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Ortenaukreis

Offenburg: Neues Ja für geplanten neuen Schlachthof

Martin Maier, Innungsobermeister der Fleischerinnung Ortenau, befürwortet ihn erstmals öffentlich
12. Mai 2016
&copy Iris Rothe

Zum ersten Mal bekommt der geplante Offenburger Schlachthof im Gewerbegebiet Hoch 3 Rückenwind von der Fleischerinnung. Innungsobermeister Martin Maier sagte, dass dieser wünschenswert sei.
 

Gerd Baumer, bis zu seiner Pensionierung Berufsschullehrer für Fleischer in Kehl und bis dahin auch Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag, sieht den geplanten Offenburger Schlachthof weiter auf einem guten Weg. »Seit 1996 ist die Rentabilität gegeben, sämtliche Investitionen – etwa 100 000 Euro pro Jahr zum Erhalt der EU-Norm inklusive Tierschutz und Qualitätssiegel – wurden aus dem Cashflow bezahlt«, teilte Gerd Baumer auf Anfrage der Mittelbadischen Presse mit.

Gerd Baumer, einerseits Organisator für die Betreibergesellschaft Haas-Bauernschmidt und andererseits »Schlachthofpate« im Unterausschuss »Gesamtstrategie Ländlicher Raum« des Kreistags, teilte weiter mit, dass die Gesellschaft bis 2019 voraussichtlich gar keine Verbindlichkeiten mehr habe.

Probleme in Straßburg

Für Wirbel indes sorgen Berichte in den französischen Medien, wonach der Straßburger Schlachthof in den roten Zahlen steckt. Demnach sollen rund 200 Viehzüchter seit 1. April auf rund zwei Millionen Euro warten, weil das Handelsgericht Straßburg das erlöste Geld in der Schlachthofgenossenschaft halten wolle. Bis 20. Juni sei noch Zeit, einen Investor zu finden. Gleichzeitig werde versucht, die Landwirte zu bezahlen.

Die Frage, ob sich die Offenburger Betreiber anstatt eines Neubaus nicht in Straßburg engagieren wollen – immerhin gibt es ja auch den Eurodistrikt – beantwortete Baumer so: »Es werden schon Gespräche geführt. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass beispielsweise ein Landwirt aus dem Harmersbachtal nach Straßburg zum Schlachthof fahren würde«, sagte er.

Nur persönliche Meinung

Martin Maier (Sasbachwalden), Innungsobermeister der Fleischerinnung, sieht einen weiteren Aspekt: »Die Verbraucher würden sich daran stören.« Diese wünschten sich Regionalität, also sollte Vieh aus der Ortenau auch in der Ortenau geschlachtet werden. Maier betonte aber, dass dies »nur« seine persönliche Meinung ist. Vielen Metzgern selbst scheint das Thema Schlachthof nicht so auf den Nägeln zu brennen. Bereits 2015 hätte eine Umfrage zu diesem Thema ausgewertet sein sollen, sie ist es aber bis heute nicht. Nur 50 Prozent der Betriebe haben überhaupt geantwortet.

Baumer sieht aber noch weitere Punkte, die gegen ein Engagement in Straßburg sprechen: »Der Schlachthof ist US-zertifiziert, hat aber keine EU-Zulassung. Die würde er zwar bekommen, aber das muss organisiert und finanziert werden.«

Im Übrigen sei der Straßburger Schlachthof mit einem Alter von 15 bis 20 Jahren zwar relativ modern, aber nicht gläsern und schon gar nicht CO2-neutral. Doch genau diese Punkte solle der Offenburger Schlachthof erfüllen. Zudem habe jetzt auch die Fleischerei- & Gastronomieservice (FGS) Interesse, sich im Gewerbegebiet anzusiedeln. Im Gespräch war auch, freie Kapazitäten an anderen Orten zu nutzen.

Konzept verzögert sich

Eigentlich hätte in diesen Tagen dem Regierungspräsidium ein Wirtschaftlichkeitskonzept für den geplanten Schlachthof vorgelegt werden sollen. Doch das verzögert sich, weil die Planung noch nicht ganz steht, sagte Baumer.

An die Genehmigung eines Schlachthofs sind einige Bedingungen geknüpft: Er muss  unter anderem rentabel sein und überwiegend mit heimischen Züchtern langfristig zusammenarbeiten. Die Firma Haas-Bauernschmidt geht von einem hohen einstelligen Millionen-Invest aus. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, könnte das Land den Neubau fördern. Der Ortenauer Landwirtschaftsdezernent Martin Schreiner betonte erneut, dass die Genehmigung Landessache sei. Dies müsse abgewartet werden.

Autor:
Thomas Reizel

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