Offenburg

Ausbildung für Geschwister Krasniqi in Sicht

Kirsten Pieper
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
16. September 2014

Ihr sehnlichster Wunsch hat sich erfüllt: Die beiden blinden Geschwister Sultan (20) und Ficerije (18) Krasniqi haben einen Platz an einer Schule für Blinde bekommen. ©Ulrich Marx

Noch vor einem Jahr war es für die beiden Geschwister undenkbar: Weil sie keinen Aufenthaltsstatus hatten, durften Sultan und Ficerije Krasniqi nicht zur Schule gehen. Nachdem das Verwaltungsgericht Freiburg im Frühjahr eine Abschiebung wegen der gesundheitlichen Lage der Familie verboten hat, geht es nun bergauf. Die beiden haben einen Platz auf einem Stuttgarter Internat für Blinde erhalten.

Offenburg. Was für andere Kinder und Jugendliche in Deutschland ganz normal oder mitunter sogar eher lästig ist, war für Sultan (20) und Ficerije Krasniqi (18) bis vor Kurzem noch ein unerreichbares Privileg. Der Schulbesuch war den beiden Flüchtlingskindern verwehrt. Denn dieser war für die blinden Geschwister, die vor 16 Jahren mit ihrer Mutter und fünf weiteren Geschwistern vor dem Krieg im Kosovo flüchten mussten, an einen Aufenthaltstitel gekoppelt. Der schien aber bis Frühjahr dieses Jahres für die Familie in weiter Ferne, bis das Verwaltungsgericht Freiburg nach 15 Jahren Bangen ein Abschiebungsverbot verhängte.

Sechs Monate später sitzen Sultan und Ficerije auf gepackten Koffern. Am Sonntag nämlich erfüllte sich ihr jahrelanger Wunsch: Sie haben einen Platz in einer Facheinrichtung für blinde und sehbehinderte Menschen in Stuttgart bekommen. Geholfen hat ihnen der Offenburger Streetworker Marcel Karow, der sich seit Jahren um das Wohl der Krasniqis bemüht. »Nach mehreren Beratungen sind wir auf die Schule in Stuttgart aufmerksam geworden«, berichtet Karow. Daraufhin seien sie in die Landeshauptstadt gefahren: »Die Schule hat einen sehr guten Eindruck gemacht.«  Für ein Jahr sei der Unterricht, der eine Art Berufsvorbereitungsjahr sei, genehmigt – mit Option auf Verlängerung.

Alte Bekannte getroffen

- Anzeige -

Sultan Krasniqi hat bereits alte Bekannte getroffen: »Drei bis vier Leute kenne ich noch von früher.« Die Geschwister waren vor einigen Jahren schon einmal auf einer Blindenschule in Schramberg. Die Finanzierung war aber gestrichen worden. Seither waren die Jugendlichen zum Nichtstun verdammt. 

16 Jahre dauerte die Odyssee von Frist zu Frist und bestimmte den Lebensalltag der gesundheitlich eingeschränkten Familie. Denn nicht nur die beiden Geschwister sind blind, ihre Mutter Sadije ist herzkrank und leidet zudem an Diabetes ebenso wie die ältere Schwester Naxherie. Weil die Mutter Analphabetin ist, wird sie von der Sozialstation St. Ursula versorgt, deren Mitarbeiter ihr zweimal am Tag Insulin und Medikamente verabreichen. Doch Anträge auf Asyl oder eine Härtefallregelung lehnte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge all die Jahre ab.

Im Frühjahr wendete sich das Blatt. Der Anwalt der Familie gewann eine Klage gegen die Bundesregierung. Das Verwaltungsgericht Freiburg erkannte die gesundheitliche Lage der Familie an und verhängte ein Abschiebungsverbot. Eine Rückkehr in den Kosovo sei mit Verelendung und einergravierenden Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Mutter verbunden, befand die Richterin.

