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Friesenheims neuer Bürgermeister Erik Weide im Interview

16. Februar 2016
&copy Burkhard Ritter

Erik Weide wirkt auch einen Tag nach seinem Sieg bei der Bürgermeisterwahl in Friesenheim, als ob er schweben würde. Der 41-jährige Ottenheimer ließ am Sonntag mit 54,58 Prozent der Stimmen seine drei Mitbewerber hinter sich. Der Lahrer Anzeiger sprach gestern Mittag mit ihm über den langen Wahlkampf und seine negativen Begleiterscheinungen, über die Weichenstellungen für sein neues Leben und über seine Ziele in den ersten Wochen als Bürgermeister der Großgemeinde Friesenheim.

Erik Weide ist neuer Bürgermeister von Friesenheim. Er erhielt im zweiten Wahlgang am Sonntagabend 54,58 Prozent der Stimmen. Sein größter Herausforderer Julian Christ kam auf 43,16 Prozent.

BM-Wahl Friesenheim: Erik Weide gewinnt im zweiten Wahlgang

Herr Weide, Glückwunsch noch mal zur gewonnenen Wahl. Haben Sie mittlerweile schon realisiert, dass Sie bald Bürgermeister sind oder fühlt es sich noch wie ein Traum an?
Erik Weide: Ich habe das noch nicht realisiert. Ich habe noch keine Zeit gehabt. 

Was haben Sie denn seit Ihrem Sieg gemacht?
Weide: In der Aula gab es am Sonntag einen kleinen Umtrunk. Danach ging es zu mir nach Hause, wo es noch eine schöne Feier mit der Familie und meinen Helfern, die immer zahlreicher wurden, gab. Und das ging recht lange.

Für den Traum haben Sie hart gearbeitet. Viereinhalb Monate Wahlkampf liegen hinter Ihnen. Damit sind Sie von allen Kandidaten die längste Strecke gelaufen. Ging Ihnen irgendwann mal die Puste aus?
Weide: Ich habe ein bisschen zu lange bei der Polizei gearbeitet, bis Ende Dezember. Mein Chef und meine Kollegen haben mich allerdings wahnsinnig unterstützt. Aber so kurz vor Weihnachten war der Punkt erreicht, an dem ich an der Grenze war. 

Wie haben Sie es geschafft, sich in der langen Zeit immer wieder zu motivieren?
Weide: Ich hatte ein Ziel. Das ist Motivation genug. Und ich hatte viel Zuspruch, viele Unterstützer. Wenn ich allerdings gemerkt hätte, ich komme nicht an, wäre es schwierig geworden, vor allem in den letzten drei Wochen.

Da wurde der Wahlkampf schmutzig. Wie gehen Sie mit Plakatschmierereien, Anfeindungen und falschen Gerüchten um?
Weide: Die haben sehr weh getan. Es war schwierig, ruhig zu bleiben. Das schlimmste waren die falschen Gerüchte. Aber ich bin ruhig geblieben, habe mich mit meinen Helfern beraten und wir haben gesagt, wir schießen nicht zurück.

War es Ihre Reaktion, »Wir sagen Ja zu Weide“-Aufkleber am Samstag vor der Wahl über Ihre verschmierten Plakate zu kleben?
Weide: (schmunzelt) Das kam von außen.

Von wem?
Weide: Das möchte ich nicht sagen. Aber die Symbolik ist: Wir sagen nicht Nein zu jemand, sondern Ja zu uns. Deshalb fand ich die Aktion super.

Wie wollen Sie die Meinungsverschiedenheiten, die zwischen Ihrem und dem Christ-Lager geherrscht haben, überbrücken?
Weide: Wenn man selbst nicht nachtritt, schließt sich das meiste von selbst. Das eine oder andere Gespräch werde ich allerdings führen, aber nur mit einigen wenigen. Und ich bin mir sicher, dann arbeiten alle wieder für die Gemeinde zusammen.

