Startseite > Lokales > Ortenau > Ortenau-Klinikum: Verliert Offenburg seine beiden Standorte?
Ortenau

Ortenau-Klinikum: Verliert Offenburg seine beiden Standorte?

Strategiepapier hat es in sich / Bis zu sieben Standorte könnten langfristig in der Ortenau wegfallen
16. Mai 2017
&copy Ulrich Marx

Das Strategiepapier, das die Krankenhausberatungsgesellschaft CMK am Mittwoch dem Krankenhausausschuss vorstellte, hatte es in sich. Einer der Vorschläge sieht für den Ortenaukreis nur noch drei Kliniken vor. Ein Standort in Offenburg wäre nicht mehr dabei.

Das Strategiepapier aus der Feder des Krankenhausberatungsgesellschaft CMK, das der Mittelbadischen Presse vorliegt, wird die Ortenau noch lange beschäftigen. Bis zu sieben von neun Standorten stünden zur Disposition, würden die Vorschläge eins zu eins umgesetzt. Ein Vorschlag sieht gar die Schließung der beiden Offenburger Kliniken und den Neubau einer Großklinik im Norden des Kreises vor.  

Bislang handelt es sich nur um ein Strategiepaier. Am kommenden Mittwoch, 23. Mai, soll es vor dem Krankenhausausschuss weiter vorgestellt werden. Die Pressestelle des Landratsamt hat angekündigt, dass sich danach auch Landrat Frank Scherer äußern wird.  

Im Folgenden beantworten wir die wichtigsten Fragen:

 

Welche Vorgaben hatten die Berater? 

»Vorgaben an die Berater waren, die Trends und Entwicklungstendenzen in Bezug auf die Medizin, die Gesetzgebung, die Personalgewinnung, die Fördermittelpolitik des Landes sowie die Wirtschaftlichkeit jetzt und in Zukunft darzustellen. Zudem sollte ein Konzept ausgearbeitet werden, dass auch langfristig bis 2030 eine erfolgreiche Patentenversorgung gewährleistet«, antwortete Klinikumssprecher Christian Eggersglüß auf eine Anfrage der Mittelbadischen Presse. Ein mittlerer fünfstelliger Betrag kostet nach Angaben von Eggersglüß die Expertise. Der Auftrag sei nach einer Ausschreibung an CMK gegangen. 

 

Wieso halten die Berater solch drastische Einschnitte für nötig? 

2015 hat das Klinikum einen Verlust von rund neun Millionen Euro erwirtschaftet. Werden keine Maßnahmen ergriffen, prognostizieren die Berater für 2023 einen Verlust  von rund 17 Millionen Euro. Spätestens dann wären dem Strategiepapier zufolge auch die Rücklagen des Klinikums aufgezehrt. Die Tendenz gehe sogar Richtung 20 Millionen. 

Defizitär waren nach Angaben der Berater im Jahr 2015 bis auf eine Ausnahme alle Kliniken. Einzig die Offenburger Klinik am Ebertplatz kann für das vergangene Jahr einen Gewinn  von 2,67 Millionen Euro aufweisen. Größter Verlustbringer ist die Offenburger St. Josefsklinik mit einem Minus von 3,3 Millionen Euro. 

Den Handlungsbedarf haben die Berater gegenüber den Kreisräten auch mit einem hohen, kurzfristigen Investitionsbedarf von 210 bis 230 Millionen Euro begründet. Am größten ist er in Offenburg. Dort sieht CMK einen Bedarf von 150 Millionen Euro, 50 Millionen Euro für den OP- und Intensivbereich und weitere 100 Millionen Euro für ein Bettenhaus. Immens wären die Investition auch in Lahr. Die Kosten für einen neuen Funktionsbau samt Notaufnahme, schätzen die Berater dort auf 40 bis 50 Millionen Euro. 

 

Gibt es aus Sicht der Berater keine Alternativen?

Das Defizit könnte auch durch eine Steigerung der Belegungszahlen gesenkt werden. 2015 lag sie durchschnittlich bei 75 Prozent.  Besonders niedrig war sie mit 56 respektive 62 Prozent in Oberkirch und in Gengenbach. Als Zielmarke hat CMK 80 bis 85 Prozent angegeben. Eine Steigerung scheint aber unwahrscheinlich. Das Klinikum habe seinen Marktanteil zu 90 Prozent ausgeschöpft, heißt es in dem Papier. 