Seither hat sich viel getan bei Familie Krasniqi: Mutter Sadije gehe es von Tag zu Tag besser, berichtet Sultan. Und die  beiden Geschwister haben eine Chance, einmal ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Beide freuen sich nun auf die  neuen Herausforderungen in Stuttgart: Nicht einmal seinen Computer will Sultan mitnehmen, um sich ganz aufs Lernen zu konzentrieren.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

Die Kandidaten der Freien Wähler Biberach: Vorne, von links Markus Saur, Claudia Naskowski, Kerstin Kammerer, Olaf Krieg. Mittlere Reihe: Frank Becherer, Tim Uhl, Henrik Obert, Philipp Smithson. Hinten: Karl-Heinz Schüle, Matilda Schmidt, Claus Bohnert und Georg Fletschinger.
vor 29 Minuten
Gemeinde- und Ortschaftsrat
Im Rahmen ihrer Mitgliederversammlung nominierten die Freien Wähler Biberach auch ihre Kandidaten für die Gemeinde- und Ortschaftsratswahl am 9. Juni. Vier Gemeinderäte stehen nicht mehr auf der Liste.
Die B33 war zwischen Berghaupten und Gengenbach wegen eines Auffahrunfalls gesperrt.
vor 2 Stunden
Auffahrunfall mit Verletzten
Bei einem Auffahrunfall zwischen Berghaupten und Gengenbach sind nach ersten Informationen der Feuerwehr am Mittag mehrere Menschen verletzt worden. Die B33 war kurzzeitig gesperrt.
Natürlich versteckt der Osterhase die Ostereier – und auch wer daran nicht mehr glaubt, freut sich an den Feiertagen zumindest auf schöne Stunden mit seinen Liebsten.l
vor 3 Stunden
Offenburg
Ostern ist ein Fest für die ganze Familie. Das ist auch bei bekannten Offenburgern nicht anders. Das OT hat sie nach ihren Plänen und nach schönen Kindheitserinnerungen gefragt.
vor 6 Stunden
Offenburg
Traditionell oder außergewöhnlich, zuhause oder unterwegs mit Familie und Freunden: Wir haben fünf Menschen aus Offenburg gefragt, wie sie dieses Jahr ihr Osterfest verbringen.
Das bedeutendste Offenburger Kunstdenkmal, der Offenburger Ölberg aus dem Jahr 1524, erzählt detailreich die Geschichte vom Verrat an Jesu an Gründonnerstag.
28.03.2024
500 Jahre Ölberg
500 Jahre Ölberg: Seit mindestens einem halben Jahrtausend besteht der Offenburger Ölberg, der 1524 erstmals erwähnt wurde. Da das bedeutende Kunstdenkmal die Geschichte vom Verrat an Jesu an Gründonnerstag erzählt, erinnert das OT heute an dieses Jubiläum.
Vernissage der Ausstellung des VON (von links): Rüdiger Stadel (Mitglied kultureller Beirat der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte), Martin Seidel (Sparkasse Kinzigtal), Stefan Medel (Zunftmeister Gengenbach), Theo Schindler (Narrenmeister VON), Gunther Seckinger (VON-Vogt Ortenau), Thomas Rautenberg (Museumsleiter), Christian Daxer (Narrenrat), Gudrun Reiner (Vize-Narrenmeisterin VON), Thorsten Erny (Bürgermeister), Rudi Maurer und Gündüz Askin (beide Narrenräte).⇒Foto: Thomas Reizel
28.03.2024
Ausstellung des Verbandes Oberrheinischer Narrenzünfte
Das Gengenbacher Narrenmuseum startet am Samstag in die neue Saison. Und es hat für ein Highlight gesorgt: Der Verband Oberrheinischer Narrenzünfte präsentiert sich mit ausgewählten Exponaten in der Türmerstube des Niggelturms.
Großen Zulauf hatte bei der Jobbörse der Infostand der Zimmerei Irslinger. Auch Bürgermeister Martin Holschuh (hinten Mitte), Rektorin Henrike Scharsig (vorne rechts) und Organisator Alexander Beathalter (links neben der Rektorin) waren an den Ständen unterwegs.
28.03.2024
"Quelle der Inspiration"
