Offenburg

Hochwassergefahrenkarten: Die Hälfte ist geschafft

Christine Marklewitz
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
03. September 2014
Wie hoch steigen die Pegel an Acher, Rench, Schutter und Kinzig bei Hochwasser? Wie sehr stauen sich die Nebenflüsse? Antworten sollen die Hochwassergefahrenkarten geben, die für die Ortenau noch in Arbeit sind.

Wie hoch steigen die Pegel an Acher, Rench, Schutter und Kinzig bei Hochwasser? Wie sehr stauen sich die Nebenflüsse? Antworten sollen die Hochwassergefahrenkarten geben, die für die Ortenau noch in Arbeit sind. ©Ulrich Marx

Die Ortenau, hydraulisch vermessen und in Kartenformat gebracht – diese Si­sy­phus­ar­beit leisten derzeit die 51 Kommunen. Obwohl alle Beteiligten unter Hochdruck arbeiten, wird bis zum Stichtag 1. Januar 2015 nur ein Teil der Hochwassergefahrenkarten fertig vorliegen.

Kommunen, die an und mit den Ortenauer Bächen leben, warten seit Monaten ungeduldig auf das Kartenwerk. Denn: Ohne die Hochwassergefahrenkarten liegt die Bauleitplanung in den neuralgischen Bereichen auf Eis. Nur mit Sondergenehmigungen ist schrittchenweises Vorankommen möglich, Großprojekte müssen ganz warten.

Ein Beispiel ist die Kinzigtal-Gemeinde Steinach. Sie wird regelmäßig vom Welschensteinachbach her unter Wasser gesetzt. Um die Bürger vor Schaden zu schützen, wird ein Hochwasserrückhaltebecken diskutiert. »Aber, bislang hatten wir keine Grundlage: Die Hochwassergefahrenkarte fehlte«, berichtet Steinachs Bürgermeister Frank Edelmann. »Nun liegt der Rohentwurf Gott sei Dank vor«, die Planung des Beckens konnte in Auftrag gegeben werden. Die weitere Krux, so Edelmann, sei, dass die Verordnung des Landes-Wassergesetzes bereits vor den Karten inkraft getreten sei und Baugenehmigungen enorm erschwere.
Warum? Die Ortenau war eine der letzten Regionen, bei denen die landesweite Gefahrenkartierung vom Regierungspräsidium, der Kreisverwaltung und den Kommunen angeschoben worden war.  Start war im Oktober 2013. Schuld am späten Beginn hatte aber keiner der Protagonisten: »Den Zeitplan gibt das Land vor«, gibt Oliver Stenzel, kommissarischer Referatsleiter im Regierungspräsidium Freiburg, zu bedenken. Da nur wenige Büros hydraulische Messungen vornehmen könnten, sei die Auswahl begrenzt. Deshalb werde zum Stichtag auch nur die Hälfte der Ortenaukarten fertig kartiert sein. Die Ergebnisse von Acher, Rench und dem Unterlauf der Kinzig werden frühestens Mitte/Ende Frühjahr 2016 erwartet,

- Anzeige -

Die Planer setzen die Ortenau vom Schreibtisch aus heftig unter Wasser: Sie berechnen die erwarteten Pegelstände von Schutter, Acher, Rench und Kinzig bei 50-, 100- und gar 1000-jährlichem Hochwasser. Die Hauptarbeit besteht darin zu schauen, wie sich das Wasser bei diesen Szenarien ausbreitet, wo es sich staut, wie es abläuft. Auf dieser Grundlage werden Schutzmaßnahmen für die Bereiche hinterm Deich und an den Bachläufen erarbeitet, auch Bauland wird neu bewertet werden.

Die Berechnungen für Schutter, Ober- und Mittellauf der Kinzig sind in der sogenannten Plausibilisierungsphase. Das heißt, sie werden vor der Offenlage und Freigabe von den Gemeinden geprüft. Und das bereitet richtig viel Arbeit, denn jeder Gullideckel, jede Bachböschung auf der Gemarkung müssen gecheckt werden. In vielen Fällen prallen Berechnung und Wirklichkeit aufeinander: »Wir haben große Probleme mit der Qualität der Karten«, stellt Bernhard Vetter, Leiter des Amts für Wasserwirtschaft und Bodenschutz am Landratsamt, fest. So seien etwa verschließbare Kanäle oder etwa Deicherhöhungen nicht berücksichtigt worden. »Diese Fehler müssen ausgeräumt werden, damit keine falschen Entscheidungen getroffen werden«, unterstreicht Vetter. Sind die Gefahrenkarten einmal genehmigt, sind sie bindend. Die Fortschreibung ist erst in mehreren Jahren geplant – bis dahin fließt noch viel Wasser die Kinzig runter.

