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Ortenau

Windrad-Transport aufs Kambacher Eck bei Steinach

Ferngesteuerter Spezialtransport liegert Rotorblätter an / Millimeterarbeit im ganz großen Stil
16. Februar 2016
&copy Iris Rothe&copy Iris Rothe

Millimeterarbeit ist der Transport der Rotorblätter für die Windkraftanlage aufs Kambacher Eck. Gestern wurde das dritte angeliefert – ab Mitte März soll Anlage vier des Windkraftprojektes den ersten Strom liefern.
 

Steinach. Gestern Nachmittag bei Steinach: Rückwärts geht es den Berg hinauf für Randolf Peters. Seine Augen haften am Selbstfahrer und dem Rotorblatt vor ihm, das wie eine Skulptur zwischen zwei Bauernhöfen aufragt. Wanglig 51 und 52 ist die kniffligste Stelle auf dem rund vier Kilometer langen Weg zum künftigen »Windpark Kambacher Eck«, für den Peters von der Schwerlastspedition Bender mit seinem Transport-Tross vier Stunden benötigt.

Alles ausgemessen

»Ich habe mir das alles vorher ausgemessen«, sagt Peters. Schließlich ist es Millimeterarbeit – er muss genau wissen, wann er das Rotorblatt mit einem Surren zur Seite dreht, in die Höhe stemmt oder mit dem Gewicht verlagert. Denn wenn der Achtachser mit der 13,5 Tonnen schweren Fracht den Berg hinauffährt, kommt so manches Hindernis in Form von engen Kurven, 18 Prozent Steigung, Bäumen, Leitungen und Dächern. Dann fällt sein starrer Blick auf das Gefährt vor ihm, und die Finger drücken vorsichtig am Steuerknüppel. Nur fast wie spielen an der Konsole, »wenn man dort einen Fehler macht, drückt man Enter und bekommt ein neues Spiel«, sagt er, der bei seinen Fußmarsch dank Wasser und Schokoriegeln neue Energie bekommt. 

Wenn man das Spektakel vor der Haustür hat, schaut man auch beim dritten Mal noch zu; Familie Heitzmann bedauert, dass ein Familienmitglied nicht da sein kann, bei dem Großaufgebot mit Vertretern des Energieversorgers Badenova und der Presse.

Die Selbstfahrer – fahrbare Plattformen mit mehreren Achsen und eigenem Antrieb – haben beim Bau von Windkraftanlagen eine neue Ära eingeläutet, lässt Philip Thiemann, Projektleiter Wind bei Badenova Wärmeplus, durchblicken. Beim letzten Projekt wurden die Rotorblätter noch mit einem russischen Transporthubschrauber gebracht.

Wieder im Zeitplan

Das 22 Millionen Euro teure Vorhaben der Badenova-Tochter Wärmeplus liegt im Zeitplan. »Erst gab es eine Verzögerung durchs Wetter, aber die ist nun ausgeglichen«, sagt Klaus Preiser, Geschäftsführer von Badenova Wärmeplus. Insgesamt sollen die vier Windräder vom erstmals eingesetzten Typ E-115 von Enercon 28 Millionen Kilowattstunden Strom jährlich liefern und rund 10 000 Haushalte versorgen. Jede Anlage wiegt mit Turm, Generatoren und Rotoren 2000 Tonnen.

Für Peters ist der Job am Kambacher Eck bald wieder Geschichte. »Mein nächstes Projekt wartet schon«, sagt er. Gestern hat er Vertreter eingelernt, einmal schaut er ihnen noch über die Schultern. Neun Rotorblätter müssen noch vom »Basislager« im Steinacher Gewann Lachen rauf aufs Kambacher Eck.

Autor:
Bettina Kühne

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