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»Putin sollte das lassen«

Trump vor der Presse: Moskau ist doch für Hackerangriffe im US-Wahlkampf verantwortlich
11. Januar 2017
&copy dpa

Das Dossier, erstellt von einem früheren britischen Geheimagenten, umfasst 35 Seiten, und es schlug gestern in Washington wie eine Bombe ein. Denn das Fazit des Papiers, dessen genauer Wortlaut unter anderem die Online-Newsseite »Buzzfeed« veröffentlichte, ist äußerst belastend für den angehenden Präsidenten Donald Trump. 

Die brisante Kernaussage, von Trump gestern empört als »Fake News« und »totaler Blödsinn« zurückgewiesen: Moskau habe nicht nur jahrelang den New Yorker Geschäftsmann unterstützt, sondern gleichzeitig auch kompromittierendes Material über sein Sexleben und seine Finanzen gesammelt, um ihn erpressbar zu machen. Die Erkenntnisse sollen von dem Ex-Agenten zunächst im Auftrag von Trumps parteiinternen politischen Gegnern und später vom Clinton-Lager gesammelt worden sein. Der Brite, früher beim Auslandsgeheimdienst MI 6 beschäftigt, gelte als »zuverlässig und kompetent« und habe sich seiner Quellen im russischen Geheimdienst und bei Moskauer Regierungsstellen bedient, heißt es. 

Das Dossier war seit Monaten US-Behörden und auch einigen Medien bekannt und wurde dann letzte Woche in einer zweiseitigen Zusammenfassung der CIA auch Präsident Barack Obama und Trump übermittelt.

»Buzzfeed« stellte gestern das gesamte Material »aus Transparenzgründen« online, damit, so die News-Seite, sich »die Bürger ihre eigene Meinung über die Anschuldigen bilden können«. Sowohl von »Buzzfeed« als auch aus FBI-Kreisen war gestern zu hören, man habe die in dem Dossier enthaltenen Details bisher nicht verifizieren können. Darunter zählt unter anderem auch die Behauptung, Trump habe 2013 in der Präsidentensuite des Moskauer »Ritz Carlton« eine von Perversitäten geprägte Sexparty mit Prostituierten gefeiert und dabei die Frauen in ein Bett urinieren lassen, in dem auch schon einmal Barack und Michelle Obama geschlafen hätten. Da alle Zimmer der Suite mit versteckt installierten Videokameras ausgestattet gewesen seien, habe der russische Geheimdienst diesen Vorgang im Bild festhalten können.
 
Neun Tage vor der Ablegung seines Amtseids ist die Veröffentlichung des pikanten Dossiers ein weiterer Tiefschlag für Trump, dessen überaus freundliches Verhältnis zu Wladimir Putin seit Längerem für große Irritationen sorgt. Die US-Regierung hatte kürzlich das Fazit von CIA, FBI und NSA veröffentlicht, Moskau habe durch Hackerangriffe auf Rechner der Demokraten aktiv Einfluss auf die Wahlentscheidung zugunsten Trumps nehmen wollen. Trump hatte sich dieser Ansicht jedoch stets widersetzt. 

Die Meldungen über eine mögliche Erpressbarkeit sorgten nun für heftige Reaktionen beim angehenden Präsidenten. Der sich als Opfer sehende Trump sprach in mehreren morgendlichen Twitter-Botschaften zunächst von einer »totalen politischen Hexenjagd« und »Falschinformationen«. Bei seiner ersten mit Spannung erwarteten Pressekonferenz seit dem Sommer 2016 nannte Trump in New York die Berichterstattung über das Russland-Dossier gestern »Unsinn« – und spekulierte, die US-Geheimdienste wollte ihm damit kurz vor Amtsantritt erneut schaden. Das Dossier sei das Produkt von »kranken Leuten« und eine »Erfindung«. 

Erstmals zeigte Trump aber nach langem Zögern Bereitschaft, die Überzeugung der US-Geheimdienste zur Einflussnahme Moskaus auf seine Wahl zu akzeptieren: »Ich denke, es war Russland«, so Trump, »Putin sollte das lassen.« Allerdings seien auch andere Länder wie China  durch Cyberattacken aktiv, fügte er an. 

Autor:
Friedemann Diederichs

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