Hintergrund

Wer nutzt die Karten?

Die Hochwassergefahrenkarten sind elementar für die Bauleitplanung der Kommunen. Denn nur die Gebiete, die eindeutig hochwassergeschützt sind oder geschützt werden können, kommen überhaupt als Bauland in Frage. Bauherren in spe, die wissen wollen, wie gut ihr favorisiertes Gelände geschützt ist, können die Karten in den Gemeindeverwaltungen oder beim Ministerium für Umwelt, Klima und und Energiewirtschaft unter http://www4.um.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/114757/ einsehen. Auch für Versicherungen sind die Karten höchst interessant.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

vor 19 Stunden
Ortenau
Zahlreiche Wildunfälle haben sich im Bereich des Bühler Polizeirevieres in der Nacht zum Freitag ereignet. Die Polizei mahnt Autofahrer zur Vorsicht und gibt Tipps, um einen Unfall zu vermeiden.
Knacken die Offenburger noch die Marke von 1000 Teilnehmern beim Ortenau-Check?
vor 20 Stunden
Ortenau-Check
Am Sonntag endet der große Ortenau-Check. Sie haben also nur noch drei Tage Zeit, um für Ihre Heimat abzustimmen. Je mehr Bürger teilnehmen, desto aussagekräftiger wird das Ergebnis.
Verliert ein Jäger die Waffenbesitzkarte, ist er auch den Jagdschein los.
vor 20 Stunden
Entzug der Waffenbesitzkarte
Der Vorwurf: Waffenbesitzkarte und Jagdschein werden zu schnell und zu lange entzogen. Das Landratsamt dagegen sagt, es halte sich an die Gesetzesvorgaben.
Ortenau bewegt sich (von links): Evelyn Bressau (Leiterin Gesundheitsamt), Martin Maldener (Mobilitätsmanager Stadt Offenburg), Angela Schickler (Sachgebietsleiterin Präventionsnetzwerk Ortenaukreis), Alexandra Dreyer (Klimaschutzmanagerin Landratsamt Ortenaukreis), Christof Wettach (Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Leiter der AG Klimawandel und Gesundheit).
19.04.2024
Ortenau
Ein neues Konzept soll den Ortenauern Bewegung und Bewusstsein für den Klimawandel näher- bringen. Die Arbeitsgruppe Klima und Gesundheit plant dafür verschiedene Projekte im Mai.
Ein riesiges Transparent mit der Aufschrift "Utilisez votre voix, use your voice, nutze Deine Stimme" wirbt derzeit am Europäischen Parlament in Straßburg für die Europawahlen, die vom 6. bis 9. Juni stattfinden – in Deutschland am Sonntag, 9. Juni.⇒Foto: Jean-Francois Badias/AP/dpa
18.04.2024
Die Ortenau und das Elsass profitieren besonders
Die Europäische Union hat im Alltag der Bürger vieles verändert. In Grenzregionen wie etwa der Ortenau und dem Elsass ist Europa besonders deutlich spürbar. In der zweiten Folge unserer Serie zur Europawahl gibt es einen Überblick über wichtige Entwicklungen.
18.04.2024
Ortenau
Nach der tödlichen Attacke in einer Schule läuft nun der Prozess gegen den mutmaßlichen Schützen. Wegen des Jugendschutzes gelten strenge Regeln.
Regen, Hagel, Eis und Graupel waren die Gründe für zahlreiche Unfälle auf der A5 am Mittwochabend. Laut Polizei entstand so ein Schaden in Höhe von über 150.000 Euro.
18.04.2024
Autobahn zeitweise gesperrt
Zu zahlreichen Verkehrsunfällen wegen Regen, Eis und Hagel ist es am Mittwochabend auf der A5 gekommen. Zeitweise musste die Autobahn auf Höhe Appenweier gesperrt werden. Die Polizei spricht von einem Schaden von über 150.000 Euro.
Vor ihrem Wahlkampf-Auftritt in Neuried war Marie-Agnes Strack-Zimmermann bei der Mittelbadischen Presse in Offenburg zu Gast.
18.04.2024
Interview mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann
