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Durbach

Streit um Grenzstein landete vor Gericht

Hat ein Durbacher die Markierung versetzt? / Schon länger schwelender Konflinkt mit den Nachbarn
20. März 2017
&copy Archivfoto

Das Amtsgericht musste am Donnerstag Detektivarbeit rund um ein steinernes Dokument leisten. Hatte ein Rentner aus Durbach den Grenzstein zum Nachbargrundstück entfernt? Am Ende wurde das Verfahren eingestellt. 

Ein Grenzstein war im wahrsten Sinn des Wortes Stein des Anstoßes, dass es am Donnerstag zu einem Prozess vor dem Amtsgericht Offenburg kam. War er von einem Durbacher Rentner ausgehebelt worden? Oder hat er ihn nur überdeckt? 

»Also horch, dein Wasser muss ich abweisen für die Dauer der Arbeiten«, hatte es der Angeklagte in der Verhandlung treuherzig in Richtung seines Nachbarn versucht. Die Kontrahenten waren per Du, zwei sind miteinander verwandt. Das mit dem Wasserabweisen gestaltete der Rentner als Abdeckung mitsamt einer Aufschüttung von einem »weichen Sand-Beton-Gemisch«. Der Stein war dann offenbar nicht mehr zu sehen. Die Betonreste habe er sofort nach Beendigung der Bauarbeiten »in einem Eimerle zur Deponie Rammersweier« gebracht, versicherte er. 

Posse wie in der Serie
Was sich zunächst als eine Nachbarschafts-Posse im besten Stil der legendären Fernseh-Serie »Königlich Bayerisches Amtsgericht« anließ, war eigentlich eine ziemlich traurige Geschichte um einen zähen, langjährigen Konflikt vor der eigenen Haustür. Seit 18 Jahren herrscht Nachbarschaftsstreit im idyllischen Weiler des Goldenen Weindorfes. Mehrere Verfahren waren gegen den Rentner anhängig, zwölf Richter »haben sich gekümmert«, zwei Verfahren sind noch am Laufen, so die Klägerauskunft. 

Es handelte sich dabei überwiegend um Streitigkeiten zum Überfahrts- und Wegerecht oder etwa um den Bau einer 50 Zentimeter hohen Mauer im Einfahrtsbereich. »Ich kann seit zehn Jahren nicht mehr reinfahren«, klagte der direkte Anlieger vor Gericht. 

Das Überfahrtsrecht zu seinem Grundstück stammt aus dem Jahr 1800, im Jahr 1980 wurde der Grenzstein ausgetauscht. Seither lebte das steinerne Dokument wohl gefährlich. »Er gräbt gern mal an der Grenze herum«, lautet die Beobachtung der Nachbarn. 

Anzeige bei der Polizei
Kurzum: Am 21. November 2015 ist bei der Polizei eine Anzeige wegen Grenzstein-Entfernung eingegangen. Zuvor hatten sich die Anlieger bei der Gemeindeverwaltung gemeldet. Weil eine Neuvermessung des Grenzpunktes so »um die 500 Euro« kosten könnte, habe man davon abgesehen. 

Eineinhalb Stunden dauerte die gerichtliche Ermittlung. Einer der zwei Polizisten war als Zeuge befragt, zahlreiche Fotos sind geprüft worden, die die Kläger mitgebracht hatten. Nach der erfolgten Klarstellung der Umstände und der Erklärung des Verteidigers, dass »am Stein selbst nichts gemacht wurde«, entschied das Gericht auf Einstellung des Verfahrens nach Paragraf 153. Die Kosten der Verhandlung trägt die Gerichtskasse. 

Zwei völlig enttäuschte Kläger verließen den Saal. Ob es denn vermittelnde Gespräche zwischen den Nachbarn gegeben habe, wollte der Staatsanwalt in der Verhandlung noch wissen. Hier nun schien seit fast zwei Jahrzehnten kein Bedarf zu bestehen. »Der macht, was er will.« Schlimmer noch: »Er terrorisiert alle vier Nachbarn«, bedauerte einer der Kläger.

Autor:
Ursula Groß

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