Startseite > Lokales > Offenburg > Ihre Hilfe ist weiter gefragt
Offenburg

Ihre Hilfe ist weiter gefragt

Drogenberatungsstelle verzeichnet anhaltend hohe Zahl Heroinabhängiger / Grenznähe ausschlaggebend
17. März 2012
Noch keine Bewertungen vorhanden
Einen negativen Spitzenplatz belegt Offenburg bei der Zahl der Drogenabhängigen. Die Nähe zu Straßburg und die Insassen der Justizvollzugsanstalt tragen nach Aussage der Verantwortlichen ihren Teil dazu bei, dass die Hilfe der Drogenberatungsstelle immer wieder nötig ist.

Offenburg. Der umfunktionierte Zigarettenautomat am Eingang der Drogenberatungsstelle (Drobs) in der Alten Lange Straße spricht eine deutliche Sprache: Harte Drogen, allen voran Heroin, befinden sich in Offenburg keineswegs auf dem Rückzug. Der Automat enthält Spritzen, verpackt in zigarettenpackunggroße Pappschachteln, außerdem Alkoholtupfer und ein Mittel zum Auflösen von Heroin. Einen Euro kosten die Pakete, die von den Drobs-Mitarbeitern angerichtet werden. Der Bedarf ist groß.

Vom vielbeschworenen Rückgang des Heroinkonsums bemerkt Frank Menner in Offenburg nichts. »Wir bewegen uns hier immer noch auf einem sehr hohen Niveau«, sagte der stellvertretende Leiter der Jugend- und Drogenberatung Kehl/Offenburg bei einem Pressegespräch in der Drogenberatungsstelle Offenburg. Im Gegenteil: Sieben Drogentote im vergangenen Jahr im Ortenaukreis – »das war extrem viel«, stellte Michael Sauer, Sozialpädagoge und Suchttherapeut fest. 2010 sei nur ein Drogenabhängiger einer Überdosierung zum Opfer gefallen.

Subutex ist beliebt

Den Grund für die herausragende Position des Ortenaukreises in der Drogenstatistik sieht Menner in der Nähe Offenburgs und vor allem Kehls zu Frankreich. »Wir haben hier viele Subutex-Abhängige«, betonte er. Die Ersatzdroge sei in Frankreich im Vergleich zu Deutschland relativ einfach zu beschaffen. »Jeder Arzt in Straßburg kann Subutex verschreiben«, verwies er auf den in seinen Augen legeren Umgang mit dem Stoff. Das führe dazu, dass die Schwarzmarktpreise für Subutex in Offenburg günstiger seien als in den meisten deutschen Großstädten. Subutex bereite Drogenabhängigen zwar nicht den gleichen Kick wie Heroin, als Einstiegsdroge sei die Substanz allerdings beliebt.

Menner schätzt, dass es im Ortenaukreis zwischen 500 und 700 Heroinabhängige gibt. Längst nicht alle der 899 Personen, die 2011 in die Drogenberatungsstelle kamen, sind jedoch heroinsüchtig. Gut die Hälfte kämpft laut Menner mit anderen Drogen, wie Cannabis oder Alkohol. Auch die Spielsucht und der krankhafte Medienkonsum beschäftigen die sieben Drobs-Mitarbeiter zunehmend. »Viele Eltern sind besorgt, wenn die Kinder zehn bis zwölf Stunden am Computer spielen«, sagte Menner. Die Folgen des krankhaften Verhaltens seien meist ein Rückzug aus dem sozialen Leben und Depressionen.

JVA sorgt für Zuwachs

Zuwachs an Klientel erhielt die Drogenberatungsstelle Offenburg durch die enorm vergrößerte Justizvollzugsanstalt. Rund die Hälfte der Personen, die Rat im Umgang mit ihrer Sucht suchten, seien Häftlinge, meint Sauer. »Wir gehen in den Knast rein und sind dort vor Ort«, führte Carolin Schelb aus. Die Sozialarbeiterin kümmert sich hauptsächlich um die Gefängnisinsassen. Der Anteil Drogenabhängiger unter den Häftlingen werde laut offizieller Zahlen auf ein Drittel geschätzt.

Während die Kontaktaufnahme im Gefängnis recht einfach sei, gestalte sich diese in der Beratungsstelle teilweise schwierig, berichtete Schelb. Lediglich 30 Prozent der Betroffenen könnten durch ein Therapieangebot erreicht werden. Die gleiche Anzahl falle über kurz oder lang wieder in die Sucht zurück. Der von der Drogenberatungsstelle ins Leben gerufene Spritzentausch soll zumindest verhindern, dass sich die Heroinabhängigen mit Krankheiten durch verunreinigtes Besteck wie HIV oder Hepatitis infizieren.

»Eine Spritze gibt es nur dann umsonst, wenn die alte auch zurückgegeben wird«, klärte Menner über das System auf. Damit soll verhindert werden, dass gebrauchte Spritzen in Mülleimern oder gar auf Spielplätzen landen und Kinder gefährden. Rund 44 000 Spritzen wurden auf diese Art im vergangenen Jahr im Ortenaukreis eingetauscht. »Das sind 121 Spritzen täglich«, rechnete Sauer vor.

Hintergrund: Die Drogenberatungsstelle

Die Jugend- und Drogenberatung Offenburg/Kehl (Drobs) ist eine Anlaufstelle für Menschen die Fragen zum Thema Alkohol und Drogen haben. Sie bietet suchtbegleitende Hilfen sowie Entgiftung und stationäre oder ambulante Entwöhnungsbehandlung an.