 

Wie könnte die Krankenhauslandschaft im Jahr 2030 aussehen? 

Die Berater nennen es lapidar »Handlungsalternative 1«. In der Ortenau gebe es dann nur noch drei Kliniken. Der eine Standort wäre Lahr. Den anderen nennen die Berater Standort »Mitte-Nord«. Es würde sich dabei um eine Großklinik mit einem Bedarf von 1097 Betten handeln. Es würde die Schließung der beiden Kliniken in Offenburg,sowie der Standorte Achern und in Kehl bedeuten. »Die Versorgung der nördlichen Gebiete würde ein Standort Mitte/Nord gewährleisten können. Eine nördlichere Lage (als Offenburg, Anm. d. Red.) wäre dabei unter dem Aspekt der Erreichbarkeit von Vorteil«, heißt es dazu in der Vorlage für die Ausschussmitglieder. Das Ziel für Wolfach wäre in einem solchen Szenario »die Stabilisierung des Standortes«. 

In der zweiten langfristigen Handlungsalternative würde Offenburg neben Lahr und Wolfach einer von vier Standorten bleiben. Dazu käme dann ein nicht näher benannter Standort im Norden des Kreises. Dem käme die Aufagen zu »besonders der Abwanderung von Fällen im Norden entgegenzuwirken«. »Es würden die Abteilungen eines Grund- und Regelvorsorgers vorgehalten, sodass auch eine Notfallversorgung gewährleistet werden kann.« Die Berater legen sich nicht fest, ob der Standort Offenburg in einem solchen Szenario aus- oder neugebaut werden sollte.  

 

Welche Änderungen schlagen die Berater kurz- und mittelfristig vor?

Neben einer Langfriststrategie haben die Berater den Kreisräten auch kurzfristige Lösungsansätze vorgeschlagen und dabei zwischen einer Minimallösung, einer mittleren und einer Maximallösung unterschieden. 

Erstere sieht eine Schließung des Standorts Gengenbach vor. Die Orthopädie würde dann an den Standort Kehl verlagert werden. Außerdem soll der Standort Kehl durch einen Umzug der Psychosomatik von Lahr und Offenburg nach Kehl gestärkt werden.  Im mittleren Szenario würde zusätzlich auch der Standort Ettenheim geschlossen werden. Sämtliche Abteilungen würden demzufolge in der Klinik Lahr angesiedelt werden. Kehl würde seine Abteilungen Allgemeinchirurgie, Gynäkologie und HNO an die Standorte Offenburg und Achern verlieren. In der Maximallösung würde dann auch noch das Klinikum Oberkirch dichtgemacht werden. 

 

Wie reagiert das Klinikum auf die Kritik an Beratern aus den Reihen der Kreisräte? 

»Die von den Beratern dargestellten Zahlen zur Ausgangslage des Ortenau-Klinikums waren korrekt«, betonte Kliniksprecher Christian Eggersglüß. Das Gremium habe aber einige ergänzende Zahlen gewünscht. Offensichtlich hat das Klinikum auf die Kritik reagiert. »Die Präsentation wird in Zukunft Klinikgeschäftsführer Christian Keller persönlich übernehmen«, kündigte der Sprecher an.

Autor:
Jens Sikeler

Videos

Missbrauchsprozess - 22.05.2017 Ortenau Aktuell

Missbrauchsprozess - 22.05.2017 Ortenau Aktuell

  • Racing Strasbourg - 22.05.2017 Ortenau Aktuell

    Racing Strasbourg - 22.05.2017 Ortenau Aktuell

  • 22.05.17 - ORTENAU|12:30

    22.05.17 - ORTENAU|12:30

  • Zweckverband stimmt finalem Plan für Kinzigtalbad zu - 19.05.2017 ORTENAU AKTUELL

    Zweckverband stimmt finalem Plan für Kinzigtalbad zu - 19.05.2017 ORTENAU AKTUELL

  • WOCHENVORSCHAU - 19.05.2017

    WOCHENVORSCHAU - 19.05.2017