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Offenburg: Rapband "Zweierpasch" bildet Lehrer fort

Felix und Till Neumann vertonen klassische Märchen anders / Projekt in Deutsch und Französisch für Schulen
27. April 2016
&copy Timmy Hargesheimer

Die Zwillinge Felix und Till Neumann (32) sind der Kopf der deutsch-französischen Rapgruppe »Zweierpasch/Double Deux«.  Mit ihrem Projekt »Rapconte« bilden sie Lehrer aus und zeigen, wie diese mithilfe von Rap und Märchen Fremdsprachen vermitteln können. Heute, Mittwoch, machen sie das im ausgebuchten Kreismedienzentrum in Offenburg.

Die Zwillinge Felix und Till Neumann (32) sind der Kopf der deutsch-französischen Rapgruppe »Zweierpasch/Double Deux«. Mit ihrem Projekt »Rapconte« bilden sie Lehrer aus und zeigen, wie diese mithilfe von Rap und Märchen Fremdsprachen vermitteln können. Heute, Mittwoch, machen sie das im ausgebuchten Kreismedienzentrum in Offenburg.

Auf Ihrem am Freitag erscheinenden Album »Rapconte« rappen Sie klassische Märchen wie »Hänsel und Gretel«. Im Zuge dessen geben Sie Fortbildungen für deutsche und französische Lehrer. Wie kann man sich das genau vorstellen?
Felix Neumann: Es gibt auf der einen Seite die CD, auf der wir die alten, geheimnisvollen Märchen kräftigt entstaubt und mit einem Schuss urbaner Magie versehen haben. Begleitend dazu gibt es Angebote im pädagogischen Bereich mit Schülerworkshops, Leh­rerfortbildungen und später mit Konzerten, die als Begegnung  von Schülern aus Frankreich und Deutschland fungieren sollen.

Das klingt nach einer klugen Vermarktungsstrategie für das neue Album.
Till Neumann: Das könnte man so sehen. Tatsächlich haben wir vor etwa zwei Jahren auf einem deutsch-französischen Märchenfestival mit dem Thema ›Rapper erzählen Geschichten‹ gespielt. Wir haben gemerkt, dass Märchen sehr coole, teilweise richtige Gangster-Geschichten sind. Daneben machen wir seit etwa zehn Jahren auch viele Bildungsprojekte. Da geht es vor allem um Fremdsprachenunterricht und politische Inhalte. Deswegen gibt es neben der CD auch das Bildungsprojekt.

Wie passen Rapmusik, Märchen und Pädagogik überhaupt zusammen?
Felix Neumann: Bei uns selbst war es so, dass wir über Rap die Lust für Fremdsprachen, in unserem Fall für Französisch, bekommen haben. Dann lag es für uns nahe, dass wir mit den Märchen, die sich an ein junges Publikum richten, auch pädagogisch etwas aufziehen können. Wir merken immer wieder: Rap ist ein magisches Instrument. Es ist super, um einen coolen Umgang zu Fremdsprachen zu bekommen.

Habt ihr ein Lieblingsmärchen?
Felix Neumann: Wir haben uns die Freiheit genommen, ein eigenes Märchen zu schreiben. Da kommen wir beide ein bisschen drin vor.  Das ist nicht mein Lieblingsmärchen, aber ich finde es besonders reizvoll, weil es mich selbst auch ein bisschen mit drin hat. 

Dieses Märchen ist also autobiogrgafisch.
Felix Neumann: Nicht ganz. Aber es geht um Zwillingsbrüder, die viel gemeinsam unternehmen und die dadurch, dass sie sich gegenseitig helfen, es schaffen, besser durchs Leben zu kommen.

Till Neumann: Es am Ende aber doch nicht schaffen. Das ist kein klassisches Happy-End-Märchen. Es heißt »Die Zwei und der Berg«. Mein Lieblingsmärchen ist mittlerweile »Hensel und Gretel«. Ich finde es cool, wie sie sich nicht von der Hexe rum kriegen lassen.

