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Bürgermeisterwahl

Kandidatenvorstellung: Sie wollen Friesenheim regieren

Erik Weide, Julian Christ und Rafael Mathis präsentierten sich in der Sternenberghalle den Bürgern / Nein-Sager Michael Eckardt war nicht da
19. Januar 2016
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Friesenheims Bürgermeister-Kandidaten stellten sich am Montagabend in der Sternenberghalle vor. Während Nein-Sager Michael Eckardt nicht da war, präsentierten Erik Weide, Julian Christ und Rafael Mathis ihre Vorhaben. Im Anschluss konnten die Bürger den Kandidaten Fragen stellen. Darüber berichten der Lahrer Anzeiger und bo.de am Mittwoch extra.

Am Sonntag, 24. Januar, wählt Friesenheim seinen neuen Bürgermeister. Gestern Abend stellten sich Erik Weide, Julian Christ und Rafael Mathis in einer übervollen Sternenberghalle vor. In 20 Minuten hatten sie die Gelegenheit, ihre Vorhaben zu präsentieren. Im Anschluss konnten die Bürger 15 Minuten ihre Fragen vortragen. Im Großen und Ganzen waren die Rede gleich aufgebaut. Alle drei gingen auf ihren Lebensweg ein, erwähnten ihre Frauen und Hobbys. Auch bei den politischen Themen gab es einige Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel wollen alle die Vereine stärken. 

Erik Weide:
Der 41-jährige Ottenheimer will Transparenz schaffen – sowohl gegenüber seinen Mitarbeiterin im Rathaus als auch den Bürgern. Als Gemeinderatsmitglied wisse er wie wichtig eine »gute Informationspolitik« sei. Entscheidend ist ihm: »Ein Bürgermeister muss zuhören können. Nicht nur im Gemeinderat, sondern gerade auf der Straße.« Das nicht öffentliche Beraten soll daher auf ein »notwendiges Minimum« beschränkt werden. 

Neben der Stärkung der Vereine erwähnte Weide auch die Wichtigkeit der Kirchengemeinde. Die Ansiedlung von Gewerbe will er zur »Chefsache« erklären. Er wolle mit jedem Interessenten, »egal ob Ein-Mann-Betrieb oder große Firma« reden. Außerdem soll der Flugplatz stärker in den Fokus rücken. Sein Ziel: Den Bürgern die Chancen, die mit dem Gelände verbunden sind, näherzubringen. In Sachen Bildung plädiert Weide für einen offenen Ganztagsbetrieb der Grundschulen. Sowohl diese als auch die Kindergärten in allen Ortsteilen sollen erhalten bleiben. An der Realschule in Friesenheim möchte er möglichst lange festhalten.

Beim Thema Finanzen will er Gelder je nach Bedarf an die Ortsteile verteilen, ohne einen zu vernachlässigen. Einsparungen sollen auch durch einen Bürokratieabbau erfolgen. Der Jugend möchte er die Kommunalpolitik »durch Aktionen an der Schule« näherbringen. Er will außerdem prüfen, welche Vorteile eine Wohnbaugesellschaft bringen würde.

Julian Christ:
Der 28-Jährige betont, dass er als unabhängiger Kandidat auftritt. Vom Staatsministerium ins Rathaus will er, weil er hier »über längere Zeiträume« gestalten könne. Seine Parteifarbe soll dabei keine Rolle spielen. Das SPD-Mitglied bewirbt sich »bewusst unabhängig«. Dass er »als einziger Bewerber« nicht aus der Region kommt, sieht er als Vorteil. Er könne dadurch »unbefangen und unabhängig« Themen beurteilen. 

Alle Entscheidungen sollen unter »einem gemeinsamen Leitbild der Großgemeinde« gefällt werden. Das helfe dabei, im »Wettbewerb mit anderen Kommunen um neue Unternehmen zur Gewerbeansiedlung und um neue Einwohner noch besser abzuschneiden«. Christ will alle Ortsteile einbinden und schlägt  ein kleines, eigenes Budget für sie vor: »Bei kleineren Anschaffungen müsste so nicht der gesamte Gemeinderat beschließen«, meint der 28-Jährige. Einen Friesenheimer Ortschaftsrat brauche es derzeit nicht.

Akute Herausforderungen derzeit sind etwa die Modernisierung des Bildungszentrums in Friesenheim, die Erschließung von Baugebieten in Oberweier, die Nahversorgung in Heiligenzell, die Breitbandanbindung in Oberschopfheim oder die Verkehrssituation in Schuttern.
Christ will die Schulden der Gemeinde abbauen und gleichzeitig »Investitionen anstreben, die zusätzlich zu ihrem eigentlichen Nutzen auch den Haushalt entlasten«. Dabei soll auch das Potenzial für Fördermittel der EU, des Landes und des Bundes besser genutzt werden. 

Rafael Mathis:
Der 33-jährige lobt das ehrenamtliche Engagement. Er will es weiter fördern und schlägt die Ernennung eines Ehrenamtsbeauftragten im Rathaus vor. Der würde dann wohl auch die Bürgergala zu Ehren der Ehrenamtlichen, die einmal im Jahr stattfände, organisieren. Mathis will Friesenheim als »familienfreundliche Gemeinde« ausbauen. Weil er die Losung »kurze Beine – kurze Wege« mag, liegen ihm »der Erhalt der Grundschulen in allen Ortsteilen sehr am Herzen«.Außerdem soll jeder Ortsteil ein paar Grundstücke bereithalten – »für junge Eltern mit Kindern begünstigt«. 

Der demografische Wandel soll »menschlich« gestaltet werden. Bei jeder städtebaulichen Planung will er an die medizinische Versorgung und die Pflege für Senioren denken. Mit den Jungen im Ort möchte er sich einmal im Jahr »zu einem ganz lockeren Jugendhearing« treffen. 
Kritisiert hat der Kippenheimer den Internetauftritt Friesenheims. Den findet er nicht zeitgemäß.

Auch die Möglichkeiten des amtlichen Mitteilungsblatts sehe er »noch lange nicht ausgereizt«. Beim Ortszentrum herrsche ein gewisser Nachholbedarf hinsichtlich der Information, den er mithilfe einer Bürgerversammlung im Mai oder Juni decken möchte.  »Das neue Ortszentrum ist beschlossene Sache und längst im Bau. Der Gemeinde Friesenheim und ihrem zukünftigen Bürgermeister bleibt also gar nichts anderes übrig als das Beste draus zu machen«, sagt er. 

Ein fairer Ausgleich zwischen den Ortsteilen ist für ihn die »wichtigste Voraussetzung für das Funktionieren einer Flächengemeinde«. Die Kredite der Gemeinde will er »ganz allmählich zurückfahren«, trotzdem weiter kräftig investieren. Wichtig seien dabei steigende Gewerbesteuern , er sagt »Ja« zur Erweiterung des Industriegebiets Friesenheim II.

Autor:
Matthias Jundt

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