Kolumne

Der neue Modus ist das Beste, was uns passieren konnte

Marcus Hug
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28. Juni 2016

Marcus Hug ©Iris Rothe

Jetzt ist es also Italien. Der ultimative Angstgegner kommt den deutschen Weltmeistern auf dem Weg zum Triumph bei der Europameisterschaft in die Quere. Eine überalterte Mannschaft, auf die nach der 1:4-Klatsche in München im März keiner mehr einen Pfifferling gegeben hatte.

Italien als krasser Außenseiter bei einer EM. Dieses Fehlurteil revidierte die »Squadra Azzurra« schon beim 2:0 gegen Belgien zum Auftakt. Und gestern zeigte der viermalige Weltmeister eine Seite, die man selbst aus den erfolgreichsten Zeiten nicht kannte. Spielfreudig, offensiv, kombinationssicher – die ausgelaugt wirkenden Spanier wurden völlig überrumpelt.

Das Viertelfinale in Bordeaux am Samstag bietet die Chance, eine der größten Sehnsüchte des deutschen Fußballs zu stillen: Ein Sieg gegen Italien bei einem großen Turnier. Und Jogi Löw kann seine schwärzeste Stunde als Bundestrainer vergessen machen, als er sich 2012 im EM-Halbfinale gegen Balotelli und Co. komplett vercoachte.

Mit der Gelassenheit des Weltmeister-Trainers wird Löw das nicht nochmal passieren. Sein völlig überdrehter italienischer Kollege Antonio Conte, der nach dem zweiten Treffer gestern fast die Trainerbank zerlegte, sollte dagegen eher einen Käfig bekommen, damit er für niemanden zur Gefahr wird.

Die letzten acht Teams dieser Mammut-EM sind also gefunden. Damit dürfte auch das Gejammer über den von vielen als so unsäglich angesehenen Modus endlich aufhören. Chaotisch, verwirrend, eine schlecht durchdachte Idee von Platini – kaum einer ließ ein gutes Haar am neuen Format.

Der tief gestürzte Uefa-Präsident hat die Aufblähung der EM auf 24 Teams zu verantworten, das ist richtig. Auch einige andere desas­tröse Entwicklungen rund um den Weltfußball kann man ihm und seinem hochkorrupten Mitstreiter aus der Schweiz in die Schuhe schieben. Aber der komplizierte Modus ist nun wahrlich nicht auf Platinis Mist gewachsen.

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Schon bei der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko wurde nach dem gleichen Prinzip gespielt. 24 Mannschaften, ein Achtelfinale mit den vier besten Gruppendritten. Sogar die Formel, welcher Dritte für welchen Gruppensieger in Frage kommt, war zu 100 Prozent identisch. Und Platini hatte nachweislich nichts damit zu tun. Der trug damals die Nummer 10 auf dem Rücken und wirbelte mit den Franzosen durch die WM, um im Halbfinale an den deutschen Rumpelfußballern um Berthold, Briegel und Förster kläglich zu scheitern.

Oder nehmen wir die WM 1990. Das legendäre Achtelfinale zwischen Deutschland und Holland in Mailand – Sie wissen schon, Rijkaards Spuck-Attacke, der beste Klinsmann aller Zeiten als Einzelkämpfer im Sturm nach Rot für Völler – dieses Spiel hätte es nie gegeben, wären die Oranjes nicht als Gruppendritter weitergekommen – übrigens nach Losentscheid mit Irland. Und kein Mensch hat sich damals gefragt, ob ein anderer Modus besser gewesen wäre.

Aber jetzt, 26 Jahre später, wird alles bis ins kleinste Detail durchgekaut. Warum dürfen überhaupt Gruppen­dritte ins Achtelfinale? Wer entscheidet, gegen wen dann gespielt wird? Wieso müssen manche Gruppenerste gegen Zweite spielen, was dann ein Duell wie Italien gegen Spanien zur Folge hat? Die Anowort auf alle diese Fragen ist ganz einfach: Bei 24 Teilnehmern geht es nicht anders.

Einige Schlaumeier forderten beispielsweise, das Achtelfinale einfach auszulosen. Tolle Idee. Die Gruppensieger dürften aber nicht gegeneinander spielen, auch die Teams aus der gleichen Gruppe möglichst nicht vor dem Finale erneut aufeinandertreffen. Was gibt es da noch zu losen? Oder man solle den vier besten Gruppensiegern im Achtelfinale ein Freilos geben – und damit womöglich Teams belohnen, die sich gegen leichte Gegner in der Vorrunde durchgesetzt haben. Schwachsinn!

Auch das Gerede über die so wahnsinnige Belastung der Spieler durch die Mammut-EM nach einer ewig langen Saison ist nicht mehr zu ertragen. In der Vorrunde gab es schon immer drei Spiele für jedes Team, ganz egal ob 16 oder 24 Mannschaften mitspielen. Ja, das Achtelfinale ist neu, das bedeutet eine Partie mehr. Die ganze Diskussion wegen einem einzigen zusätzlichen Spiel? Im Ernst? Da fehlen mir die Worte.

Rein patriotisch gesehen ist es sogar optimal gelaufen. Vor dem großen Klassiker gegen Italien ein lockeres Achtelfinale gegen die Slowakei. Viel Selbstvertrauen getankt, endlich die richtige Startformation gefunden – was Besseres hätte uns gar nicht passieren können.

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