Rund 30 Firmen haben sich bei der dritten Schutterwälder Jobbörse am vergangenen Freitag in der Mörburghalle präsentiert. Unternehmen und Veranstalter ziehen eine positive Bilanz.
Auch im Fürstenberger Hof in Unterharmersbach startet ab April die Museums-Saison wieder. 
28.03.2024
Ein Besuch lohnt sich
Ab April ist geöffnet, im Storchenturm kann ab Ostersonntag Stadtgeschichte geschnuppert werden.
Luise Schubert feiert ihren 95. Geburtstag in ihrem Geburtshaus in Offenburg. 
28.03.2024
Offenburg
Die Offenburgerin Luise Schubert wird am Donnerstag 95 Jahre alt. Seit ihrer Geburt wohnt sie in der Kronenstraße in der Offenburger Vorstadt.
Das Windschläger Orchester trat mit dem Jugendorchester "Jowibo" unter der Leitung von Dirigent Philip Ott auf.
28.03.2024
Heiße Rhythmen aus Afrika
Beim Jahreskonzert des Musikvereins Windschläg am Samstag wurde das Publikum musikalisch nach Afrika entführt. Jugend- und großes Orchester hatten auch einen gemeinsamen Auftritt.
CDU-Kandidaten in Fessenbach (oben von links): Marc Zöller, Marcus Jogerst-Ratzka, Josef Hugle, Monika Freund (in der Mitte von links), Ludwig Holl, Katja Manandhar sowie (unten von links) Paul Litterst und Stephan Seitz.
28.03.2024
CDU-Kandidaten für Ortschaftsrat
Die CDU Fessenbach hat im Gasthaus "Linde" ihre Liste für die Ortschaftsratswahl am 9. Juni aufgestellt.
In der Brückenhäuserstraße wurde ein neuer Point of Presence, also ein Verteiler fürs schnelle Internet, aufgestellt. Dieser steht nahe des Gymnasiums.
28.03.2024
Schritt für schnelles Internet
Der Anschluss Gengenbachs an das Glasfasernetz ist einen Schritt nähergerückt: Am Freitag hat die Breitband Ortenau GmbH & Co. KG in der Brückenhäuserstraße nach eigenen Angaben vom Dienstag einen Point of Presence errichtet.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • HYDRO liefert etwa Dreibockheber für die Flugzeugwartung. 
    26.03.2024
    HYDRO Systems KG und Rhinestahl fustionieren
    HYDRO Systems KG und Rhinestahl schließen sich zusammen. Mit diesem Schritt befinden sich die Kompetenzen in den Bereichen Ground Support Equipment (GSE) und Aircraft- & Engine Tooling unter einem Dach.
  • Alle Beauty-Dienstleistungen bietet die Kosmetik Lounge in Offenburg unter einem Dach.
    26.03.2024
    Kosmetik Lounge Offenburg: Da steckt alles unter einem Dach
    Mit einer pfiffigen Geschäftsidee lässt Elena Plett in Offenburg aufhorchen. Die staatlich geprüfte Kosmetikerin denkt "outside the box" und hat in ihrer Kosmetik Lounge ein außergewöhnliches Geschäftsmodell gestartet.
  • Konfetti, Flitter und Feuerwerk beschließen die große Preisverleihung im Forum-Kino in Offenburg. Die SHORTS feiern 2024 ihr 25. Jubiläum. 
    26.03.2024
    25 Jahre SHORTS – 25 Jahre Bühne für künftige Filmemacher
    Vom kleinen Screening in 25 Jahren zum gewachsenen Filmfestival: Die SHORTS der Hochschule Offenburg feiern Jubiläum. Von 9. bis 12. April dreht sich im Forum-Kino Offenburg alles um die Werke junger Filmemacher. Am 13. April wird das Jubiläum im "Kesselhaus" gefeiert.
  • Das LIBERTY-Team startet am Mittwoch, 27. März, in die Afterwork-Party-Saison. 2024 finden die Veranstaltungen in Kooperation mit reiff medien statt. 
    22.03.2024
    Businessaustausch jetzt in Kooperation mit reiff medien
    Das Offenburger LIBERTY startet mit Power in die Eventsaison: Am Mittwoch, 27. März, steigt die erste XXL-Afterwork-Party mit einem neuen Kooperationspartner. Das LIBERTY lädt zusammen mit reiff medien zum zwanglosen Feierabend-Businessaustausch ein.