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Doping spielt auch in London mit

22. Sport-Stammtisch der Mittelbadischen Presse mit ehemaligen Olympia-Teilnehmern aus der Ortenau
18. Juli 2012
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Elf Tage vor der Eröffnung der XXX. Olympischen Spiele in London diskutierten sechs ehemalige Olympia-Teilnehmer aus der Ortenau beim 22. Sport-Stammtisch der Mittelbadischen Presse im Offenburger Hotel Sonne über das Sportereignis des Jahres. Eigene Erlebnisse, Olympia im Wandel der Zeit, Doping und deutsche Medaillenchancen waren die Themen des Abends.

Offenburg. Die Olympischen Spiele gelten als das Größte, was ein Sportler in seiner Karriere erreichen kann. Am 27. Juli werden wieder 10 500 Athleten dabei, sein wenn in London die Olympischen Sommerspiele eröffnet werden. Anlass genug für die Mittelbadische Presse, unter der Leitung von Sportchef Rüdiger Rüber, mit sechs ehemaligen Olympia-Teilnehmern aus der Ortenau zu diskutieren.

»Unvergessliches Erlebnis«

Georg Nückles (400 Meter), Andreas Steinbach (Ringen), Anna Baylis-Scheiderbauer (Mountainbike), Robert Ihly (Gehen), Waltraud Geiler (Schießen) und Martin Knosp (Ringen) waren sich in einem Punkt einig: Die Olympischen Spiele sind ein unvergessliches Erlebnis im Leben eines Sportlers. Sportschützin Waltraud Geiler (ehemals Weißenberg) aus Goldscheuer schwärmt noch immer von den Spielen 1984 in Los Angeles: »Ich habe zwar nicht sonderlich gut abgeschnitten, aber es war trotzdem überwältigend. Ich bin oft einfach nur dagesessen und habe gestaunt, wen man so alles hautnah erlebt.«

Dem konnte sich der Kehler 400-Meter-Läufer Georg Nückles nur anschließen. »Das war mit Abstand mein größter Wettkampf. Schon als kleiner Junge habe ich davon geträumt, einmal dabei zu sein«, gesteht der Olympia-Teilnehmer von 1972 in München. Für Martin Knosp, Silbermedaillengewinner im Ringen 1984, hatten die Olympischen Spiele von Los Angeles einen Haken: »Rein sportlich war es nicht das Größte. Wir waren die Leidtragenden des Moskau-Boykotts. In LA waren die besten Ringer der Welt aus den GUS-Staaten gar nicht am Start«, meinte der Urloffener.

Doping auch in London eine große Rolle

Alle sechs Athleten befürchten, dass das Thema Doping auch in London eine große Rolle spielt. »Wo es um viel Geld geht, ist die Gefahr immer sehr groß«, befürchtet Knosp und sein Ringer-Kollege Andreas Steinbach aus Lahr, der 1988 in Seoul und 1992 in Barcelona jeweils Platz fünf erreichte, behauptete: »Wer mit seinem Sport Millionen verdient, sieht sich nicht als Sportler und versucht alles, um erfolgreicher zu sein«. Die australische Mountainbikerin Anna Baylis-Scheiderbauer aus Offenburg-Rammersweier, die sich überraschend 2000 für Sydney qualifizierte, hält das Strafmaß für »viel zu gering«. »Gerade im Radsport scheinen alle gleich zu sein, sonst würden sich mehr Athleten dagegen wehren«, ergänzt Baylis-Scheiderbauer.

Geiler ist überzeugt, dass schon 1984 im Schießsport Doping weit verbreitet war: »Ich habe nach dem Wettkampf von einem Arzt erfahren, dass 80 Prozent der Sieger dank eines Attests Beta-Blocker genommen haben.« Als größtes Problem sieht Knosp das uneinheitliche Kontollsystem: »Deutschland ist da päpstlicher als der Papst. Wenn überall so präzise kontrolliert würde wie hier, wären wir schon einen großen Schritt weiter.« Doch das ist für den dreifachen Olympia-Teilnehmer (1992, 1996, 2000), Robert Ihly, utopisch. »Ein einheitliches Kontrollsystem wird es nie geben. Zudem ist die Spitze immer einen Schritt voraus«, befürchtete der Geher aus Schutterwald.

