei auch auf einen E-Mail-Schriftverkehr mit dem als »Auerhuhn-Papst« bekannten Rudi Suchant, der bei der FVA im Arbeitsbereich Wildtierökologie tätig ist, und mit dem Wildtierbiologen Karl-Eugen Schroth, der auch als Auerhuhn-Gutacher unterwegs ist.

Sein Unverständnis zur Beurteilung des RP hatte auch Jaggpächter Martin Allgaier geäußert, der sich seit rund 20 Jahren intensiv mit Auerwild  beschäftigt und Funde und Sichtungen dokumentiert hat.

»Die räumliche Nähe zum Hundskopf P1-Gebiet (absolute Ausschlussfläche) und meine Sichtungen bestätigen, dass der Gütschkopf schon lange besiedelt ist«, sagte er und Sichtungen von Auerhennen würden erste Hinweise auf eine Reproduktionsfläche (Brutgebiet) geben.

Autor:
Lars Reutter

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