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Interaktive Karte

Flüchtlinge in der Ortenau: Hier können Sie helfen

In der Region entstehen immer mehr Asylarbeitskreise / Wir zeigen, wo sich Bürger einbringen können
28. August 2015
&copy Ulrich Marx

Mit der Zahl der Flüchtlinge in der Ortenau wächst auch die Hilfsbereitschaft der Menschen aus der Region. Doch viele der neuen Arbeitskreise in den Städten und Gemeinden stehen noch am Anfang ihrer Arbeit und sind in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Die Mittelbadische Presse hat deshalb eine interaktive Karte der Flüchtlingsinitiativen im Kreis erstellt. In Zusammenarbeit mit Hitradio Ohr zeigen wir, wo und wie sich Bürger konkret engagieren können.

Immer mehr Bürger in der Ortenau wollen den neu ankommenden Asylbewerbern helfen. Doch viele wissen nicht, wo und wie. Das Problem: Neben den etablierten Einrichtungen haben sich während der vergangenen Monate zahlreiche neue Initiativen gegründet. Deren Strukturen sind im Aufbau, im Internet sind die Gruppen schwer oder gar nicht zu finden. Ansprechpartner und Treffpunkte haben sich noch nicht herumgesprochen.

Besonders in den sozialen Netzwerken haben die Mittelbadische Presse in letzter Zeit immer wieder Anfragen erreicht, wie und wo Engagement für Flüchtlinge nötig und möglich ist. Wir haben uns im Ortenaukreis auf die Suche begeben und Initiativen sowie Ansprechpartner ausfindig gemacht. Das Ergebnis zeugt von der zunehmenden Hilfsbereitschaft der Bürger in der Region. Nicht nur in den Großen Kreisstädten, sondern auch in kleinen Kommunen finden sich Interessierte zusammen, um den Asylbewerbern vor Ort zu helfen. Wo Bürger tätig werden können, haben wir in Kooperation mit Hitradio Ohr in einer interaktiven Karte zusammengefasst - inklusive Kontaktdaten und Möglichkeiten, sich zu engagieren.

 

 

 

Wodurch zeichnen sich die Flüchtlingsinitiativen im Kreis aus? Charakteristisch ist in vielen Fällen das Engagement der Kirchen. Sie stellen Infrastruktur, Personal und Finanzmittel bereit. Die Flüchtlingshilfe Kehl-Neumühl etwa wurde vom evangelischen Pfarrer Reinhard Sutter und dessen Frau, der Kinderärztin Andrea Kranen-Sutter, ins Leben gerufen. Der Arbeitskreis Asyl in Hornberg wird von Sigrid Krenz, der Frau des evangelischen Pfarrers Thomas Krenz, geleitet. Auch Caritas und Diakonie sind vielerorts in den Bewegungen aktiv.

Verschiedene Initiatoren und Träger

Daneben stellen zahlreiche Vereine und Verbände Gebäude, Know-how und Infrastruktur zur Verfügung. Zwei Beispiele unter vielen: In Friesenheim kooperiert der Verein "Schublade 10" mit der örtlichen Flüchtlingsinitiative beim Sammeln von Sachspenden; in Oberkirch sind es die Mitglieder des Vereins Paula, die sich bei der Kleiderkammer, der Betreuung von Flüchtlingsfamilien und der Nähstube einbringen. Nicht zuletzt freie Bürgerinitiativen helfen den Zuwanderern. In Sasbach hat sich nach deren Ankunft ein Kreis ehrenamtlicher Unterstützer gebildet, der eigenen Angaben zufolge Hilfe etwa bei Behördengängen und Krankheit anbietet. Am Vormittag unterrichten Lehrer und Bürger in den Räumen der Sammelunterkunft St. Pirmin ehrenamtlich Deutsch.

In einigen Orten gibt es regelmäßige Foren, bei denen sich Flüchtlinge und die Bevölkerung treffen und austauschen können. In Offenburg veranstaltet der Ökumenische Arbeitskreis Asyl zusammen mit dem Diakonischen Werk monatlich das Café International, das inzwischen im neuen Gemeindesaal der Offenburger Stadtkirche stattfindet. In Friesenheim gibt es ebenfalls ein Café International, organisiert vom örtlichen "Netzwerk Solidarität".

Was wird gerade besonders gebraucht?

Koordination ist eine zentrale Aufgabe der neuen Initiativen. Viele Arbeitskreise sind nicht zuletzt Vernetzungsstellen für verschiedene Gruppen. Die Arbeitskreise werden vielerorts von den Kommunen koordiniert. Sie stellen Ansprechpartner, an die sich interessierte Bürger wenden können, die praktische Hilfe oder Gegenstände für die Asylbewerber anbieten wollen.

Im Landratsamt hat Alexandra Roth, Leiterin des Migrationsamts, den Überblick über das, was die Flüchtlingsinitiativen gerade am dringendsten benötigen. Sie nennt im Gespräch mit der Mittelbadischen Presse und Hitradio Ohr vier Bereiche, in denen bürgerschaftliches Engagement besonders gefragt ist:

  • Lagerstätten und Spendenannahme: Die vielen Sachspenden, die bei den Initiativen eingehen, müssen zwischengelagert werden. Dafür sucht das Landratsamt Gebäude oder Räume, in denen die Gegenstände untergebracht werden können, ehe sie an die Flüchtlinge weitergegeben werden. Ebenso werden Helfer gesucht, die die Spenden entgegennehmen, sichten, verwalten und in Absprache mit dem Sozialdienst ausgeben.
  • Alltag und Integration: Hier gibt es ein weites Feld, auf dem Ehrenamtliche tätig werden können. Gefragt sind vor allem Sprachunterricht und Hausaufgabenhilfe für Kinder und Jugendliche, aber auch Patenschaften für Familien oder Einzelpersonen. Die Paten helfen den Asylbewerbern im Alltag, bei der Arbeitssuche, Behördengängen oder Arztterminen.
  • Freizeit und Aktivitäten: In diesem Bereich sind etwa Sportvereine gefragt, Asylbewerber in ihre Mannschaften aufzunehmen oder an ihrem Sportprogramm teilhaben zu lassen. Auch alle anderen Vereine in den Städten und Gemeinden können unter den Flüchtlingen neue Aktive finden.
  • Wohnraum: Die Wohnungssuche ist für Flüchtlinge nach der Erstunterbringung oft schwierig. Unterstützung dabei sowie passende Angebote von Vermietern werden deshalb auch in der Ortenau benötigt.

Zudem hat der Ortenaukreis ein Handbuch herausgegeben, in dem Ehrenamtliche alle relevanten Inforamtionen für ihre Tätigkeiten finden. Die Broschüre steht online zum Herunterladen zur Verfügung.

Sie wollen helfen? Dann können Sie sich an die örtlichen Flüchtlingsinitiativen wenden - oder Ihren Vorschlag hier direkt an das Migrationsamt des Ortenaukreises schreiben. Das Landratsamt nimmt allerdings keine Sachspenden entgegen.

Hinweis: Die interaktive Karte der Flüchtlingsinitiativen wird regelmäßig aktualisiert. Schreiben Sie uns an info@bo.de, wenn Ihre Kommune oder Gruppe auch aufgeführt werden soll.

Autor:
Marc Mudrak

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