Im Interview spricht die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses und FDP-Spitzenkandidatin für die Europawahl über unsere Sicherheit. Sie sagt, knicken Deutschland und Europa bei der Unterstützung der Ukraine ein, wird Putin weitere Länder angreifen.
Auch in der Offenburger Innenstadt war die Polizei beim Sicherheitstag verstärkt präsent: Dort lag ein Fokus auf Fahrradfahrern, die etwa für das Tragen eines Helms sensibilisiert und zum Diebstahlschutz informiert wurden.
18.04.2024
Schon der siebte Sicherheitstag
Das Polizeipräsidium Offenburg hat am Mittwoch ab 6 Uhr am Morgen einen Sicherheitstag auf die Beine gestellt. Mit verschiedenen Aktionen soll das Sicherheitsgefühl der Bürger gestärkt werden.
17.04.2024
Offenburg
Nach den tödlichen Schüssen an der Waldbachschule in Offenburg im November beginnt die Verhandlung am Donnerstag, 18. April, gegen einen 15-jährigen Schüler unter anderem wegen Mordes.
Ein Dachdecker verlegt sogenannte Biberschwänze auf einem großen Hausdach. Die Lage der Handwerksbetriebe stagniert laut Handwerkskammer Freiburg auf niedrigem Niveau.
17.04.2024
Handwerkskammer Freiburg legt Zahlen für erstes Quartal vor
Betriebe sind unzufrieden mit ihrer Auftragslage und den Umsätzen. "Der Stagnation auf niedrigem Niveau muss etwas entgegengesetzt werden", so Christof Burger, Vizepräsident der Handwerkskammer Freiburg
Wenn viel Schnee fällt, muss der Räumdienst gut geplant sein. Sensoren helfen mancherorts in der Ortenau, die Abläufe einfacher zu machen.
17.04.2024
Offenburg und Lahr setzen Sensoren ein
Schnee und Glätte automatisch erfassen: Mit Sensoren hält die Digitalisierung auch im städtischen Winterdienst zunehmend Einzug. Weniger Kontrollfahrten dank Wetterstationen.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Alles andere als ein Glücksspiel: die Geldanlage in Aktien. Den Beweis dafür tritt azemos in Offenburg seit mehr als 20 Jahren erfolgreich an.
    17.04.2024
    Mit den azemos-Anlagestrategien auf der sicheren Seite
    Die azemos Vermögensmanagement GmbH in Offenburg gewährt einen Einblick in die Arbeit der Analysten und die seit mehr als 20 Jahren erfolgreichen Anlagestrategien für Privat- sowie Geschäftskunden.
  • Auch das Handwerk zeigt bei der Berufsinfomesse (BIM), was es alles kann. Hier wird beispielsweise präsentiert, wie Pflaster fachmännisch verlegt wird. 
    13.04.2024
    432 Aussteller informieren bei der Berufsinfomesse Offenburg
    Die 23. Berufsinfomesse in der Messe Offenburg-Ortenau wird ein Event der Superlative. Am 19. und 20. April präsentieren 432 Aussteller Schulabsolventen und Fortbildungswilligen einen Querschnitt durch die Ortenauer Berufswelt. Rund 24.000 Besucher werden erwartet.
  • Der Frühling steht vor der Tür und die After-Work-Events starten auf dem Quartiersplatz des Offenburger Rée Carrés.
    12.04.2024
    Ab 8. Mai: Zum After Work ins Rée Carré Offenburg
    In gemütlicher Runde chillen, dazu etwas Leckeres essen und den Tag mit einem Drink ausklingen lassen? Das ist bei den After-Work-Events im Rée Carré in Offenburg möglich. Sie finden von Mai bis Oktober jeweils von 17 bis 21 Uhr auf dem Quartiersplatz statt.
  • Mit der Kraft der Sonne bringt das Unternehmen Richard Neumayer in Hausach den Stahl zum Glühen. Einige der Solarmodule befinden sich auf den Produktionshallen.
    09.04.2024
    Richard Neumayer GmbH als Klimaschutz-Pionier ausgezeichnet
    Das Hausacher Unternehmen Richard Neumayer GmbH wurde erneut für seine richtungsweisende Pionierarbeit für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit ausgezeichnet. Die familiengeführte Stahlschmiede ist "Top Innovator 2024".