Das Team der Drobs besteht derzeit aus 6,4 Fachkraftstellen. 2011 betreuten die Mitarbeiter insgesamt 899 Drogenabhängige, davon waren 80 Prozent Männer, in der Mehrzahl zwischen 21 und 29 Jahre alt. Rund 50 Prozent der hilfesuchenden Personen sind heroinabhängig.

Die Anlaufstelle in Offenburg befindet sich in der Alten Lange Straße 5, • 07 81 / 94 87 88-0,

E-Mail: drobs-kehl@bw-lv.de.

Die Mittelbadische Presse jetzt 10 Tage gratis lesen und mehr erfahren.
Autor: 
Allgeier Simon

Tags

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

Niederschopfheim
31. Oktober 2014
Auch in diesem Jahr trafen sich wieder die Niederschopfheimer Vereinsvorstände um die Termine für die Veranstaltungen im kommenden Jahr zu koordinieren und festzulegen.  
Nordrach
31. Oktober 2014
Über ein Jahr lang mussten die Nordracher mit teils erheblichen Verkehrsbehinderungen in ihrer Ortsdurchfahrt leben. Die Zeit von Ampeln, Unebenheiten und Schlaglöchern ist seit gestern vorbei: Die Kreisstraße erhielt in Rekordzeit einen neuen Straßenbelag.
31. Oktober 2014
Welche Auswirkungen hatte der Erste Weltkrieg auf unsere Region? Die Zeitschrift »Die Ortenau« des Historischen Vereins für Mittelbaden widmet den aktuellen 94. Jahresband der Zeit von 1914 bis 1918. Die Beiträge werfen ein schonungsloses Licht auf das Leiden der Menschen.
31. Oktober 2014
Sie haben es vielleicht auch mitbekommen: Die Messe Offenburg wird künftig keine großen Samstag-Abend-Fernsehshows mehr übertragen.
31. Oktober 2014
Seine Bauwerke stehen nicht nur in der Ortenau und Berlin, sondern sogar in Algerien, Saudi-Arabien und im Irak: Der Offenburger Louis Fischer hat seine Spuren hinterlassen – auch im Sport. Heute feiert er seinen 85. Geburstag.
Windschläg
31. Oktober 2014
Der Windschläger Mar­kus Jürgens hat den Leis-­ tungswettbewerb der Handwerkskammer Freiburg ge­- wonnen und ist damit Südbadens bester Schornsteinfeger-Geselle. Der Ausbildungsbetrieb ist Karl-Rainer Kopf in Friesenheim, Ausbilder ist Andreas Hurst, der selbst schon Kammersieger war und sogar...
Offenburg
31. Oktober 2014
Warum suchen so viele Menschen nach dem Tod eines geliebten Menschen den Friedhof auf? Brigitte Wörner weiß die Antwort: Weil sie Orte der Trauer und Begegnung sind. Wörner bietet auch professionelle Trauerbegleitung in Offenburg an.
Zell-Weierbach
31. Oktober 2014
Das Salonorchester Offenburg bittet zum Tanz: Am Sonntag, 2. November, präsentieren die Musiker um 19 Uhr im Heimatsaal der Winzergenossenschaft Zell-Weierbach Musik der zwanziger Jahre.
31. Oktober 2014
Schokolade und Pralinen der Confiserie Gmeiner gibt es ab Mittwoch auch in Japan: Dann eröffnet Inhaber und Geschäftsführer Volker Gmeiner in der Metropole Tokio eine Filiale. Im Februar folgt eine weitere in der japanischen Großstadt Nagoya.
Einzelhandel in Offenburg
30. Oktober 2014
Die Stadt entwickelt sich weiter: In jüngster Zeit hat es einige Neueröffnungen gegeben, weitere Geschäfte folgen in Kürze. Damit ist die Stadt wieder um einige Attraktionen reicher geworden, wenngleich es nicht immer einfach ist, passende Nachfolger zu finden.
Waltersweier
30. Oktober 2014
Pech hatte ein 61-Jähriger am Mittwoch. Weil es in einem Waltersweierer Haus zu einem Kurzschluss kam, musste die Hausverwaltung in seine Wohnung. Was sie dann entdeckte, rief die Polizei auf den Plan.
Durbach
30. Oktober 2014
Die spürbare Delle bei den Übernachtungszahlen 2013 wird wohl in diesem Jahr ausgeglichen. Das ist ein Resümee aus der Hauptversammlung des Durbacher Tourismusvereins. Bürgermeister Andreas König tritt die Nachfolge des bisherigen Vorsitzenden Toni Vetrano an.
Hohberg
30. Oktober 2014
Andreas Schröder, ein emeritierter Musikprofessor, gibt auch im Ruhestand fulminante Orgelkonzert. Am 1. November will er wieder Hofweier begeistern.  

Videos

30.10.2014 - Ortenau Aktuell

30.10.2014 - Ortenau Aktuell

  • Zweite Chrysanthema-Kochshow-Vorspeise

    Zweite Chrysanthema-Kochshow-Vorspeise

  • Zweite Chrysanthema-Kochshow-Hauptspeise

    Zweite Chrysanthema-Kochshow-Hauptspeise

  • Zweite Chrysanthema-Kochshow - Nachspeise

    Zweite Chrysanthema-Kochshow - Nachspeise

  • 29.10.2014 - Ortenau Aktuell

    29.10.2014 - Ortenau Aktuell