 


 

Wie können Lehrer Ihre Märchen-Raps in deren Unterricht einbauen?
Felix Neumann: Es geht uns darum Feuer für die Fremdsprache zu entfachen und Möglichkeiten für Klassenbegegnungen von Deutschen und Franzosen zu schaffen. Zum einen bei Konzerten, zum anderen auch bei den Workshops. Da rappen wir mit den jungen Leuten zweisprachig die Märchen. Es geht von Grundtechniken des Rap über das Einüben der Märchen bis zum Selbstschreiben von Texten. Wir zeigen Lehrern, wie das auch ohne uns gut klappt.

Aber der Lehrer muss nicht rappen können, oder?
Till Neumann: Das Schöne an Rap ist, dass die Grundtechniken leicht zu erlernen sind. In 90 Minuten können alle Schüler einen Text rappen – Lehrer genau so. Wir haben Materialien zu jedem Song bereit gestellt. Also: Das kann jeder Lehrer, auch ohne das ganz große musikalische Talent. Wenn wir Workshops geben, rappen wir zu Beginn. Damit Lehrer das nicht machen müssen, bekommen sie unsere CD und können die abspielen. Die Musik stellen wir für Lehrer aus dem Eurodistrikt auch kostenlos auf unserer Homepage zur Verfügung. 

Wie kommt der Kontakt zu Lehrern zustande?
Felix Neumann: Wir sind mittlerweile fest in der Region verankert. Die ersten pädagogischen Projekte haben wir 2005 gemacht. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Anfragen von Schulen und Lehrern dazu. Wir kooperieren etwa mit dem Eurodistrikt, dem Regierungspräsidium Freiburg und der Akademie in Straßburg. Ich persönlich bin beruflich im Bildungsbereich tätig, war mehrere Jahre für deutsch-französische Schulprojekte zuständig. Da kam es immer wieder zu Überschneidungen mit ›Zweierpasch‹.

Wie lange läuft das Projekt?
Felix Neumann: Kick Off, also offizieller Projektstart, war im August, es endet mit dem auslaufenden Schuljahr im Juli diesen Jahres. Danach läuft »Rapconte« in seiner jetzigen Form mit unseren Förderpartnern aus. Pädagogische Märchen- und Rapangebote sowie »Rapconte«-Konzerte von Zweierpasch wird es jedoch weiterhin geben. Dann aber für Schulen zunächst nicht mehr kostenlos.

Und was kommt danach?
Till Neumann: Es gäbe locker Möglichkeiten für »Rapconte zwei, drei, vier und fünf«. Coole Märchen gibt es ja genug. Wir arbeiten gerade an einer anderen CD ohne Märchen. Ich hoffe, dass die noch 2016 kommt. Im Oktober sind wir für eine Woche in Kasachs­tan auf Tournee. Dort spielen wir Konzerte und geben Workshops. 

Felix Neumann: Zur Bundestagswahl im kommenden Jahr wollen wir noch ein Projekt auf die Beine stellen. Zur Wahl 2013 hatten wir schon »Rap dich zur Wahl« gemacht. Das richtete sich vor allem an eher bildungsferne Jugendliche. So etwas ähnliches soll im kommenden Jahr auch wieder entstehen.

Autor:
Matthias Jundt

Stichwort

»Zweierpasch«

Seit 2012 gibt es die Band »Zweierpasch«. Kern der Rapgruppe sind die 32-jährigen Zwillinge Till und Felix Neumann.
»Zweierpasch« rappen auf Deutsch und Französisch und bieten regelmäßig Hip-Hop- und Bildungsprojekte an.
Insgesamt besteht die Band aus fünf Personen, einer Grafikerin, einem Kameramann und der französischen Lektorin und Musikerin Margaux Hugbart.
Die Band trat schon mit Udo Lindenberg auf, rappte bei Bundespräsident Joachim Gauck auf Schloss Bellevue und war im TV.

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