Knapp 55 Prozent der Wähler waren für Sie, die Wahlbeteiligung stieg. Aber: eine deutliche Mehrheit sieht anders aus. Bereitet Ihnen das Kopfzerbrechen?
Weide: Nein. Es waren guten Gegenkandidaten da. Ich habe mich in beiden Wahlgängen klar durchgesetzt. Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Auch weil die Wahlbeteiligung im zweiten Gang höher war, gerade vor dem Hintergrund dass laut Statistik ein Drittel der Wähler, deren Kandidat aussteigt, also in dem Fall Mathis, nicht mehr zur Wahl geht.

Wie wollen Sie die Nicht-Weide-Wähler in den kommenden Jahren überzeugen? 
Weide: Eines der schönen Dinge an einem Sieg ist, dass man das tun kann, was man erzählt hat. Ich will sie durch gute Arbeit überzeugen. Sie sollen erkennen, dass ich so bin, wie ich mich dargestellt habe und nicht so bin, wie mich andere darstellen wollten. 

Sie haben unter anderem Transparenz versprochen.
Weide: Ja, und Bürgernähe und gute Arbeit für die Gemeinde.

Freitag, 1. April, ist Ihr offizieller erster Arbeitstag. Schauen Sie schon vorher im Rathaus vorbei?
Weide: Auf jeden Fall! Ich möchte so oft wie möglich reinschauen.

Wie wird Ihr erster Tag aussehen? Es ist ja dann gleich wieder Wochenende…
Weide: Keine Ahnung. Ich bin nicht der Typ, der sich Sorgen macht. Gedanken allerdings schon. Deshalb werde ich vorher schon im Rathaus sein und mir die Tagesabläufe anschauen.

Was haben Sie sich für die ersten Wochen vorgenommen?
Weide: Zu Beginn werde ich mich mehr an der Sache orientierte, das heißt, mich um Maßnahmen kümmern, die keinen Aufschub dulden wie das »Neue Ortszentrum«, die 1000-Jahrfeier oder die Gewerbegebiete. So werde ich mich Stück für Stück einarbeiten und Stück für Stück weitere Themen aufnehmen. Und die Verwaltung arbeitet ja auch. Die weiß, was sie tut. 

Bürgermeister zu sein – das wird auch einige Veränderungen in Ihrem Privatleben mit sich bringen. Ottenheim kriegt zum Beispiel einen neuen Ortsvorsteher. Wie sieht da das Vorgehen aus?
Weide: Das muss ich erst noch abklären. Letztendlich wählt dann natürlich der Ortschaftsrat den Ortsvorsteher. 

Das heißt, bis zum 31. März leiten Sie noch die Sitzungen?
Weide: Das muss ich mit Bürgermeister Wolfgang Brucker und Hauptamtsleiter Michael Fertig besprechen, wie das alles genau ablaufen soll, ebenso meine Verabschiedung. Es muss auch in den Terminkalender der Gemeinde passen.

Dann sind Sie Vorsitzender beim TuS Ottenheim. Geben Sie den Posten ab?
Weide: Am nächsten Wochenende ist Hauptversammlung. Im Dezember haben wir bereits nach einer Lösung gesucht. Der Nachfolger steht bereit. Mario Leutner wird als Vorsitzender vorgeschlagen. 

Und der Umzug mit der Familie: Der ist nach wie vor geplant?
Weide: Ja, klar. Aber wie von Anfang an gesagt: Wir werden uns Zeit lassen.

Ich nehme an, jetzt werden Sie sich erst einmal erholen, oder?
Weide: Heute wollte ich damit anfangen, aber das war vielleicht naiv. Obwohl ich dringend ein paar Tage brauche, ich habe sie nur noch nicht gefunden. Für die TuS-Sitzung habe ich noch nichts gemacht. Für die nächste Ortschaftsratssitzung habe ich noch nichts gemacht. In der Polizei habe ich auch versprochen, dass ich vorbeischaue. Ich muss schließlich noch bis Ende März arbeiten. 

Und dann starten Sie in ein komplett anderes Leben.
Weide: Ja und ich freue mich darauf. Dass ich überhaupt die Chance habe, etwas ganz Neues zu beginnen, das hat nicht jeder.

Autor:
Anja Rolfes

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