Große Vorfreude auf London

Die Vorfreude auf London ist dennoch bei allen groß. »Aus unserem Team sind drei Athleten am Start. Klar, werde ich gespannt vor dem Fernseher sitzen«, fiebert Baylis-Scheiderbauer vor allem dem olympischen Mountainbike-Rennen entgegen. Die Freiburgerin Adelheid Morath, der Österreicher Karl Markt und die Slowenin Blaza Klemencic, die allesamt für das von Baylis-Scheiderbauer und ihrem Ehemann Jörg gemanagte Profiteam fahren, haben sich für London qualifiziert.

In Zeiten, wo immer mehr nur Siege zählen, denkt Geiler auch an die vermeintlichen Verlierer: »Ich freue mich, wenn es auch Anerkennung für einen fünften Platz gibt. Das ist eine Riesenleistung. Ich bekomme schon beim Zuschauen Herzklopfen.«

Martin Knosp, der zudem Vorsitzender des südbadischen Ringerverbands ist, sieht die Bedeutung der Olympischen Spiele noch aus einem ganz anderen Blickwinkel. »Ein Verband investiert sehr viel in seine Sportler. Das Abschneiden in London ist enorm wichtig für die finanzielle Förderung einer Sportart. Im Bereich der Jugendarbeit hängt davon sehr viel ab«, erklärt Knosp.

Gemischte Erinnerungen

Die Erinnerungen der einstigen Weltklasse-Sportler sind gemischt, wenn sie an »ihre« Spiele zurückdenken. »Mein Wettkampf war nach drei Tagen vorbei, danach konnte ich in Seoul unter anderem den Golden Slam von Steffi Graf live miterleben«, hat Steinbach das volle olympische Flair erlebt. Andere haben davon nicht so viel mitbekommen. »1992 war es unglaublich heiß, man konnte kaum schlafen. Athleten, die wie Dieter Baumann und Heike Drechsler Geld hatten, sind in ein Hotel gezogen. Und 2000 musste ich in einer Art Wohnwagen übernachten, weil kein Platz mehr im olympischen Dorf war«, bemängelt Ihly die Organisation. Und auch Baylis-Scheiderbauer urteilt: »Die Wohnanlagen in Sydney waren überhaupt nicht schön.«

Georg Nückles erlebte 1972 in München zwei Extreme: »Am Anfang war alles super. Überall im Dorf lief Musik und alles war schön geschmückt, bis das Attentat palästinensischer Terroristen auf die israelische Mannschaft plötzlich einen großen Riss in die Stimmung gebracht hat. Plötzlich war die Musik aus, Panzer standen vor den Toren und die Lockerheit war dahin.«

Kommerzielles Megaevent

Den Wandel der Olympischen Spiele hin zu einem kommerziellen Megaevent sehen die Ortenauer kritisch, doch sie sind sich bewusst, dass es immer höher, schneller und weiter gehen wird. »Man sollte mehr bei den traditionellen olympischen Kernsportarten bleiben«, fordert Nückles und ergänzt: »Das Prestige und die Präsentation des ausrichtenden Landes rücken jedoch immer mehr in den Fokus«.

Die besten Chancen auf deutsche Goldmedaillen sieht Ihly bei den Kanuten und, wie auch Geiler, in den Wurfdisziplinen der Leichtathletik. Baylis-Scheiderbauer traut Schwimmer Paul Biedermann einiges zu, während Nückles vor allem der Ortenauer Speerwerferin Christina Obergföll die Daumen drückt. »Ihr würde ich es ganz besonders gönnen«, so der Hallen-Europameister von 1972.

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Autor: 
Heiko Rudolf

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