Ortenau

Bahnreisende in der Ortenau vom Streik betroffen

Marc Mudrak und Thomas Reizel
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06. Mai 2015
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Der Bahnstreik wirkte sich am Dienstag auch in Offenburg aus. Einige Reisende mussten Wartezeiten überbrücken.

Der Bahnstreik wirkte sich am Dienstag auch in Offenburg aus. Einige Reisende mussten Wartezeiten überbrücken. ©Marc Mudrak

Der Bahnstreik hat auch Reisende in Offenburg getroffen. Einige mussten Wartezeiten überbrücken oder andere Reisemittel finden. Unterdessen verteidigt die Ortenauer Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) den Streik.

Offenburg. Am Offenburger Bahnhof bekamen gestern die Fahrgäste die Auswirkungen des Streiks zu spüren. Besonders Auswärtige hatten Schwierigkeiten, sich bei Zugausfällen und Verspätungen neu zu organisieren.

Die 30-jährige Joanna Haslej aus Breslau reiste aus beruflichen Gründen nach Offenburg. »Ich bin heute Morgen am Frankfurter Flughafen angekommen. Schon dort hatte mein Zug 25 Minuten Verspätung«, erzählte sie der Mittelbadischen Presse. Bereits heute, Mittwoch, muss sie wieder zurück nach Polen reisen. »Ich hoffe, dass es dann besser läuft.«

Geärgert hat sich auch Wolfgang Winkler aus Saarbrücken, der mit seiner Frau gerade in Zell a. H. Urlaub macht. »Seit Jahrzehnten verbringen wir im Mai ein paar Tage im Schwarzwald, um den Geburtstag meiner Frau zu feiern«, berichtete der 73-Jährige.

Jetzt muss das Ehepaar umdisponieren. »Wir sind mit dem Auto nach Zell gefahren, aber die Region wollten wir mit der Bahn erkunden.« Die Zugfahrt nach Offenburg gestern habe zwar gut funktioniert. »Aber den Ausflug nach Baden-Baden mussten wir wegen des Streiks ausfallen lassen.«

Pendler hingegen verfügen bereits über eine größere Streik­erfahrung. Sie passten sich an die Ausstände der Lokführer an. Der Schüler Vincent Sailer aus Kappel-Grafenhausen legt täglich die Strecke zwischen Mahlberg-Orschweier und Offenburg mit der Regionalbahn zurück. Gestern Morgen kam er wegen des Streiks allerdings 45 Minuten zu spät – und somit nicht rechtzeitig zum Unterricht.

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Schwieriger wurde es für ihn gestern Mittag, denn sein Zug nach Mahlberg-Orschweier fiel aus. »Jetzt komme ich nicht nach Hause«, ärgerte er sich. Entspannter reagierte der 47-jährige Alexander Bosch. Der Emmendinger war auf dem Weg nach Freiburg und blieb in Offenburg stecken – sein Zug war ausgefallen. »Ich verstehe die streikenden Angestellten, aber für die Fahrgäste ist die Lage schwierig«, sagte er. 30 Minuten Wartezeit musste er am Bahnhof überbrücken: »Ich hätte mich einfach früher informieren müssen.«

»78 000 Überstunden«

Manfred Weghaupt, Vorsitzender der Offenburger Ortsgruppe der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL), kritisiert die Bahn AG. »Im Bezirk Südwest haben wir rund 600 Lokführer im Güterverkehr. Die haben 78 000 Überstunden. Davon kommen sie nicht mehr runter«, sagte er auf Anfrage unserer Zeitung.

Deshalb fordert die GDL mehr Lokführer, 38 statt 39 Stunden Wochenarbeitszeit, und fünf Prozent mehr Geld. Die Bahn hatte zuletzt angeboten, die Löhne vom 1. Juli an in zwei Stufen um insgesamt 4,7 Prozent zu heben. Dazu sollte eine Einmalzahlung von insgesamt 1000 Euro bis zum 30. Juni kommen. Für die GDL sei das nur eine Erhöhung von 3,5 Prozent, weil die Einmalzahlung mit anderen Leistungen verrechnet würde.

Ein Knackpunkt ist die Forderung, dass Rangierlokführer wie Streckenlokführer eingestuft werden. Das Einkommen eines Lokführers im Personenverkehr beträgt Weghaupt zufolge zwischen 2500 und 3000 Euro brutto, Rangierlokführer seien niedriger eingestuft: »Und das, obwohl sie nicht mehr nur in Bahnhöfen Züge zusammenstellen, sondern auch Strecke fahren.«

Hermann Schmid, pensionierter Lokführer aus Hausach, hatte vor einem halben Jahr die GDL kritisiert. Heute sieht er es differenzierter: »Die Bahn spielt auf Zeit, bis das angekündigte Tarifeinheitsgesetz kommt.« Darin soll das Streikrecht kleiner Gewerkschaften zugunsten größerer beschränkt werden. Für Schmid lasse sich das Problem nur noch mit Schlichtung lösen. »Heiner Geißler hat immer gut vermittelt.« Dieser hatte das Tarifeinheitsgesetz kritisiert: »Man kann diesen Arbeitskampf nur entschärfen, wenn die Bundesregierung ihren Gesetzentwurf zurückzieht«, sagte er der Zeitung »Münchner Merkur«.

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