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Offenburg

"Pulse of Europe": Auch Offenburg kämpft um Europa

Mehrere Hundert Menschen bei der Kundgebung vorm Rathaus / Brücken bauen statt Mauern
20. März 2017
&copy Ulrich Marx

Zur ersten »Pulse of Europe«-Kundgebung sind gestern einige Hundert Menschen vor das Offenburger Rathaus gekommen. Sie wollen die europäische Idee weiterleben lassen – wenn auch in verbesserter Form.
 

Der Auftaktsatz traf die Zielgruppe genau: »Offenburg als Wiege der Freiheit und der Revolution meldet sich nach 170 Jahren zurück!« In der Tat ist die »Pulse of Europe«-Bewegung sicher eine authentische Gelegenheit, dem politischen Anliegen und ein Stückweit auch der Organisations- und Meinungsäußerungsform der 1847er-Vorkämpfer für Freiheit und Demokratie nachzuspüren. Auch damals ging es um die Einheit – des Nationalstaates nämlich, und vor allem darum, sich Gehör zu verschaffen in einer Welt, in der alle politischen Strömungen dem eigenen Anliegen entgegen zu laufen schienen.

Wenig später wird als Appell formuliert: Es müsse endlich »die schweigende Mehrheit« aufstehen und sich »aus dem Wohnzimmern rausbewegen«. So weit, so wahr und vor allem schwierig zu fassen, denn: Die »schweigende Mehrheit« zu repräsentieren, nehmen bisher bekanntlich Zeitgenossen für sich in Anspruch, die so ziemlich genau das Gegenteil von dem anstreben, wofür »Pulse of Europe« steht. Worum also geht es der neuen überparteilichen und überkonfessionellen Bürgerbewegung konkret?

Zehn Thesen formulieren sowohl Ziele wie »Europa darf nicht scheitern« und »Grundrechte und Rechtsstaatlichkeit sind unantastbar« als auch Wege dahin wie »Aufstehen und wählen gehen«. Und nicht zu vergessen: Was »Pulse of Europe« ähnlichen Initiativen voraushaben dürfte, steht zwar ein wenig weiter hinten im Papier, aber durchaus prominent herausgehoben: »Reformen sind notwendig« und „»Misstrauen ernst nehmen«. Man streite somit »für ein besseres Europa«, und das zwar ernsthaft, aber nicht nur mit ernstem Grimm. Im Europa-Quiz etwa sind ein paar der Beispiele verarbeitet, die auch dem glühendsten Befürworter des großen Ganzen am Sinn so mancher EU-Regelung zweifeln lassen – Stichwort Bananen.

Es geht um Frieden
Geht man nach den Redebeiträgen am »offenen Mikrofon«, dann ist das Hauptanliegen der Teilnehmer der Kundgebung weniger die EU als Wirtschafts- als vielmehr als Friedens- und Freiheitsunion. »Frieden ist das Hauptprojekt für Europa«, so etwa Werner Kirn. Er gehöre der ersten Generation an, die »keinen Krieg erlebt hat«, und so wolle er »auch ins Gras beißen«, wählt er deutliche Worte. 

Mehrere Rednerinnen und Redner haben Familienangehörige aus anderen EU-Nationen. »Ich bin hier mit meinem deutsch-französischen Baby«, betont eine junge Mutter. »Jahrhunderte lang betrachteten sich Deutsche und Franzosen als Erbfeinde, das wissen die Leute heute gar nicht mehr«, mahnt Klaus Hüschbach, auch er mit einer Französin verheiratet, und er bricht auch gleich eine Lanze für die Errungenschaften der EU-Regelungsfreude, nämlich die Abschaffung der Roaming-Gebühren und der Grenzkontrollen. Klaus Teufel vom Verein »Die Brücke«, der Offenburgs Kontakte mit den zahlreichen europäischen Partnerstädten koordiniert, gelang ein würdiges Schlusswort am offenen Mikrofon: »Wir bauen Brücken, keine Mauern!«

Autor:
Regina Heilig

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