Startseite > Lokales > Lahr > Im Lahrer Fundbüro so viel Geld wie nie abgegeben
Von ehrlichen Findern und glücklichen Eigentümern

Im Lahrer Fundbüro so viel Geld wie nie abgegeben

11. Januar 2017
&copy Christine Breuer

Das Bürgerbüro im Rathaus ist die erste Anlaufstelle für Bürger, wenn sie Fragen haben, sich an- oder ummelden müssen oder auch, wenn etwas verloren oder gefunden wurde. Letztere werden zu Lukas Schießle geschickt, der das Fundbüro verwaltet. Wir haben uns mit ihm unterhalten.

Nicht jeder, der auf der Straße ein Handy, Schlüssel, einen Geldbeutel, Geld oder ein Fahrrad findet, ist so ehrlich und gibt das Fundstück im Fundbüro ab. Aber es wird doch vieles ins Rathaus gebracht. »Vor gut einem Jahr ist ein Flüchtling gekommen und hat einen Briefumschlag mit 3250 Euro abgegeben«, erzählt Lukas Schießle, der das Lahrer Fundbüro betreut. 

Kurz darauf, ergänzt ein Kollege, sei ein weiterer Asylbewerber ins Bürgerbüro gekommen, der einen Geldbeutel gefunden hatte. Inhalt: Ausweis, Führerschein und 400 Euro. 

Sechs Monate Wartezeit

Beide Finder hatten Glück. Obwohl auf dem Briefumschlag die Typenbezeichnung eines Motorrads stand und der Fund in der Zeitung gemeldet wurde, kam der Besitzer nicht ins Fundbüro. Nach Ablauf der vorgeschriebenen sechs Monate Wartezeit wurde das Geld ausbezahlt. Der zweite Fall ging für beide Seiten gut aus: »Wir haben den Besitzer des Geldbeutels anhand der Papiere ausfindig machen können«, erinnert sich Schießle. Der Mann habe sich so sehr gefreut, dass er dem Finder noch im Bürgerbüro 100 seiner 400 Euro gegeben habe.

Überhaupt wurde nach Aussage des 29-Jährigen noch nie so viel Geld abgegeben wie im Vorjahr: Schießle verzeichnete elf Geldfunde. Ein bis zwei Geldbeutel pro Woche, 30 bis 60 Fahrräder im Jahr und fünf bis zehn Schlüssel wöchentlich stehen ebenfalls auf der Fundliste. 

Während Kleinteile in Kisten und Ordnern im Bürgerbüro lagern, warten Fahrräder in den Katakomben unter der alten Luisenschule darauf, abgeholt zu werden. »Wertvolle Räder sind nicht lang bei uns. Die Besitzer kommen immer recht schnell«, erzählt Schießle. Alte oder teilweise demontierte Räder werden meist nicht abgeholt. Sie werden an soziale Einrichtungen abgegeben.

Besonderer Dauergast

In Lahr gibt es auch einen besonderen Finder: »Der kommt fast täglich und gibt alles ab, was er findet – sogar wenn es ein zerrissener Briefumschlag ist.« Zu den Kuriositäten, die es in jedem Fundbüro gebe, zählt Schießle auch eine Begebenheit vor einigen Jahren. Damals landete ein Rollstuhl im Bürgerbüro, der nach Ablauf der Wartezeit dem Spital übergeben wurde. 

In einer Kiste voller meist stark lädierter Handys findet Schießle eine weitere Kuriosität: einen Handscanner – ein Teil, wie es die Mitarbeiter des Ordnungsdienstes verwenden, wenn sie Knöllchen verteilen. »Unseren Leuten gehört das aber nicht«, stellt Schießle klar. In welcher Kommune Autofahrer in letzter Zeit von Strafzetteln verschont blieben, weiß er indes nicht – bislang hat sich kein Besitzer gemeldet.

Autor:
Christine Breuer

Info

Finderlohn

◼ Wird die Fundsache abgeholt, kann der Finder auf einen Finderlohn bestehen. Er muss sich jedoch selber mit dem Abholer in Verbindung setzen. Das Bürgerbüro ist dabei behilflich.
☛ bis zu einem Wert von 50 Euro: kein Finderlohn
☛ bis 500 Euro: fünf Prozent des Werts
☛ über 500 Euro: drei Prozent des Werts
◼ Weiter Infos gibt es unter www.bo.de/4wh

Videos

Ortenau Aktuell Thema östliche Innenstadt

Ortenau Aktuell Thema östliche Innenstadt

  • 23.05.17 - ORTENAU|12:30

    23.05.17 - ORTENAU|12:30

  • Drei schwerverletzte nach Unfall bei Lahr - 22.05.2017 Ortenau Aktuell

    Drei schwerverletzte nach Unfall bei Lahr - 22.05.2017 Ortenau Aktuell

  • Beeindruckende Athleten beim NL Skatecontest 2017

    Beeindruckende Athleten beim NL Skatecontest 2017

  • 22.05.17 - ORTENAU|18:30

    22.05.17 - ORTENAU|18:30